Straußenführer 2018


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Von Freiheit und Schönheit

Christo & Jeanne-Claude – Ausstellung in der Kunsthalle Messmer

Möglichst vielen Menschen den Anlass für eine ästhetische Erfahrung zu bieten, das gehört zu den Hauptanliegen des Künstlerpaares Christo (*1935) & Jeanne-Claude (1935-2009), das seit den 1960er Jahren durch spektakuläre, logistisch ausgefeilte Kunstaktionen weltweit bekannt wurde. Sehr erfolgreich war die Verhüllung des Berliner Reichstags, der, nach über zwanzig Jahren Vorbereitung (!), 1994 mit hunderttausend Quadratmetern feuerfestem Gewebe eingekleidet werden durfte – über fünf Millionen Besucher strömten herbei.

Foto des von Christo in Stoff verhällten Pont Neuf

Christo: Verhüllter Pont Neuf

Landschaften, Gegenstände und Gebäude durch Verhüllen besser wahrnehmbar zu machen, ist ein bedeutender Aspekt der Kunst von Christo & Jeanne-Claude, die mit konzeptuellem Ansatz und den Mitteln von Malerei, Skulptur, Architektur und Environment-Art verfährt; wichtig ist zudem das Wechselspiel zwischen Material und natürlichem Kontext, etwa textilen Falten, die Wind und Sonne, Licht- und Bewegungseffekte einfangen, wodurch subtile Formen, ja phänomenale Bilder entstehen. Obwohl die Kunstwerke von Christo & Jeanne-Claude erheblichen Planungsaufwand verlangen, betonen sie das Transitorische und zeitlich Begrenzte; meist bleiben sie nur vierzehn Tage.

Das Künstlerpaar hält an der Vision fest: „Alle unsere Werke besitzen eine sehr ausgeprägte nomadische Qualität (…) Niemand kann diese Projekte kaufen (…). Unser Werk handelt von der Freiheit, und Freiheit ist der Feind allen Besitzanspruchs, und Besitz ist gleichbedeutend mit Dauer.“ Die Besucher können kostenlos an den temporären Ereignissen teilnehmen, für die Finanzierung sorgen die Künstler selbst. Was über deren Dauer hinaus erhalten bleibt, das sind Zeichnungen, Fotos, Collagen und Editionen; als besonders wertvoll gelten hier kleinformatige Montagen, die auf knappem Raum den geographischen Ort eines Projekts skizzieren, oft mit einem Modell aus Pappe und einem Foto versehen, das malerisch bearbeitet und beschriftet wurde.

Solche Kleinodien lassen sich derzeit in einer Ausstellung der kunsthalle messmer entdecken, die anhand von rund 100 Exponaten – Zeichnungen, Collagen, Objekten, Grafiken und Fotos – die künstlerische Entwicklung und Arbeitsweise von Christo & Jeanne-Claude veranschaulicht. Auch verworfene Projekte sowie in Planung befindliche werden vorgestellt, etwa eine Skulptur aus über 400.000 Ölfässern. Ölfässer spielen im Übrigen unter Christos Materialien schon seit 1961 eine Rolle, z.B. bei seinem „Projekt für eine temporäre Mauer aus Ölfässern“ in Paris, das sich als Antwort auf den Bau der Berliner Mauer verstand.

Anfangs, d.h. seit den 1950er Jahren, hatte Christo – ein exzellenter Zeichner und nicht nur ein Mann mit großartiger Fantasie – vor allem Alltagsgegenstände mit Papier, Gewebe und Klebeband verkleidet, doch zunehmend unternahm er im Duo mit Jeanne-Claude Aktionen im öffentlichen Raum; jede war ein Abenteuer und ein farblich prägnanter Eyecatcher, ob nun der verhüllte „Pont-Neuf“ in Paris, die Tausende von „Umbrellas“ in Japan und den USA, die „Wrapped Trees“ in Riehen oder 2016 die „Floating Piers“ am Lago Iseo. All dies lässt sich in der Ausstellung zusammenhängend begreifen und erleben – anschauen, unbedingt!

Christo & Jeanne-Claude – Objekte, Zeichnungen und Collagen, Kunsthalle Messmer, Riegel. Sonderführungen und Vorträge, private Gruppen nach Anmeldung. Geöffnet: Di – So 10 bis 17 Uhr. Bis 18.6. 2017.

Cornelia Frenkel