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Kunst | Juni 2018 | von Friederike Zimmermann

Kunst Koch zeigt Werke von Friedemann Hahn

Dem Auge geben, was einst Vorstellung war

Friedemann Hahn ist nicht nur Maler und Dichter, sondern auch Cineast. Szenen alter Kinofilme stehen im Zentrum der aktuellen Ausstellung des in Hinterzarten aufgewachsenen Künstlers in den Räumen der Firma Beschläge Koch in Freiburg.

Friedemann Hahn: „The big sleep“ .

Mit großer Wucht trifft das Bild das Auge der Eintretenden, kaum dass sie sich ihm in der Eingangshalle der Firma Beschläge Koch in einer leichten Drehung zugewandt haben: Das Diptychon „Zwei Figuren“ (1993), das zu den frühesten der hier gezeigten Werke Friedemann Hahns zählt. Mit gutem Grund jedenfalls behauptet es seine Ausgangsposition zu diesem Bilderparcours, leitet es doch zu dem über, was nun folgen wird – dem Kino.

Friedemann Hahn ist nicht nur Maler und Zeichner, sondern (unter anderem) auch Cineast und Dichter. Auch wenn diese Ausstellung mit keinem Titel überschrieben ist, so zitiert, abgesehen von einer Serie „Schwarzwald“, nahezu die gesamte Bildauswahl Szenen alter Kinofilme. Diese beiden Figuren hingegen erscheinen wie eine Art Pendant und Projektionsfläche für all die anderen Bilder. Bunt flirrend-pulsierend verfangen sich die Farben auf ihren Körpern, als säßen diese zwischen Filmprojektor und der Leinwand im Hintergrund. Letztere indes bleibt leer.

Ob der Künstler sein Doppelbildnis wohl selbstreflexiv an den Beginn seiner Kinoserie gestellt hat, bleibt im Dunkeln. Doch fällt auf, dass sich auf all den anderen Kino-Bildern die Gesichter der Figuren hell vor einem Hintergrund absetzen, der, je früher das Bild, desto monochromer ist.

Keinesfalls handelt es sich bei diesen Filmstills jedoch um verwaschene Erinnerungsbilder. Zu stark liegt der künstlerische Fokus auf dem, was man als die Essenz oder den Sehnsuchts-Funken inneren Erlebens bezeichnen könnte. Jenen Funken nämlich, der von der Kinoleinwand direkt auf den gebannten Betrachter überspringt, ohne dass er überhaupt zwingend mit der Handlung in Verbindung stünde – das nostalgische Flirren alter Filmstreifen inbegriffen; ob das nun der Moment ist, in dem Humphrey Bogart sanft das unmerklich zitternde Kinn Ingrid Bergmanns anhebt, oder jener, der die Zeit vor dem entscheidenden Showdown für einen Sekundenbruchteil anzuhalten scheint.

Der Kunsttheoretiker Konrad Fiedler beschrieb die Welt aus Sicht der Künstler einmal als ein „ungeheures und buntes Gewirr von Wahrnehmungen und Vorstellungen“, die „auftauchend und verschwindend, bald an unserem äußeren, bald an unserem inneren Auge vorüberziehen“; Wahrnehmungen, die sich zugleich aufdrängen und wieder entgleiten, sobald sie der Verstand in Begriffe zu übertragen sucht. Erst die Kunst könne die Bilder in unseren Köpfen adäquat evozieren. Nun, Friedemann Hahn scheint noch weiter zu gehen, indem er in einem weiteren Schritt die (bereits zu einem Film) transformierten Bilder filtert. Bilder, die wie Filme in seinem Kopf ihr Eigenleben führen.

Evident, geradezu positivistisch demonstriert, findet sich das in den kleinformatigen „Schwarzwald“-Bildern (2003). Auch sie gehen auf schwarzweiß-fotografische Vorlagen zurück, deren Silbergelatine-Abzug Friedemann Hahn mit Emaille-Tusche derart bearbeitete und verfremdete, dass von der einstigen Landschaft nur mehr eine Ahnung zurückblieb. Damit konnte er dem Auge geben, was seine Vorstellung einst war.

Friederike Zimmermann

Noch bis 15. Juli. Kunst Koch, Hanferstraße 26, Freiburg-Hochdorf.