Franz Xaver Winterhalter im Augustinermuseum Freiburg

„Maler im Auftrag Ihrer Majestät“

Er malte zügig und sicher, was den Porträtierten imponierte und ihnen langwieriges Sitzen ersparte; zudem konnte man mit dem charmanten Künstler scherzen und lachen. So avancierte er zum bedeutendsten europäischen Hof- und Porträtmaler des 19. Jahrhunderts. Doch nach seinem Tod geriet Franz Xaver Winterhalter (1805 – 1873) hierzulande in Vergessenheit, nun wird er erstmals umfassend gezeigt. Über hundert teils großformatige Gemälde sowie Grafiken, Leihgaben aus französischen, britischen, amerikanischen Museen und dem Bestand des Augustinermuseums, ergeben eine beeindruckende Ausstellung. Drei Jahre lang haben Museumsdirektor Tilmann von Stockhausen und Mitarbeiterin Mirja Straub diese vorbereitet; ohne die moderne Sicherheits- und Klimatechnik des sanierten Augustinermuseums wäre sie nicht möglich gewesen.

©: Augustinermuseum - Städt. Museen Freiburg
©: Augustinermuseum – Städt. Museen Freiburg

Die Laufbahn des im Schwarzwalddorf Menzenschwand geborenen Winterhalter vermag zu erstaunen. Er hatte weltoffene Eltern und ein Pfarrer in der Klosterschule St. Blasien erkannte früh sein Talent. Er wurde nach Freiburg geschickt, um den Beruf des Lithografen zu erlernen; dank Stipendium konnte er anschließend in München Malerei studieren. 1828 fand er in Karlsruhe Anstellung als Zeichenlehrer der Markgräfin von Baden und malte zahlreiche Bildnisse der Großherzoglichen Familie. 1833 bis 1834 bereiste Winterhalter Italien, in zwei Skizzenbücher hielt er Landschaften und romantische Genreszenen fest, die seinen unabhängigen Geist zeigen. 1834 wird er zum badischen Hofmaler ernannt, siedelt aber bald nach Paris über, wo er mit den Bildern „Decamerone“ und „Il Dolce Farniente“ reüssiert, in denen seine Italienreise nachwirkt. Von König Louis-Philippe protegierte, steigt Winterhalter Zug um Zug zum gefragtesten europäischen Maler für aristokratische Porträts auf – dies in einer Zeit des allmählichen Wandels hin zur bürgerlichen Gesellschaft.

1841 wurde er an den britischen Hof gerufen, danach an den spanischen; enorm gefragt, ließ er sich von seinem Bruder sowie Assistenten unterstützen. Winterhalters Modelle, drei Viertel von ihnen waren Frauen, waren oft von damaligen Modespezialisten eingekleidet; Kleiderstoffen und Accessoires schenkte Winterhalter sensible Aufmerksamkeit. Der Ausstellungs-Katalog sowie ein kenntnisreicher Essay des Philologen Jürgen Glocker (Morio Verlag 2016) beleuchten viele Aspekte im Detail.

Die Bildnisse der österreichischen Kaiserin Elisabeth (Sisi) – in hauchzartem Tüll und Silbersternen im Haar – gehören zu Winterhalters bekanntesten Werken. Er besaß die Fähigkeit, Personen, meist vor fiktiven Landschaften, so darzustellen, wie sie gesehen werden wollten; zwar verschönert, behielten sie aber ihre unverkennbare Individualität. Anhand eines Porträts von Königin Isabella II. von Spanien, das am Schluss der Ausstellung mit historischen Fotografien konfrontiert wird, lässt sich dies mit Vergnügen überprüfen. Winterhalters handwerklich ausgefeilte Werke bleiben der Moderne im Wesentlichen fern, weshalb er auf nachfolgende Künstler kaum Einfluss hatte; auch wurde ihm vorgeworfen, er habe sein Talent in falsche Dienste gestellt. Doch seine Skizzenbücher und sein Spätwerk zeichnen sich durch einen freien, eigenständigen Duktus aus, der auf ungenutzte Potentiale weist.

Im Zuge des deutsch-französischen Krieges 1871 sieht sich Winterhalter gezwungen, nach Deutschland zurück zu kehren, wo dem „Französling“ Nationalismus entgegenschlägt. Während einer Auftragsreise starb er mit 68 Jahren in Frankfurt und ist dort bestattet. Nachlass und Vermögen hatte er in die Hand des Bruders Hermann gelegt; beide blieben ihrem Heimatdorf Menzenschwand, wo seit einigen Jahren das Museum „Le petit salon“ an sie erinnert, stets verbunden. Was nun in Freiburg an Werken dieses Malers versammelt wurde, das sollte sich niemand entgehen lassen.

Augustinermuseum. Städtische Museen Freiburg. Augustinerplatz. Di – So 10 – 17 Uhr. Bis 20. März 2016

Cornelia Frenkel

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