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Kunst | Dezember 2018 | von Nike Luber

Die Eiszeit jenseits von Hollywood-Blockbustern

Landesausstellung „Flusspferde am Oberrhein. Wie war die Eiszeit wirklich?“ im Naturkundemuseum in Karlsruhe

Wer heute Flusspferde in freier Wildbahn erleben will, muss weit reisen. Vor 120.000 Jahren hätte ein Ausflug an den Rhein genügt, dann da gab es „Flusspferde am Oberrhein“. Unter dieser Überschrift beleuchtet das Naturkundemuseum Karlsruhe die Eiszeit am Oberrhein in einer großen Landesausstellung.

© Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe

Flusspferd-Modell im Naturkundemuseum Karlsruhe: Vor 120.000 Jahren hätte man am Oberrhein lebenden Expemplaren begenen können.

„Wie war die Eiszeit wirklich?“ fragt die Ausstellung im Untertitel und gibt auf 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche eine Reihe faszinierender Antworten. Das fängt beim Klima an. Klimawandel gab es immer schon, allerdings vollzog er sich viel langsamer als heute.

Wir sind immer noch im Eiszeitalter, innerhalb dessen sich Warm- und Kaltzeiten abwechseln. Anschaulich erklärt die Ausstellung, woher man weiß, wann es wo wie warm oder kalt war, und wie lange die jeweiligen Wärme- und Kälteperioden gedauert haben. Als sich Flusspferde im Oberrhein tummelten, in der Zeit von vor 126.000 Jahren bis vor 115.000 Jahren, dem so genannten Eem, war es im Durchschnitt einige Grad wärmer als heute. Es gab viel Grün, viel Fluss und viele Stechfliegen.

So richtig greifbar wird das anhand der Fundstücke. Ein Flusspferdschädel weist schon auf die Größe dieser Tiere hin, und die eigens für die Ausstellung angefertigten lebensgroßen Nachbildungen lassen ahnen, mit welcher Wucht die schweren Flusspferde angreifen.

Eingebettet in ein fortlaufendes Landschaftsdiorama kommen die Nachbildungen großartig zur Geltung. So reißt ein scheinbar aus dem Wasser auftauchendes Flusspferd sein Maul auf und gibt den Blick auf seine gewaltigen Zähne frei. Die heute noch in Afrika und Asien lebenden Flusspferde zeichnen sich durch Angriffslust und ungeheures Tempo aus.

Das Schwimmen im Rhein wäre in dieser Hinsicht ein riskantes Vergnügen gewesen. Auch die Begegnung mit einem Waldnashorn war nicht ungefährlich. Bei dem Karlsruher Vorort Daxlanden fanden Arbeiter 1802 den Schädel eines Waldnashorns – und hielten ihn tatsächlich für den Überrest einer Meerjungfrau! Dieses interessante Fundstück gehört, wie die meisten der gezeigten Schädel und Knochen, zum Bestand des Karlsruher Naturkundemuseums.

Interessant ist die Mischung aus – zumindest in Europa – ausgestorbenen Tierarten und solchen, die damals wie heute in der Region beheimatet sind. Vor allem kleine Säugetiere wie Feldhamster, diverse Mäuse und Lemminge können sich klimatechnisch gut anpassen. Wasserbüffel und Waldelefanten aber gibt es in Europa nicht mehr.

Sehr schön kann man in der Ausstellung dem Wandel von der Warm- zur darauffolgenden Kaltzeit folgen, jeweils im Sommer und im Winter. Polarfuchs, Schneeeule und Schneehuhn sind im Sommer- und im Winter“kleid“ zu sehen. Die Ausstellung verrät auch, wie die Tiere lange, kalte Winter überleben. Nicht überlebt haben Riesenhirsche, Höhlenlöwen und Mammuts, die nach dem Ende des Eem auf die Flusspferde folgten. Neandertaler konnten am Oberrhein noch Mammuts jagen.

Kinder können in der Ausstellung auf die Jagd nach verborgenen Hinweisen gehen. Mit Hilfe von UV-Taschenlampen und Rotfilter lassen sich die Hinweise aufspüren, und für das Lösungswort gibt es ein Geschenk. Zu den interaktiven Elementen gehört Inspektor Ferdinand, der über einen Touchscreen die Besucher einlädt, mit ihm im Fall des vom Oberrhein verschwundenen Flusspferds zu ermitteln.

Viel Wissen hat das Naturkundemuseum anregend und teilweise spielerisch verpackt. Bis zum 27. Januar 2019 kann man dort nachvollziehen, wie die Eiszeit jenseits von Hollywood-Blockbustern wirklich war.

 

Was: Große-LandesAusstellung „Flusspferde am Oberrhein. Wie war die Eiszeit wirklich?“
Wann: bis 27. Januar 2019. Di-Fr 9.30-17 Uhr, Sa, So 10-18 Uhr
Wo: Naturkundemuseum Karlsruhe, Erbprinzenstr. 13, 76133 Karlsruhe
Web: www.flusspferde-eiszeit.de, www.smnk.de