Weite Welt ganz nah.

Im Gespräch: Tobias Hauser über das MUNDOlogia-Festival 2009
Die Welt ist in Freiburgs Zentrum gerückt: Vom 6.-8. Februar findet zum sechsten Mal die MUNDOlogia statt, das Dia-Festival zum Staunen und Träumen, zum Lernen und Nachdenken. Die Reisebilder aus aller Herren Länder werden in diesem Jahr erstmalig im Konzerthaus gezeigt. Durch die Dia-Vorträge international bekannter Foto-Journalisten hat sich die Veranstaltung im Bürgerhaus am Seepark einen Namen gemacht. Neben technischer Höchstform in perfektem Ambiente steht „MUNDOlogia“ in 2009 neuerdings nun auch für eine Reise-, Foto-und Outdoormesse mit Workshop-Angebot. Über die (neue) Philosophie der Veranstaltung sprach Heidi Korf mit Tobias Hauser.

Frosch - fotografiert auf eine der zahlreichen Expeditionen.

KulturJoker: Herr Hauser, Sie sind Gründer und, zusammen mit David Hettich, Organisator der MUNDOlogia, die jetzt zum sechsten Mal stattfindet. Dieses Jahr treten Sie in einem wesentlich größeren Rahmen an die Öffentlichkeit, nämlich im Konzerthaus Freiburg – ein echter Erfolg.

Hauser: Ja, das ist richtig. Wir arbeiten seit längerem an einer Erweiterung und freuen uns sehr, dass nun der Umzug ins Konzerthaus stattfinden kann. Viel Unterstützung haben wir dabei von unseren langjährigen Partnern, wie der Sparkasse Freiburg, Canon, dem ADAC und von unserem neuen Kooperationspartner Bad Dürrheimer erhalten.

KulturJoker: Warum der Ortswechsel?

Hauser: Wir haben schon länger über einen Umzug in ein größeres Veranstaltungshaus nachgedacht, weil das MUNDOlogia-Festival die letzten vier Jahre immer ausverkauft war. Ein weiterer wichtiger Grund ist, dass uns das Bürgerhaus am Seepark zu wenig Spielraum für die Umsetzung neuer Ideen gab. Ein Beispiel dafür ist die neue MUNDOlogia-Messe, die wir in Zusammenarbeit mit dem Reisespezialisten avenTOURa und dem Freiburger Fotofachgeschäft Foto-Löffler veranstalten. Dafür wäre im Bürgerhaus kein Platz gewesen.

KulturJoker: Denken Sie, dass Sie mit der Erweiterung um das Messespektrum – es wird eine Reise-, eine Outdoor- und Fotomesse geben – mehr Publikum anziehen?

Hauser: Eine der Ideen, die sich mit dem Messeangebot verbindet, ist, auch Menschen anzusprechen, die sich für Vorträge, wie wir sie veranstalten, bisher wenig interessieren – zum Teil auch, weil sie diese mit langweiligen Diavorträgen in Verbindung bringen, von denen unsere Veranstaltungen weit entfernt sind. Über die Messe lernen neue Besucher auch das Festival kennen. Es ist zudem schwierig, sich ausschließlich über die Qualität der Vorträge abzuheben – die guten Referenten trifft man sowohl in Freiburg als auch in Stuttgart oder der Schweiz. Abheben kann man sich aber durch die Gestaltung eines perfekten Rahmens. Das gelingt uns im Konzerthaus in sicherlich einzigartiger Weise. Wir werden eine 13 m breite Leinwand haben, größer als im Kino, die Lichtverhältnisse könnten besser nicht sein, die ansteigenden Sitzreihen bieten eine hervorragende Sicht.

KulturJoker: Technisch ist alles auf dem bestmöglichen Stand. Neben der technischen und ästhetischen Seite ist im Wort „Mundologia“ die „Weltkenntnis“ enthalten. Sie wollen also auch etwas vermitteln.

Hauser: Ja. Ich glaube, dass Reisen an sich bildet. Man nimmt vieles aus einem anderen Blickwinkel wahr. Nicht jeder hat die Möglichkeit so zu reisen wie wir, wir schätzen uns da sehr glücklich. Aber manchmal reicht es schon, etwas zu zeigen. Und was gibt es Schöneres für einen Fotojournalisten oder Journalisten, als durch seine Arbeit ein bisschen Weltkenntnis weiterzugeben und Menschen zum Nachdenken anzuregen. Ein schönes Beispiel dafür ist der Vortrag „Planet der Wälder“ von Markus Mauthe, einem Greenpeace-Fotografen, der fünf Jahre lang in allen großen Urwaldgebieten der Erde unterwegs war. Mit meinem neuen Vortrag über Costa Rica versuche ich ebenfalls beides zu zeigen, die Schönheit der Natur, aber auch ihre Gefährdung.

KulturJoker: Was konkret sollen die Leute anders machen?

Hauser: Ich denke, es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir mit unserem Handeln und unserem Konsumverhalten die Welt verändern. Wenn ich konventionelle Bananen und Ananas aus Costa Rica oder anderen Ländern kaufen würde, würde ich damit Anbaumethoden unterstützen, die den Menschen vor Ort und der Natur schaden. Also entscheide ich mich dagegen. Der enorme Pestizideinsatz im Ananasanbau z.B. ist äußerst bedenklich für die lokale Pflanzen- und Tierwelt. Der Zuckergehalt der Früchte ist durch Zucht so hoch wie nie, was die Nachfrage explodieren ließ. Doch die wenigsten fragen nach dem Preis, den Menschen und Umwelt in den Anbauregionen dafür bezahlen müssen. Wir müssen uns einfach darüber im Klaren sein, dass wir mit unserem Kaufverhalten auf die Entwicklungen in anderen Regionen der Welt einen großen Einfluss haben – zum Guten oder zum Schlechten.

KulturJoker: Das klingt wie eine gelungene Verknüpfung von unterhaltender Vortragskunst und Wissensvermittlung. Denn es sind ja nicht unbedingt dieselben Personengruppen, die sich mit ökologischen Themen beschäftigen und die auf einen Reisediavortrag gehen.

Hauser: Das stimmt.

KulturJoker: Aber Sie haben auch anders ausgerichtete Vorträge.

Hauser: Natürlich. In Alexander Hubers „Die fünfte Dimension“ z.B. geht es ums Abenteuer beim extremen Bergsteigen und damit um Grenzerfahrungen. Und wir bieten auch Themenvorträge über Australien, Irland oder Norwegen an. Viele Menschen nutzen den Besuch dieser Live-Reportagen, um sich auf eine eigene Reise vorzubereiten. Andere wollen einfach ein bisschen träumen, spannende Geschichten aus einem fremden Land hören oder sich von schönen Bildern verzaubern lassen. Für uns ist es wichtig, dass die Referenten und Produzenten live vor Ort und damit vom Publikum ansprechbar sind. Wir schaffen bewusst eine „Anfassatmosphäre“, weil dadurch ein Vortrag viel glaubwürdiger ist. Natürlich würden wir insgesamt gern auch noch mutigere Themen zeigen.

KulturJoker: Welche denn?

Hauser: Es gibt sehr spannende Vorträge, z.B. über Afghanistan oder über einen Stamm in der Mongolei, die Tuwas, die hier niemand kennt. Das Interesse an solchen speziellen Regionen, die nur wenige selbst bereisen werden, ist leider noch zu gering. Unser Ziel ist es jedoch, das Festival so zu gestalten und weiterzuentwickeln, dass auch solche Themen ihren Platz haben.

KulturJoker: Trotz aller Schwierigkeiten und der Notwendigkeit, das Festival auch an der „großen Nachfrage“ auszurichten: Dadurch, dass auch humanitäre Organisationen anwesend sind, schaffen Sie ja ein Gegengewicht zur reinen Spektakel- und Mainstream-Veranstaltung.

Hauser: Ja, wir bieten die Möglichkeit für Hilfsorganisationen, kostenlos einen Stand im Konzerthaus zu machen. Es kommt z.B. die Nepalhilfe Beilngries, deren Engagement ich persönlich kenne und sehr schätze. Der Eintritt für bestimmte Seminare fließt komplett in das Projekt „Malaika-Children’s Home“, ein Waisenhaus in Kenia, das sich um Kinder kümmert, die ihre Eltern durch AIDS verloren haben. Auch die Kinderhilfsorganisation Camaquito, mit der ich seit Jahren zusammenarbeite, wird vor Ort sein. Sie engagiert sich in Kuba vor allem im Bildungsbereich. Gerade sind wir dabei, Schulen wieder aufzubauen, die durch die Hurrikans zerstört wurden. Auch der Tibet-Hilfe haben wir angeboten zu kommen.

KulturJoker: Sie haben das Wort „träumen“ im Zusammenhang mit dem Reisen gebraucht. Auch in der europäischen Geistes- und Literaturgeschichte kann man nachvollziehen, dass es zwischen beidem einen Zusammenhang gibt. Wie würden Sie das aus eigenem Erleben beschreiben?

Hauser: Viele Menschen haben ab und zu Lust aus dem Alltag auszubrechen, sie träumen davon, etwas anderes zu sehen und zu erleben. Da ich viel auf Reisen bin, passiert mir das nicht so oft, aber ich kenne das auch. Manchmal sehe ich in Büchern oder Magazinen Bilder von fremden Regionen, die so schön sind, dass ich beginne, davon zu träumen einmal hinzukönnen, hinzudürfen. Glücklicherweise gibt es immer noch unzählige Orte auf der Welt, die so schön sind, dass man sagt: Das ist hier wie im Traum, es ist vielleicht sogar schöner, als ich es mir je erträumen konnte.

KulturJoker: Und Sie sagen, dass Reisen bildet.

Hauser: Ja, noch wichtiger als die schönen Bilder ist für mich zu sehen, wie Menschen an anderen Orten der Erde leben und mit was für Problemen sie kämpfen. Das kann Denkanstöße für das eigene Leben geben, die Bedeutung eigener Schwierigkeiten relativieren, kulturelle Vorurteile abbauen und uns für die Belange anderer Menschen sensibilisieren.

KulturJoker: Sie haben vorhin etwas angesprochen, was Sie in Ihrem Vortrag thematisieren werden, nämlich die Umweltzerstörung in Costa Rica. Worum wird es noch gehen?

Hauser: Der Vortrag „Costa Rica – Reise in den tropischen Garten Eden“ ist ein vielschichtiges Länderportrait, in dem ich die unterschiedlichen Regionen des Landes zeige, von der Küste bis ins hohe Bergland, von Nebelwaldregionen bis zu den Gipfeln aktiver Vulkane. Viele ungewöhnliche Geschichten sind dabei, darunter Reportagen über die Tauchgründe der Isla del Coco, das massenhafte Töten von Haien vor Costa Ricas Küste, das einzige Krankenhaus für Faultiere und die Schildkröteninvasion an der Nicoya Halbinsel. Die massenhafte Ankunft der Oliv-Bastardschildkröten am Strand von Ostional war eines meiner eindrücklichsten Erlebisse und fotografisch eine echte Herausforderung, einerseits weil die Tiere vor allem nachts zur Eiablage an der Strand kommen und man sie nicht mit Blitzlicht fotografieren darf, andererseits weil wir in der Regenzeit dort waren und sogar einige Zeit wegen Hochwasser festsaßen.

KulturJoker: Was sind eigentlich Nebelwälder?

Hauser: Nebelwälder gibt es nur in den Tropen und Subtropen, ab etwa 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Wegen des besonders feuchten Klimas und der häufigen Regenfälle wachsen auf den Bäumen auffällig viele Flechten und Moose, Orchideen und Farne. Der Wald ist zudem oft in dichte Nebelschwaden gehüllt. Manchmal sehen sie sehen aus wie Märchenwälder – geheimnisvoll und verwunschen.

KulturJoker: Ist Reisen für Sie eigentlich eine Lebensform, ist es eine Sucht?

Hauser: Schwierig zu sagen. Ich bin sehr gerne auf Reisen und es reizt mich, neue Länder kennenzulernen. Nicht weil es hier nicht schön wäre. Freiburg ist für mich immer noch einer der schönsten Orte, und hier sind auch Familie und Freunde. Ich komme sehr gerne zurück. Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich meine Neugierde leben kann. Aber natürlich ist das alles auch sehr anstrengend, denn meine Art zu Reisen hat nichts mit Urlaub zu tun. Ich habe einen strikten Zeitplan, die Bilder müssen gemacht, die Storys gut werden. Nach sechs Wochen bin ich wirklich „fertig“. Was vielleicht die „Sucht“ ausmacht ist, dass man so viel Neues kennenlernt, neue Menschen trifft und immer wieder ungewöhnliche Erlebnisse hat – das ist einzigartig in diesem Beruf.

KulturJoker: Herr Hauser, ich danke Ihnen für dies spannende Gespräch.

Neu bei der Mundologia:

  • Neuer Veranstaltungsort ist das Konzerthaus Freiburg.
  • Optimale Bild- und Tonqualität, 13 m große Leinwand.
  • Große MUNDOlogia-Messe zu den Themen Fotografie, Medien Outdoor und Reisen.
  • Zahlreiche Ausstellungen und Workshops.
  • Vorträge über Fotografie, Tropenmedizin, Investitionsmöglichkeiten in tropischen Wald
  • Schülerkarten für 5 Euro für alle Vorträge im Rolf-Böhme- Saal.

Infos und Karten:
www.mundologia.de

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