Über Sternwiesen

„Peterchens Mondfahrt“ bei den Festspielen Breisach 2012

Flugunterricht mit Maikäfer Sumsemann

Als Gerdt von Bassewitz „Peterchens Mondfahrt“ schrieb, konnte er noch nicht ahnen, dass Menschen wirklich einmal auf den Mond fliegen sollten. 1912 feierte das Kinderstück in Leipzig Premiere, danach verarbeitete der Autor den Stoff als Kinderbuch. Zu sehen ist die Geschichte der Geschwister Peter und Anneliese, die zusammen mit dem Maikäfer Bonifatius Sumsemann zum Mond fliegen, nun in einer Inszenierung von Peter W. Hermanns bei den Festspielen Breisach. Hermanns hat die Geschichte aktualisiert.
Selbstredend schläft Peter (Bertold Stegemann) in Star Wars-Bettwäsche und ein Laserschwert hat den Hampelmann abgelöst, während seine Schwester Anneliese (Alina Bürgin) eine Tüte Honigbonbons mit auf die große Fahrt nehmen wird.

„Peterchens Mondfahrt“ gibt dem Breisacher Team wieder einmal Gelegenheit zu großem und fantasievollen Ausstattungstheater (Regie und Kostüme: Peter W. Hermanns, Bühnenbild: Stephanie Breidenstein). Da stellt sich die Schlafsandgewinnung als „Sandmann OHG“ dar, die durch ein komplexes System von roten Röhren bestimmt ist, das von der mit goldenen Perücken  und Schubkarren versehenen Arbeiterschaft in Gang gehalten wird. Der Sandmann (Angela Libal) selbst sieht dann so zuverlässig altmodisch aus wie vom damaligen Illustrator Hans Baluschek gezeichnet.
Doch warum überhaupt dieser Ausflug ins Weltall? Nun, seit Sumsemanns Vorfahr durch einen Holzdieb, sozusagen als Kollateralschaden, sein sechstes Bein abhandengekommen ist, muss die ganze Maikäferfamilie mit diesem Verlust leben. Das sechste Bein wurde mitsamt dem Dieb und dem Baum, an dem er sich vergangen hat, von der Nachtfee auf den Mond befördert.

Peter und Anneliese begleiten und ermuntern Sumsemann (Sarah Thiedig) bei der Rettungsaktion. So dass ein kleiner ängstlicher Käfer und zwei aufgeweckte Kinder zusammen das All unsicher machen.
Peter W. Hermanns orientiert sich in seiner Inszenierung an den Stationen des Kinderstücks, das die drei nach überstandener Herausforderung ihrem Ziel immer näher kommen lässt. Jede dieser Prüfungen, die auf die Gegenwart adaptiert wurden, zeigt Liebe zum Detail.
Da wird die wöchentliche Milchbar der Nachtfee (Michaela Fritz), zu der alle Naturgewalten eingeladen sind, zu einer Zusammenkunft, die selbst die Star Wars-Macher erblassen ließe. Die Haare der Blitzhexe stehen wie Flammen ab, Frau Holle erinnert an eine britische Lady mit Hang zu zuviel Cream Tea und Corny Hagel führt kleine weiße Bällchen am Kleid mit sich, der Sturm hingegen macht auf Punker.
Nicht wenig trägt zu dieser Atmosphäre die Musik Sascha Bendiks bei, die mal nach Kinderzimmerspieldose, mal nach Raumschiff Enterprise oder nach Western klingt.

Ein wenig gibt sich „Peterchens Mondfahrt“ durchaus öko- und sozialpädagogisch. Dass die Menschen das Spiel der Naturkräfte in Unordnung gebracht haben – nebenbei mit der gleichen Hybris, die sie auf den Mond führte – bleibt ebenso wenig unerwähnt wie der Wert der Freundschaft, die sich in außergewöhnlichen Situationen bewährt.

Weitere Vorstellungen: 1./8./ 15./22. Juli, 19./26. August, 2. und 9. September, jeweils 15 Uhr, am 31. August findet die Vorstellung um 19 Uhr statt.
v, das Erwachsenenstück der Breisacher Festspiele wird am 7./8./14./15./21./ 22. Juli und 11./ 12./18./19./25./26. August sowie 1./2./8. September, Beginn jew. 20 Uhr, zu erleben sein (siehe auch KulturJoker 6/2012)

Annette Hoffmann

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