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Nachhaltig | Februar 2020 | von Elisabeth Jockers

Holz als ökönomisch und ökologisch sinnvoller Baustoff für den Mainstream

Urban, modern, flexibel: Bauen mit Holz

Zeitgenössisches Bauen muss sich mittlerweile an einigen Maßstäben messen. Es geht heute nicht mehr allein darum, schneller und höher hinauszuwachsen, vielmehr müssen die Städte und Länder auf ein nachhaltiges und urbanes Baukonzept setzen, das zum einen dem Problem der Wohnungsnot in den Städten und Ballungsgebieten entgegenwirkt und zum anderen das Prinzip der Nachhaltigkeit verfolgt. So mag es für manche wie ein urbanes Wunder klingen, wenn man von der Renaissance des Holzbaus spricht. Gerade im südlichen Breisgau schweben einem beim Wort Holzhaus sofort die traditionell rustikalen Fachwerkhäuser vor Augen, die diesen schönen ländlichen Touch haben und wie kleine Gemälde die Dörfer schmücken. Dieses etwas verstaubte Image ist in der Bau- und Architekturbranche jedoch längst überholt.

© promo

Holz im Innen- und Außenraum für ein lebendiges und klares Ambiente

Hoher Qualitätsanspruch und Flexibilität im Bau

Tatsächlich ist das Bauen mit Holz alles andere als altmodisch, kitschig oder gar traditionell. Sogar ganz im Gegenteil: kaum ein anderer Baustoff vermag die Ansprüche des zeitgemäßen Bauens in sich so sehr zu vereinen wie das Holz. So sieht man heutzutage den Bauwerkstoff Holz als ein nachhaltiges und recyclebares Produkt, das sowohl in der Herstellung als auch Verarbeitung mit einem geringen Energieverbrauch verbunden ist. Hierzu eine interessante Rechnung: nimmt man alle Zahlen beisammen, dann entspricht der Energieaufwand für die Herstellung von technisch getrocknetem Holz nur etwa 20 Prozent der im Holz gespeicherten Energie. Somit benötigt Holz außerdem weitaus weniger Energie in der Herstellung und Verarbeitung als herkömmlicher Stahl oder gar Beton. Zudem sind die Standarts zur Holzherstellung extrem hoch, sodass man als Bauherr eines Holzhauses sich der Qualität mehr oder weniger immer sicher sein darf, da die Güteüberwachung für den natürlichen Bauwerkstoff Holz sehr klar und streng strukturiert ist. Trotz oder gerade wegen des hohen Qualitätsanspruchs trauen sich auch immer mehr mittelständische Betriebe an die Herstellung von individuellen Holzbauteilen.
Diese Holzbauteile sind nicht nur individuell, sondern auch extrem flexibel und variabel, sodass Holzhäuser heute nicht mehr nur eine Möglichkeit für das Einfamilienhaus darstellen, sondern sich Holz als natürlicher Bauwerkstoff gerade auch für Mehrfamilienkomplexe, Hochhäuser und Gewerbegebäude anbietet. Das Baugruppenprojekt „Futur2“ ist ein regionales Beispiel für ein Wohnraumkonzept, das maßgeblich mit Holz arbeitet. In dem sechsgeschossigen Mehrgenerationenhaus wurden alle Tragewände, eine Ausnahme stellen Treppenhaus und Aufzugsschacht dar, aus Brettschichtholz verbaut. Insgesamt konnten in dem Bauprojekt des Architekturbüros Rolf Disch Solararchitektur bis zur Fertigstellung 2019 ungefähr 550 m³ Holz verwendet werden.

© Britt Schilling, Freiburg

Das Baugruppenprojekt “Futur2”

Das „atmende“ Haus

Unter den wärmedämmenden Materialien ist Holz mit Abstand das tragfähigste. Durch die Cellulosefasern im Holz, die einen großen Hohlraumanteil im Baustoff bewirken, ist Holz bei gleicher Tragfähigkeit nicht nur leichter als Stahl, sondern bietet sich wegweisend in Richtung Zukunft für Passivhäuser und Nullenergiehäuser als ideale Wärmedämmung an.
Holz besitzt durch seine natürliche Oberfläche nicht nur eine einmalige Haptik und besondere Ausstrahlung, sondern ist im Bauwesen und für Wohnhäuser auch ein gesundheitsorientierter Baustoff. In diesem Sinne entstanden im Neubaugebiet Gutleutmatten 2018 viergeschossige Wohngebäude, die stellvertretend für ein gesundes und urbanes Wohnen stehen.Das Ergebnis der optisch ansprechenden Holzwohnkomplexe spricht für sich. Die Fassade der optisch modern wirkenden Wohnhäuser bleibt durch die leimfreie Holzmassivbauweise kapillar durchgängig und wird an der Innenseite entlang der Lehmverputzung durch eine wassergeführte Wärmeverteilung beheizt. Mit anderen Worten: die Hülle des Hauses ähnelt einem sanft strahlenden Ofen, der das Klima im Haus positiv beeinflusst. Das wirkt sich freilich auf die Lebensqualität der Bewohner aus, die nun von einem gleichmäßigen Luftfeuchtigkeitsverhältnis profitieren, das gleichzeitig gegen Schimmelbefall arbeitet. Durch dieses „atmende“ Haus verändert sich auch das Raumklima mit den Jahreszeiten, sodass es im Sommer angenehm kühl und im Winter kuschlig warm bleibt.

Holz an der Fassade: eine energieeffiziente und moderne Bauvariante© promo

Ökonomisch effizient, ökologisch sinnvoll

Mittlerweile muss die Baubranche nicht mehr nur technisch effizient arbeiten, sondern auch ökologisch sinnvolle Wohnraumkonzepte erarbeiten. Es liegt also auch zunehmend in den Händen des Bauwesens einen nicht unerheblichen Teil zur Verringerung der Emissionen beizutragen. Tatsächlich werden ungefähr 50 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland auf die Nutzung von Gebäuden zurückgeführt. So ist es nicht verwunderlich, dass heute ein nachwachsender Baustoff wie Holz in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist, nicht zuletzt durch seine ökologisch positiven Eigenschaften. Diese ökologisch herausragenden Facetten zeichnet das Holz als ein multifunktionelles Produkt aus. Zu Beginn dient es als ein Werk- und Baustoff, nach der Nutzung kann es dann als Brennstoff dienen und somit zur zusätzlichen Energiegewinnung beitragen. Experten zu Folge könnte das Holzhaus der Zukunft die Energie, die für die Herstellung und Verarbeitung benötigt wurde, zurückgeben, indem es beispielsweise mit solarthermischen Maßnahmen kombiniert wird. So könnte außerdem und dank der Cellulosefasern des Holzes, der Energiebedarf von Gebäuden bis zu 90 Prozent gesenkt werden.
Die Baubranche macht bereits erste Schritte in Richtung Nachhaltigkeit und dehnt die Nutzung unseres regionalen Baustoffes Holz zunehmend aus. Es findet sozusagen eine Befreiung statt, Holz steht nicht mehr nur in der „Öko-Nische“, sondern kann, darf und soll sowohl architektonisch clever als auch ökologisch sinnvoll für den Mainstream genutzt werden.

Elisabeth Jockers