Straußenführer 2019


Anzeigen

Festspiele Breisach 2019




Anzeige Circus Monti 2019 Rosentalanlage Basel



Rahmenladen



domani




Kunst | Juli 2019 | von Nike Luber

“Ensemble”: Das Pariser Centre Pompidou kooperiert mit dem Museum Frieder Burda

Deutsch-französischer Austausch

Unabhängig von der jeweiligen politischen Lage waren französische und deutsche Künstler bereit, Anregungen aus dem jeweiligen Nachbarland aufzunehmen. Das führt zu Gemeinsamkeiten in der modernen Kunst der beiden Länder, die in der Ausstellung „Ensemble. Centre Pompidou – Museum Frieder Burda“ im Mittelpunkt stehen.

© Museum Frieder Burda

August Macke: „Kleiner, Zoologischer Garten in Braun und Gelb“, 1912, Öl auf Leinwand.

Schon geografisch liegt es in Baden-Baden nahe, einen Blick über die Grenze zu werfen. Das tut auch das Museum Frieder Burda in seiner aktuellen Ausstellung „Ensemble. Centre Pompidou – Museum Frieder Burda“. Bis zum 29. September sieht man hier in der Gegenüberstellung von Werken international bekannter Künstler vor allem die Gemeinsamkeiten zwischen dem seit 15 Jahren in der Baden-Badener „Museumsmeile“ liegenden Haus und dem ebenfalls auf moderne und zeitgenössische Kunst ausgerichteten Centre Pompidou in Paris. Dass an der Oos wie an Seine Arbeiten von Georg Baselitz und Pablo Picasso zu finden sind, liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass Frieder Burda als bislang erster und einziger Deutscher Mitglied in der Ankaufkommission des Centre Pompidou war.

So wirkt die Ausstellung erst einmal wie ein Wiedersehen mit guten alten Bekannten. Regelmäßige Besucher des Museums Frieder Burda werden den einen oder anderen Baselitz, Gerhard Richter oder Sigmar Polke wieder erkennen und sich darüber freuen, dass Arbeiten dieser Vertreter der Moderne auch in Paris zu finden sind. Zum Beispiel das eigens für „Ensemble“ nach Baden-Baden ausgeliehene, weiten Raum einnehmende Wandtableau von Anselm Kiefer mit dem schönen Titel „Das geheime Leben der Pflanzen“. Man könnte es salopp auch Pflanzen im Weltall nennen. Weiß gestrichen, scheinen Blätter, Äste und Wurzeln zwischen Sternbildern zu schweben, die der Künstler auf den Tafeln entsprechend eingezeichnet und benannt hat.
Das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich war im Lauf der Geschichte oft schwierig.

Unabhängig von der jeweiligen politischen Lage waren Künstler bereit, Anregungen vom Nachbarland aufzunehmen. Das zeigt sich im Kabinett mit den Fotografien aus den 1930er Jahren, die das Centre Pompidou aus seinem Bestand ausgewählt hat. Deutsche Emigranten wie Erwin Blumenfeld, Marianne Breslauer oder Ilse Bing studierten in Paris moderne Fotografie, mit spannenden Ergebnissen. Zufällige Momente des Pariser Alltags wurden in Schwarz-Weiß festgehalten, man setzte sich selbst mit Kamera und Spiegel in Szene, verdiente sein Geld durch Werbefotografie. Gemeinsam ist den Bildern eine kühle, elegante Ästhetik. Umgekehrt gingen französische Fotokünstler nach Dessau zum Bauhaus, um dort den Aufbruch in die Moderne zu erleben.

Einen Einblick in die große Vielfalt der Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bietet die Gegenüberstellung von deutschen Expressionisten wie August Macke mit französischen Künstlern ihrer Generation. Pablo Picasso ist vertreten, natürlich, möchte man sagen. In den gezeigten Gemälden von Marc Chagall, so verträumt und verspielt sie wirken, findet sich immer ein Hinweis auf die vergangene Welt traditionellen jüdischen Lebens in Chagalls russischer Heimat. Pierre Bonnard sieht den Betrachter aus dem „Selbstporträt im Spiegel“ müde an, als sei er vom Leben erschöpft.

Der deutsch-französische Austausch wird besonders charmant inszeniert in der Fotografie von Jean Olivier Hucleux. Er lichtete den Sammler und Museumsgründer Frieder Burda im Jahr 2000 ab, direkt vor einem großen Werk aus seiner Sammlung. Dieses Werk wiederum hängt auch in der Ausstellung, sozusagen gleich dahinter, live und in Farbe. Es handelt sich um Gerhard Richters bösen Blick auf die Spaßgesellschaft der 1960er, treffend „Party“ betitelt. „Ensemble“ erinnert daran, dass es von beiden Seiten des Rheins auch in schwierigen Zeiten immer einen lebhaften Austausch von Ideen gab und geben wird.

Was: „Ensemble. Centre Pompidou – Museum Frieder Burda“
Wann: bis 29. September 2019. Di–So, 10-18 Uhr
Wo: Museum Frieder Burda, Lichtentaler Allee 8b, 76530 Baden-Baden
Web: www.museum-frieder-burda.de