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Kultour | Juli 2019 | von Cornelia Frenkel

Auf den Spuren antiker Bauwerke im Südosten Frankreichs

Die Römische Provence lockt mit jahrtausendealter Ingenieurskunst

Wer nach Spuren antiker Bauwerke sucht, wird in der Provence, jener Landschaft im Südosten Frankreichs, die zwischen Rhônetal und Italien am Mittelmeer liegt, nicht enttäuscht. Nach der Besiedlung durch die Griechen kamen die Römer und hinterließen mitunter eindrucksvolle Ingenieursbauten wie den Pont du Gard.

Pont du Gard: Der rund 2000 Jahre alte römische Aquädukt zählt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Südfrankreichs.

Zunächst waren es die Griechen, die ab 600 v. Chr. die Region besiedelten, sie gründeten Marseille und weitere Städte. Unter dem Druck keltischer Angriffe riefen sie im 2. Jahrhundert v. Chr. das verbündete Rom zu Hilfe, worauf die Römer weite Teile der Region eroberten; im Zuge der Romanisierung wurde Gallien im Jahr 121 v. Chr. schließlich eine Provinz des römischen Reiches.
Vorbei an Olivenbäumen, hier von Griechen und Römern erstmals gepflanzt, steigt einem ein Duft von Lavendel, Oregano, Thymian und Rosmarin in die Nase und auf den Märkten locken Pfirsiche, Aprikosen, Trüffel, Trauben und Tomaten.

Dank vorhandener Quellen und kluger Bewässerungssysteme, die seit anno dazumal gebaut wurden, ist die mediterrane Region gegen Trockenheit einigermaßen gewappnet, doch bleiben karge Dürren nicht immer aus. Das Relief der Landschaft hat sich erdgeschichtlich in mehreren Etappen gebildet, es weist schroffe Schluchten wie die Gorges de la Nesque auf sowie z.B. die bizarr zerfranste Bergkette Les Alpilles, aber auch Bereiche mit sanften Hügeln. Insgesamt prägen viele Arten von Gestein und Mineralien das Bild der Region, von Kalkbrocken in den Weinbergen bis hin zu farblich überwältigenden Ockersteinbrüchen wie etwa in Roussillon; mitunter scheint man sich mitten in einem Gemälde zu bewegen.

Als typisch erweisen sich zudem die sogenannten „calades“, stufige Pfade aus Steinen. Um die Provence zu erschließen und zu besiedeln, mussten Steine bewegt und entfernt werden, was aus ihnen gebaut wurde ist solide, weshalb eine große Anzahl antiker Bauwerke erhalten blieb, denen teils der Charme von Ruinen anhaftet. Städte wie Arles, Nîmes, Aix-en-Provence, Orange, Avignon und Vaison-la-Romaine wurden entweder von den Römern gegründet oder weiterentwickelt und waren bereits vorher bedeutende Handelsplätze; oft sind sie mit Amphitheatern ausgestattet – hier suchten unsere Vorfahren nach Klarheit und riefen ihre Götter an. Im Umkreis dieser Siedlungen finden sich außergewöhnliche Brücken, etwa der Pont Flavien, der Pont Julien sowie der frappierende Aquädukt Pont du Gard.

Der Pont du Gard – Meisterleistung des Ingenieurbaus

Wasser ist ein grundlegendes Lebensmittel! Wo Menschen sich ansiedeln wollen, müssen sie eine Quelle finden, Brunnen graben, Leitungen legen, Kanäle einrichten. Wasser ist u.a. ein unberechenbares Element, es muss gezähmt werden, was zu Meisterleistungen des Ingenieurbaus und der Architektur geführt hat, wie der Pont du Gard zeigt. Der Aquädukt wurde Mitte des 1. Jahrhunderts erbaut. Um damals Nîmes zu versorgen, reichte die Schüttung der in der Nähe liegenden Fontaine-Quelle alleine nicht aus, auch war diese zu unregelmäßig; deshalb suchten die Römer nach einem Weg, der zudem das Wasser der Eure-Quelle bei Uzès auffangen konnte. Von Uzès nach Nîmes waren rund 50 Kilometer zurückzulegen, bei einem Höhenunterschied von rund 12 Metern. So wurde ein ausgeklügeltes Bauwerk errichtet, um das Wasser auf diesem Weg zu kanalisieren und regelmäßig bis Nîmes zu leiten, denn auf halbem Weg war das tief in Felsen eingeschnittene Flusstal des Gardon zu überqueren.

Die Brücke aus gelbem Kalkstein ist rhythmisch gegliedert, sie besteht aus drei übereinanderliegenden Reihen von Arkaden, an der Basis sechs große Bogen, die den Fluss überspannen, darüber elf verkleinerte Bogen, über denen schließlich fünfunddreißig Bogen thronen, die die schmale überdachte Rinne tragen, in der das Wasser in der richtigen Höhe und mit leichtem Gefälle fließen konnte. Zeitweise haben 40.000 Kubikmeter Wasser den Aquädukt überquert. Im weiteren Umkreis der vielbesuchten Sehenswürdigkeit wurden in den letzten Jahrzehnten neue Einrichtungen geschaffen, Museum, Restaurant sowie Parkplätze, die den zeitweisen Touristenansturm in geordnete Bahnen lenken; ab einem bestimmten Bereich ist das Areal um den Aquädukt – und das Überqueren der Brücke – nur für Fußgänger möglich. Zudem kann man sich sogar auf einem Wanderweg annähern, er startet in Saint-Bonnet-du Gard und führt (eine Stunde lang) auf einem Naturlehrpfad durch die Garrigue-Landschaft aus Weinbergen und Strauchheide. Im Umfeld der Brücke lässt sich am Sandstrand liegen und im Fluss Gardon baden – in aller Ruhe, umweht vom Mistral, und abseits vom internationalen Snobismus.

Literaturempfehlung zur Südfrankreichreise

Ein ausgezeichneter Begleiter für eine Reise durch diesen rund zweitausend Jahre alten Zeugen der Vergangenheit ist das Buch „Durch den Süden Frankreichs. Literatur, Kunst, Kulinarik“; hier nimmt der Autor Manfred Hammes den Leser auf wenig bekannte Pfade mit, die er im französischen „Midi“ entdeckt hat, zwischen italienischer und spanischer Grenze. Dabei präsentiert er, mit Geschichten, Anekdoten, Kuriosa (warum z.B. wird in Vézénobres mit eckigen Boule-Kugeln gespielt?) und vielfältigem Bildmaterial, die Besonderheiten der Region.

„Durch den Süden Frankreichs“ ist nicht nur Reiseverführer und literarischer Begleiter, aus dem zu erfahren ist, wie etwa Camus, Juliette Greco, Jakob Arjounis sowie viele deutsche Künstler im Exil diese Sehnsuchtslandschaft erlebten haben, sondern vermittelt zudem Übernachtungstipps und scheut sich nicht, vor Restaurants zu warnen oder sie zu empfehlen.

Manfred Hammes. Durch den Süden Frankreichs. Literatur, Kunst, Kulinarik. 700 Seiten, Verlag Nimbus 2019.www.provence-tourismus.de Cornelia Frenkel