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Kunst | Februar 2018 | von Annette Hoffmann

Ausstellungen zum 80. Geburtstag von Georg Baselitz in Basel

Auf dem Sonderweg der Malerei

Georg Baselitz provoziert gerne. Vor der großen Retrospektive in der Fondation Beyeler, die einen ganzen Ausstellungsreigen anlässlich des 80. Geburtstages des Malers anführt, sprach er im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“, über die AfD, das Thema Sicherheit sowie Deutschland im Allgemeinen und Besonderen. Themen, mit denen man heute so zielsicher für Aufregung sorgt wie vor fünfundfünfzig Jahren mit erigierten Penissen.

Obgleich Baselitz heute vor allem in Österreich lebt, gehören er und Deutschland zusammen. Liest man die Katalogtexte, fällt auf, dass sein künstlerischer Werdegang mit Begriffen wie „Sonderweg“ beschrieben wird, mit denen ansonsten allenfalls Deutschland belegt wird.
Diese komplexe Beziehung begann bereits mit seinem Pseudonym, das er sich von seinem Geburtsort Deutschbaselitz in Sachsen entliehen hatte. Kunst studierte er dann anfangs auch in der DDR, nach zwei Semestern in Ostberlin wurde er jedoch wegen „gesellschaftspolitischer Unreife“ von der Universität verwiesen und übersiedelte nach Westberlin, wo er bei Hann Trier seine Ausbildung fortsetzte. Georg Baselitz ist in diesem Sinne durchaus ein gesamtdeutsches Phänomen.

In Basel hat man nun die Gelegenheit, sich in gleich zwei Ausstellungen mit dem Werk von Baselitz zu befassen. Während in Riehen eine klassische Retrospektive mit Werken aus sechs Jahrzehnten zu sehen ist, zeigt das Kunstmuseum Basel Werke auf Papier. Die älteste Arbeit dort stammt aus dem Jahr 1955. Gut 150 Zeichnungen von Georg Baselitz befinden sich in der Sammlung des Kunstmuseum Basel, mit dem Baselitz eine lange Geschichte verbindet. 1970 richtete Dieter Koepplin dort eine erste Ausstellung mit Zeichnungen aus. In diese Zeit fallen auch die ersten Ankäufe, die in der Folge erweitert wurden, auch durch Schenkungen des Künstlers. Im Kunstmuseum ist die konzisere Schau zu sehen, Entwicklungen lassen sich an den kleinformatigen Zeichnungen konzentrierter ablesen. In Malerei und Skulptur drängt Georg Baselitz zum Großformat.

Als Baselitz in den 1960er Jahren figurativ zu malen begann, war dies bereits damals unzeitgemäß. Baselitz kam als Jugendlicher mit dem Sozialistischen Realismus in Berührung, Ende der 1950er Jahre lernte er Jackson Pollock kennen und nahm überhaupt die amerikanische Malerei wahr. Baselitz‘ berüchtigtes Bild „Die große Nacht im Eimer“, das 1963 einen veritablen Kunstskandal auslöste und gar beschlagnahmt wurde, ist nun auch in Basel zu sehen. Heldenverehrung wird ihm nicht zuteil, es befindet sich an einem beinah unauffälligen Platz.

Die chronologische Hängung verdeutlicht Entwicklungen: die Betonung von erst dunklen, dann hellen Hintergründen, die in seinen „Heldenbildern“ der 60er Jahre zunehmend verschlossener werden. Bäume oder auch manchmal nur Farbflächen bedrängen diese versehrten, grobschlächtigen Männerfiguren, deren Potenz immer ein bisschen vergeudet wirkt. 1964 entstand aber auch ein Werk wie „Oberon (1. Orthodoxer Salon 64 – E. Neijsvestnij)“, in dem sich etwas von der Atmosphäre der Nachkriegszeit zu überliefern scheint. Vier helle und völlig haarlose Köpfe mit überlangen Hälsen drängen sich in den Bildraum als beugten sie sich über jemanden. Im Hintergrund erkennt man nicht näher zu definierende Haufen, in denen ein Kreuz steckt.

Solche Bildfindungen sind bei Georg Baselitz jedoch eher selten. Der Künstler, der sich nie um Virtuosität gekümmert hat, ist keiner, der das Subtile schätzt. Baselitz‘ Motive sind meist plakativ. Es sind die formalen Experimente, die immer wieder neue Akzente im Oeuvre setzen. Symmetrische Ausrichtungen bestimmen die Bilder, die so genannten Frakturbilder sind eine Reaktion auf den Kubismus, indem Baselitz seine Komposition meist vertikal teilt und die Segmente jeweils so verschiebt, dass das gesamte Bild in Aufruhr zu sein scheint. Ab 1969 malt Georg Baselitz dann – nach Fotos – seine Motive auf dem Kopf. „Ein Gegenstand auf dem Kopf gemalt ist tauglich für die Malerei, weil er als Gegenstand untauglich ist“, sagte Baselitz dazu 1981.

Bis in die 90er Jahre wird er dies so handhaben, bis er beginnt die Leinwände auf dem Boden, beziehungsweise auf einem Podest zu bemalen. In den 80er Jahren entstehen dann die Remixbilder, in denen er sein eigenes Werk, jedoch in einer flüchtigeren Version wiederholt. Und auch das Alterswerk ist in Riehen zu sehen. In seinen neueren Arbeiten sucht er eine Auseinandersetzung mit dem Älterwerden. Auf einem dunkleren Hintergrund sind meist helle Figuren, Paare oder Köpfe gemalt, die mit Krakeleen und Linien überzogen sind. Das wirkt wie durchlässig, durch die neongrellen Farben zudem überraschend zeitgemäß.

Annette Hoffmann

Georg Baselitz, Fondation Beyeler, Baselstr. 101, Basel-Riehen. Täglich 10 bis 18 Uhr. Bis 29. April. Infos: www.fondationbeyeler.de
Georg Baselitz, Werke auf Papier, Kunstmuseum Basel, Neubau, St. Alban-Graben 20. Di bis So 10 bis 18 Uhr, Do 10 bis 20 Uhr. Bis 29. April. Infos: www.kunstmuseumbasel.ch