„Karriere der Sonnenenergie“

„Solare Zeiten“ – das Standardwerk zur Geschichte der Sonnenenergie von Bernward Janzing

Zwölf Aussteller gereichten den Sonnentagen in Sasbach am Kaiserstuhl 1976 zur weltgrößten Solarmesse – und wurden so zu einem wichtigen Baustein der „Karriere der Sonnenenergie“, die Bernward Janzing in seinem neuen Buch „Solare Zeiten“ nacherzählt. In dem üppig bebilderten Werk berichtet der Freiburger Journalist und Träger des Deutschen Solarpreises 2010 von den vielen Facetten der Solarenergie und von dem oft beschwerlichen Weg, sie zu etablieren. Er schreibt von engagierten Bürger, die jahrzehntelang für den Durchbruch der Sonnenkraft kämpften – eine Geschichte von großen Zielen mit kleinen Kuriositäten und Anekdoten. Der Autor beginnt bei den Weltraumforschern, die Strom brauchten für ihre Satelliten, er schreibt von Politikern, die nach der Ölkrise Ersatz suchten für das knapper werdende Erdöl, und von Bürgern, die für den Klimaschutz und gegen die Atomkraft kämpften. So stellt Janzing eine große Solargemeinschaft vor, die vom Garagen-Bastler bis zum Umwelt verband , vom Wissenschaftler bis zum Architekten, vom Kommunalpolitiker bis zum mutigen Unternehmer reicht. Viele Ereignisse spielen in Südbaden. Einer der frühesten Pioniere waren Vater und Sohn Hans und Jürgen Kleinwächter, zwei kreative Erfinder, die sich in Lörrach schon in den siebziger Jahren der Solartechnik verschrieben. Es folgte die Gründung des Fraunhofer Instituts in Freiburg (von Kollegen des Initiators Adolf Goetzberger übrigens für eine spinnerte Idee gehalten).

Auch das Freiburger Solarhaus in Tiengen, die Solar- Fabrik und die Solarstrom AG sowie Freiburgs Solararchitekt Rolf Disch spielen in der Geschichte eine tragende Rolle. Überwiegend hat das Buch die Historie in Deutschland im Blick. Aber auch die Schweiz – bis ins Jahr 2000 in der Photovoltaik den Deutschen voraus – hatte immer wieder Spannendes zu bieten. Dass die erste europäische Netzeinspeisung von Solarstrom im November 1979 ausgerechnet vom Dach eines Geräteschuppens am Eidgenössischen Institut für Reaktorforschung erfolgte, gehört zu den Kurisositäten der Solarhistorie. Und als im September 1983 in München die erste netzgekoppelte Photovoltaikanlage Deutschlands auf einem Privatdach eingeweiht wurde, war das nur mit einem kreativen Trick möglich, der heute Schmunzeln lässt. Janzing beschreibt weiter, wie in den neunziger Jahren kommunale Aktivitäten in vielen Gemeinden die Solarenergie voranbrachten und wie mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2000 der Boom beginnen konnte. Auch den Kampf um das EEG rollt das Buch natürlich auf und zeigt nebenbei, welche Bedeutung in einem solchen politischen Prozess die Redenschreiber von Politikern haben können. Das Buch ist eine unterhaltsame Mischung aus Zeitgeschichte und Lesegeschichten, es ist einerseits locker geschrieben und vermittelt andererseits „en passant“ manche (auch technischen) Zusammenhänge. Und vor allem ist es auch ein Buch zum Blättern: Bärtige Bastler der siebziger Jahre und Studenten im Strickpulli, die später Karriere in der Solarbranche machten, geben einen anschaulichen Eindruck der damaligen Zeit. So wie auch der Blick in frühe Solarfabriken von einer enormen technischen Entwicklung seither kündet. Aber es geht auch mitunter fachlich zur Sache: Man erfährt nebenbei, wie Solarenergie die Strommärkte verändert und warum die Konzerne die Photovoltaik überhaupt nicht mögen. Nämlich weil der Sonnenstrom amMittag anfällt, zu jenen Zeiten, in denen sich der Kohle- und Atomstrom in der Vergangenheit zu Höchstpreisen verkaufen ließ. Auf gut verständliche Weise liefert das Buch auch viele Hintergrundinformationen für die politische Debatte, nicht zuletzt auch durch seine Grafiken: Eine Abbildung der Preisentwicklung von Photovoltaik zum Beispiel macht deutlich, dass Solarstrom den Ruf der teuren Energie inzwischen zu Unrecht trägt. Im Jahr 2012 wird der Preis von Solarstrom auf ähnlichem Niveau angelangt sein, wie der konventionelle Strom aus der Steckdose. Begonnen im Jahr 1954 mit der Erfindung der Solarzelle, endet das Buch schließlich mit Fukushima und mit einem Ausblick. Der Autor prognostiziert, dass der japanische Super-GAU „die globale Energiepolitik gravierend verändern“ werde. Und zwar „viel stärker als es 25 Jahre zuvor die Katastrophe von Tschernobyl vermochte.“ A propos Prognosen: „Solare Zeiten“ hat das Zeug, zum Standardwerk in Sachen Solargeschichte zu werden. „Solare Zeiten“, Janzing, Bernward, 192 Seiten, Picea Verlag, Freiburg, 24 Euro.

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