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Kultur | August 2011 | von redaktion

„Car Culture. Medien der Mobilität“

Kunstwerke rund um das Auto im ZKM Karlsruhe

Ant Farm (Chip Lord, Hudson Marquez, Doug Michels): "Cadillac Ranch", 1974, Fotografie, in der Ausstellung als Wandtapete ©Ant Farm, Foto: Bud Lee

Das Auto, angeblich der Deutschen liebstes Kind, inspiriert Künstler zu ungewohntem Umgang. Vor allem Edelmarken wie Porsche und Mercedes, aber auch der knuddelige Wirtschaftswunder-Käfer, werden künstlerisch aufgebläht, zerknüllt oder aufeinander getürmt. Gerne auch geteert und gefedert oder mit Plüschtieren überzogen: in der Ausstellung „Car Culture. Medien der Mobilität“ zeigt das Zentrum für Kunst und Medientechnologie ZKM Karlsruhe bis zum 8. Januar 2012 kritische, aber auch skurrile Kunstwerke rund um das Auto.

Schon außen auf dem Vorplatz wird der Besucher von Auto-Skulpturen empfangen. Die drei aufeinander getürmten Käfer sind eigens für „Car Culture“ zu einer Skulptur montiert worden. Der Entwurf dazu von Hans Hollein datiert aber schon auf das Jahr 1960, als die Käfer für Wirtschaftswunder und erste Italienurlaube standen. Typisch für die Aktionskunst ein Jahrzehnt später ist die knallorangefarbene Ente gleich links am Eingang zur Ausstellung. 1970 fuhr der Künstler HP Schult 20 Tage lang mit dieser Ente täglich 1.000 Kilometer. Dann hat er die Windschutzscheibe ausgetauscht. Der Dreck auf den gesammelten Windschutzscheiben sollte von den Wetterbedingungen erzählen. Und so steht die Ente – innen liegen noch die Original-Kekskrümel von 1970 – inmitten der Windschutzscheiben dieser Aktion.
Ein anderer Künstler griff zu einem ungewöhnlichen Werkzeug, um aus einem neuen Porsche 911 eine Skulptur zu machen. Auf dem Bildschirm nebenan zeigt ein Film der Herstellungsprozess. Autoliebhaber werden sich gruseln: da sieht man den neuen Porsche, wie er in eine Presse hinab gelassen und von allen Seiten gnadenlos zerdrückt wird. Es knirscht, die Innenkamera überliefert die letzten Zuckungen des Armaturenbretts. Im Glasballon sieht man die dunkle Flüssigkeit, die bei der Pressung aus dem Auto lief, sozusagen das Blut des Porsche 911.
Nichts für Fans edler Oldtimer ist das schöne alte Mercedes Cabrio, das ein Künstler mit Öl gefüllt hat. Das drastische Statement zum Thema Auto und Umwelt soll dem Verkäufer des Wagens einige Kopfschmerzen bereitet haben. Als Inspirationsquelle erweist sich die Funktion des Autos als Statussymbol. Erwin Wurm kommentiert das in „Fat Car“ mit einem knallroten, auseinander quellenden Porsche Carrera.
Ausgesprochen hintersinnig ist der Kommentar zu einem Kunstwerk, das zwei SUV im Zusammenprall zeigt. Sie sind aus Holz geschnitzt, so dass die Splitter dauerhaft dramatisch in den Raum ragen. In der Werkbeschreibung kann man lesen, dass erst im Zusammenprall die „vulgäre Anmut“ dieser Autos zur Geltung komme.
Zu den Medien der Mobilität gehört nicht nur das Auto. Die Übertragung von Informationen, die wir in Form von Handy, Internet, GPS etc. täglich nutzen, zählt ebenfalls dazu. Eigens für „Car Culture“ gibt es 15 speziell für die Ausstellung programmierte ipads. Bernd Lintermann, Leiter des Instituts für Bildmedien am ZKM, sieht diese ipads für Besucher als „Fenster zur Welt“. Wenn die Besucher das ipad bewegen, öffnet der Bildschirm kleine Fenster mit den Aufnahmen wichtiger Automobilorte in Baden-Württemberg, zum Beispiel das Mercedes-Museum in Stuttgart. Aktuelle Verkehrsdaten formieren sich zu einer virtuellen Skulptur. „Car Culture“ lässt als Beitrag des ZKM zum Automobilsommer in Baden-Württemberg kaum einen Aspekt des Themas Mobilität außen vor. Und Spaß macht die Ausstellung auch.
Nike Luber

ZKM, Lorenzstraße 19, Karlsruhe, Tel. 0721-8100-0, Mi-Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr, Eintritt 5 Euro, Familienkarte 10 Euro.