Straußenführer 2017


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Countdown einer Ehe

Henrik Ibsens „Nora“ beim Sommer-Open-Air der Immoralisten

Als Henrik Ibsen 1879 sein Theaterstück „Nora oder Ein Puppenheim“ verfasste, waren die Geschlechterrollen noch klar definiert: Der Ehemann verdiente das Geld und sorgte für Ehefrau und Familie, weshalb ihm auch die Entscheidungsgewalt über alles oblag. Im Gegenzug erzog die Ehefrau die Kinder, führte ansonsten ein sorgenfreies Leben und kümmerte sich ums Aus- und Ansehen. Ein veraltetes Arrangement, wie es auch heute existiert und funktioniert.

Lisa-Lena Tritscher und Jochen Kruß

Lisa-Lena Tritscher und Jochen Kruß

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Dauerlauf in der Badewanne

Zum Werk der 2007 verstorbenen Künstlerin Romane Holderried Kaesdorf

„Meine Figuren machen nichts Besonderes, nur etwas Anderes“, meinte die Malerin und Zeichnerin Romane Holderried Kaesdorf (1922-2007) einmal lapidar. „Es gibt Handlungen. Keine Ergebnisse. Keine Bedeutung.“ In der Tat entbehren sämtliche ihrer Bilder jeden rationalen Sinns und jeder Logik. Klischees interessierten die Künstlerin einfach nicht.

Romane Holderried Kaesdorf: „Badewanne: 2 Frauen stellen Dauerlauf in der Badewanne“, 1981, privat

Romane Holderried Kaesdorf: „Badewanne: 2 Frauen stellen Dauerlauf in der Badewanne“, 1981, privat

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Randale und Liebe

„Greiffenegg und Ramberg“ im Haus der Graphischen Sammlung im Augustinermuseum Freiburg

Eine ungewöhnliche Ausstellung ist das derzeit im Haus der Graphischen Sammlung: Der Titel rankt sich um zwei Männer, die vornehmlich im Spiegel von Zeichnungen aus den Jahren 1821-24 in Erscheinung treten, die zugleich Zeugnis ihrer Freundschaft sind. Die Rede ist von dem in Freiburg geborenen und gestorbenen Hermann Gottlob Xaver von Greiffenegg-Wolffurt (1773-1847) und Johann Heinrich Ramberg (1763–1840), Hofkünstler und Karikaturist am Hofe von Hannover.

Johann Heinrich Ramberg: „Greiffenegg prüft die Wetterlage auf Osoppo“, 1824 (© Städtische Museen Freiburg, Foto Axel Killian)

Johann Heinrich Ramberg: „Greiffenegg prüft die Wetterlage auf Osoppo“, 1824 (© Städtische Museen Freiburg, Foto Axel Killian)

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Beschläge Koch zeigt Werke von Karl Manfred Rennertz

Mensch – Figur – Holz

Karl Manfred Rennertz, der aktuell bei Beschläge Koch ausstellt, hat sich im Laufe seines Schaffens verschiedener Materialen bedient – neben Holz gereichten ihm auch Beton, Bronze, Gips, Glas, Textilien und zuletzt auch Ton zur Kunst –, um sich am Ende fast ausschließlich dem Holz zuzuwenden.

Karl Manfred Rennertz und zwei seiner Holzskulpturen (© Friederike Zimmermann)

Karl Manfred Rennertz und zwei seiner Holzskulpturen (© Friederike Zimmermann)

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Egon Schiele: Vom enfant terrible zum geheiligten Künstler

Die Wiener Albertina zeigt Werke anlässlich Schieles 100. Todestag

Egon Schiele (1890-1918) war sich selbst immer treu geblieben. „Die Figur ist doch das Wesentlichste, was mich am meisten erfüllt: der menschliche Körper“, erklärte er seiner langjährigen Gefährtin Walburga „Wally“ Neuzil. Trotz des rauen Gegenwinds, der ihm deshalb aus der Wiener Gesellschaft und Kunstszene entgegentoste, hielt er zeitlebens an seinem Grundmotiv, der Aktdarstellung fest.

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Egon Schiele: Schwarzhaariger Mädchenakt, 1910 (Ausschnitt)
Bleistift, Pinsel, Aquarell mit proteinhaltigen Bindemitteln, Deckweiß, auf Packpapier (© Albertina, Wien)

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Im Gespräch: Dirk Nabering, Veranstalter und Festivalleiter

Der Weg ist immer mehr als das Ziel

Er holte Klassik-Koryphäen aus aller Welt nach Freiburg: Dirk Nabering, der von 1968 bis 2010 u.a. die Albert-Konzerte leitete und seitdem die Nabering-Konzerte veranstaltet, ist ein genialischer Unruhegeist par excellence. Im April begeht er seinen 70. Geburtstag mit einem „Festival Pro“. Dieses beinhaltet neben der Konzertreihe „Bach & Barock“ auch ein anspruchsvolles musikalisches Begleitprogramm zu „Die Weiße Rose“, einer Ausstellung über den Deutschen Widerstand gegen die NS-Diktatur. Mit Dirk Nabering sprach Friederike Zimmermann.

Foto von Dirk Nabering, Konzertveranstalter und Festivalleiter

Dirk Nabering (© Maija Nabering)

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Beschläge Koch zeigt Bilder von Martin Kasper

Betreten erbeten: Bühnen der Erinnerung

Weit erstreckt sich der Kinosaal nach vorne. In der Mitte seiner Stirnseite, besser: in der zentralperspektivischen Mitte des Bildes prangt eine weiße Leinwand, die aus sich heraus zu leuchten scheint. Ansonsten erzählt sie nichts, kein Film spielt sich auf ihr ab. Die gedeckten Farben, die verblichene Polsterung der Wände und der abblätternde Boden, von dem die mit rotem Samt bezogenen Kinosessel entfernt wurden – alles weist auf eine prachtvolle Ausstattung hin, die schon einmal bessere Zeiten gesehen hat. Eine Art Cinema Paradiso aus einer Zeit, als irgendwie noch alles in Ordnung schien.

Gemälde "Lichtspiele" von Martin Kaspar. Es zeigt einen leeren Kinosaal, das Gemälde ist in warmen, rot-braunen Erdtönen gehalten

Martin Kasper: „Lichtspiele“. Zu sehen bis 29. Januar 2017 bei Beschläge Koch

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Dostojewskis „Schuld und Sühne“ im Theater der Immoralisten

Im Kopf eines Mörders

Ein lauter Knall, schon ist man mittendrin im Stück – und damit quasi im Kopf eines Mannes, der gleich zum Mörder wird. In höchster Erregung wirft sich Rodion Raskolnikow von Wand zu Wand in der engen dunklen Blackbox, auf die das Theater der Immoralisten für dieses Stück geschrumpft wurde; in Tuchfühlung zum Publikum, das um die schmale Vierung der Bühnenfläche herumgruppiert ist.

Szenenbild aus Dostojewskis "Schuld und Sühne" im Freiburger Theater der Immoralisten. Es zeigt den Schauspieler Jochen Kruß als Raskolikow in einer Verhörsirtuazion

Raskolikow (Jochen Kruß)

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