Straußenführer 2017


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Künstler der russischen Avantgarde

Alexander Rodtschenko – Ausstellung im Musée Unterlinden in Colmar

Alexander Rodtschenko (1891-1956), vielseitiger Künstler der russischen Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Mitbegründer des Konstruktivismus, hat mit seinem Schaffen als Maler, Bildhauer, Designer und Fotograf neue Wege beschritten. Anhand von rund 100 Werken gibt das Musée Unterlinden in Colmar derzeit einen Einblick in die Facetten seiner Produktion, Gemälde, Zeichnungen, Raumkonstruktionen, Fotografien, Architekturprojekte, Werbung und Design.

Alexandre Rodtchenko: „Composition sur fond jaune n°113“, 1920 (© Adagp, Paris 2017)

Alexandre Rodtchenko: „Composition sur fond jaune n°113“, 1920 (© Adagp, Paris 2017)

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Vor 80 Jahren wurde Guernica zerstört

Tapisserie nach Picasso erinnert daran im Musée Unterlinden Colmar

Durch einen brutalen Luftangriff am 26. April 1937 starben hunderte Zivilisten und die Stadt wurde fast vollständig zerstört. Picassos Gemälde „Guernica“, das als Reaktion auf dieses Schrecknis entstanden ist, hat bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt; es reiste um die Welt, blieb viele Jahre in New York und fand – nach Ende der Franco-Diktatur – in Madrid seinen Platz. In Colmar wird derzeit eine textile Version des Gemäldes ausgestellt.

Jacqueline de La Baume, d‘après Pablo Piccaso: „Guernica“, 1976 (© Succession Picasso 2015)

Jacqueline de La Baume, d‘après Pablo Piccaso: „Guernica“, 1976 (© Succession Picasso 2015)

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Ausstellung: „Otto Dix und der Isenheimer Altar“ im Musée Unterlinden in Colmar

Traumata von Krieg und Gefangenschaft

Eine Sonderschau im Musée Unterlinden in Colmar widmet sich derzeit dem Einfluss, den der Isenheimer Altar auf das Werk von Otto Dix (1891–1969) hatte. Gezeigt werden mehr als hundert Exponate, bekannte und unbekannte, Gemälde, Zeichnungen und Grafiken; hinzu kommt Archivmaterial wie Fotografien, Briefe, Bücher, Zeitungen. Das Musée Unterlinden selbst besitzt die bedeutendste Werkgruppe von Otto Dix in Frankreich und konnte zudem wichtige Leihgaben erhalten, sogar vom Vatikanischen Museum.

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Otto Dix: „Gewitter im Riesengebirge“, 1942 © ZVG / Copyright ADAGP, Paris 2016

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Mozarts Oper „Idomeneo“ an der Operá National du Rhin in Straßburg

„Fluglotsen beim Betriebsausflug“

Ein Vater, der seinen Sohn opfern soll, um ein göttliches Gelübde zu erfüllen – in Mozarts Oper „Idomeneo“ geht es um die Beziehung zwischen Menschen und Göttern. Inwieweit muss der Mensch den göttlichen Willen erfüllen? Wo beginnt die eigene Verantwortung?

Foto: Alain Kaiser

Foto: Alain Kaiser

In der elsässischen Operá National du Rhin ist nun Mozarts dreiaktige Opera seria in der gekürzten Wiener Fassung zu sehen. Die Ballettmusiken sind hier gestrichen, die Partie von Idomeneos Sohn Idamante ist mit einem Tenor statt einem Sopran besetzt. Der Abend lässt musikalisch wie szenisch einen zwiespältigen Eindruck. Der ästhetischen Inszenierung von Christophe Gayral fehlt es an Führung und Fokussierung. Das Solistenensemble hat Licht und Schatten. Einen durchweg guten Eindruck hinterlässt das Orchestre symphonique de Mulhouse unter der Leitung von Sergio Alapont. Schon bei der Ouvertüre kann man die dramatische, federnd musizierte Lesart des Dirigenten hören. Die Streicher klingen gut akzentuiert und entwickeln einen aufgerauten Ton. Auch der vielbeschäftigte Chor (Leitung: Sandrine Abello) hat Durchschlagskraft, ohne dabei zu überdrehen. Wunderbar das freie Continuospiel von Irene Cordelia Huberti am Hammerflügel, das die Extreme verbindet und auch mal das Geschehen anhält.

Barbara de Limburgs spartanische, schwarze Bühne besteht aus großen, mobilen Wänden, die geöffnet und geschlossen werden. Ein blaues Tuch, das vom Schnürboden heruntergelassen wird, ist das Meer. Das Meeresungeheuer wird mit einem Schattenspiel als eine Art Nosferatu dargestellt. Im Monster erkennt sich Idomeneo selbst. Leider fehlt es der Regie neben einem klaren Konzept auch an der Ausarbeitung im Detail. Die Übergänge zwischen den Szenen sind konstruiert. Manche Szenen entfalten unfreiwillige Komik wie am Ende des ersten Aktes, als eine riesige Neptunstatue hereingerollt wird. Der Chor bewegt die blau-weißen Fähnchen mit dem Neptun-Logo im Takt der Musik – und sieht dabei aus wie Fluglotsen beim Betriebsausflug.

Warum die musikalisch hochdramatisch gezeichnete Elettra in einem lila 50er-Jahre-Kleid steckt (Kostüme: Jean-Jacques Delmotte) und sich vor allem mit sich selbst beschäftigt, erschließt sich nicht. Die immer wieder hinzugezogenen Tänzer sind mehr als verzichtbar, weil sie die ohnehin gefährdete Spannung weiter schwächen. Leider agiert auch Maximilian Schmitt in der Titelrolle unglücklich. Sein Tenor entwickelt nur in den ganz lyrischen Stellen Leuchtkraft. Wenn es dramatischer wird, gerät die Stimme ins Knödeln. Den Koloraturen fehlt jede Leichtigkeit. Wunderbar geführt ist dagegen der Sopran von Judith Van Wanroij, die die Idamante liebende Ilia näher kommen lässt. Agneta Eichenholz (Elettra) und Juan Francisco Gatell (Idamante) zeigen musikalisch ebenfalls mehr, als sie szenisch darstellen dürfen. Zum Happy End wird die Statue demontiert. Der Chor entledigt sich seiner Kutten und macht in bunten Klamotten eine Strandparty. Man spielt Frisbee und grillt Würstchen. Naja.

Weitere Vorstellungen: Mulhouse, La Sinne: 8.4., 20 Uhr, 10.4., 15 Uhr, Colmar, Théâtre  municipal: 17.4., 15 Uhr. Karten unter www.operanationaldurhin.eu#

Georg Rudiger