Straußenführer 2017


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Mit Kamera und Drohne durch Thailand

Im Gespräch: Dirk Bleyer über seinen Vortrag „Thailand – Traumreise mit Sehnsuchtpotenzial“

National Geographic Fotograf Dirk Bleyer lebt in Berlin, ist jedoch die meiste Zeit des Jahres im Ausland unterwegs oder auf Vortragstournee. Am 4. Februar zeigt er auf dem Mundologia-Festival im Konzerthaus Freiburg seine neue Reportage „Thailand – Traumreise mit Sehnsuchtpotenzial“. Im Interview berichtet er von Pfeife rauchenden Frauen, ausgeprägtem Geisterglauben und kulturellen Fettnäpfchen, in die man besser nicht tritt.

Fotograf Dirk Bleyer in Thailand

Fotograf Dirk Bleyer in Thailand

Kultur Joker: Hallo Herr Bleyer, ich erreiche Sie im Hotel. Wie viele Monate im Jahr sind Sie unterwegs?

Dirk Bleyer: Auf Reisen bin ich mit meiner Frau etwa drei bis vier Monate, dazu kommen gut sechs Monate Vortragstournee. Zwischendurch bin ich ab und zu zuhause, insgesamt aber nicht mehr wie acht Wochen im Jahr. Ich bin gerne auf Reisen und Tournee, es ist aber auch anstrengend und harte Arbeit. Die Zeit daheim ist dann für uns wie Urlaub.

Kultur Joker: Was reizt Sie immer wieder am Fremden und Unbekannten?

Dirk Bleyer: Die Vielfältigkeit der Welt, andere Kulturen und die Auseinandersetzung darüber mit sich selbst. Durch das Reisen bekomme ich einen neuen Blick auf die Dinge, kann meine eigene Sichtweise, meine eigene Kultur hinterfragen.

Kultur Joker: Wohin hat Sie Ihre erste Reise geführt?

Dirk Bleyer: Als ich den Führerschein hatte, bin ich zum ersten Mal auf eigene Faust verreist, mit dem Auto nach Jugoslawien. Das war eine neue Welt für mich. Meine Reiselust war geboren. Nach dem Abitur ging es dann für zweieinhalb Jahre nach Afrika. Die Zeit dort, die ganzen Erlebnisse, haben mich sehr geprägt und mein Leben entscheidend verändert.

Kultur Joker: Sie haben anschließend Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Wie kam es dazu?

Dirk Bleyer: Irgendwann ist das Reisen zur Normalität geworden. Ich konnte es nicht mehr so genießen wie am Anfang, wo alles neu und ein Abenteuer war. Ich saß eines Tages eingestaubt auf einem Pickup und habe es nicht mehr als Abenteuer, sondern als eine weitere unbequeme Tour empfunden. Da wusste ich, dass ich etwas anderes machen muss. Doch schon während des Studiums kam die Reiselust zurück, ich brauchte ein neues Ziel, sonst hätte ich das Studium nicht durchgehalten. Ich hatte mir dann vorgenommen, das Vordiplom schnell abzuschließen und mir anschließend eine Auszeit zu nehmen. Ich bin mit dem Zug von Berlin nach Peking gefahren und war anderthalb Jahre in Asien unterwegs, habe unter anderem Borneo durchquert und war in Neuguinea. Anschließend habe ich weiterstudiert. Da ich aber voller Erlebnisse und spannender Geschichten war, die ich verarbeiten wollte, fing ich parallel dazu an, Vorträge darüber zu halten. Irgendwann habe ich gemerkt, dass man die Vorträge nicht nebenbei halten kann, wenn man es gut machen möchte. Zeit, Arbeit und das eingesetzte Kapital muss sich amortisieren und da dachte ich, das macht nur Sinn, wenn ich es hauptberuflich mache. Ich hatte mir vorgenommen, es drei Jahre mit den Vorträgen zu probieren und wenn ich es nicht schaffe, wollte ich mir etwas als Ingenieur suchen. Nach den drei Jahren war ich noch lange nicht aus dem Gröbsten raus, aber es ging schon ganz gut. Ich bin nie wieder zum Ingenieurwesen zurückgekehrt sondern den Weg des Fotografen und Reiseerzählers gegangen. Das habe ich bis heute nicht bereut.

Kultur Joker: Sie haben schon einige Live-Reportagen produziert, beispielsweise über Südafrika und Neuseeland. Wie kam es zu der Entscheidung, einen neuen Vortrag über Thailand zu machen?

Dirk Bleyer: Bei meiner ersten Asienreise wollte ich eigentlich nicht lange in Thailand bleiben, weil es schon damals hieß, es sei sehr touristisch und nicht mehr ursprünglich. Ich bin drei Monate geblieben und habe mir Thailand von oben bis unten angesehen. Seitdem führte mein Weg immer über Thailand. Wenn ich nach Burma, Laos oder Vietnam gereist bin, habe ich mir danach dort eine Auszeit genommen. Auch für viele Fotoaufträge bin ich nach Thailand gereist. Irgendwann dachte ich, es wird Zeit, einen Vortrag über das Land zu machen. Ich hatte das Bedürfnis, den Menschen über die Thaikultur zu berichten, die Hintergründe darzustellen, zu erzählen, wie Thailand tickt und zu zeigen, was es da Faszinierendes zu sehen und zu erleben gibt. Die meisten kennen ein bisschen die Inseln, wer etwas abenteuerlicher ist, war auch mal im Norden unterwegs. Es gibt jedoch so viel mehr zu entdecken, dass es einem die Sprache verschlägt.

Kultur Joker: Bei welcher Begegnung in Thailand hat es Ihnen die Sprache verschlagen?

Dirk Bleyer: Wir waren in den Bergen im Norden Thailands unterwegs und haben einige Tage in einem Dorf bei einer sehr herzlichen Familie vom Stamm der Akha verbracht und in ihrer Hütte gewohnt. Besonders die Älteren sind dort noch sehr traditionell gekleidet, das zieht viele Fotografen an. Die Akha sind jedoch sehr kamerascheu. Als wir eines Abends zusammen saßen, wurde unser Gastgeber nachdenklich und meinte schließlich, niemand wisse genau, wie alt seine Mutter sei, sicher jedoch schon über 80. Sie hätten kein Bild von ihr zur Erinnerung, wenn sie eines Tages sterbe. Er bat mich, ein Bild von ihr zu machen. Sie wollte sich jedoch nicht fotografieren lassen. Schlussendlich willigte sie ein, machte sich schön und stellte sich vor mich hin. Dann nannte sie noch eine Bedingung: Sie lasse sich nur mit ihrer Pfeife fotografieren. Das war absolut berührend. Wenn man im Vortrag die Bilder sieht, wird auch deutlich warum.

Kultur Joker: Was für Landschaften prägen Thailand?

Dirk Bleyer: Man findet spannende Küstenregionen, traumhafte Inselwelten mit spektakulären Karstgebirgen, wundervolle Nationalparks. Im Norden gibt es sehr bergige Regionen, auch an der Grenze zu Burma, im goldenen Dreieck. Hier trifft man auf Bergstämme, die noch sehr zurückgezogen leben und ihre Kultur weitgehend erhalten konnten. In Thailand kann man auch noch durch touristisch unentdeckte Regionen reisen. Orte, an die sich kaum jemand verirrt. Mir kommt ein knallroter Lotus-See in den Sinn, der von unendlich vielen Blüten bedeckt war und einsam gelegene Klöster, die über Abhängen gebaut wurden, wo man nur unterwegs sein kann, wenn man schwindelfrei ist. Tiefer Dschungel, endlose Reisfelder – Thailand ist sehr groß, hat landschaftlich unglaublich viel zu bieten und war schon mehrfach Kulisse berühmter Hollywoodfilme.

Kultur Joker: Wird auch in Thailand, so wie am Amazonas oder in Indonesien, massiv Tropenholz geschlagen?

Dirk Bleyer: Es wurde schon relativ viel abgeholzt, einige Gebiete sind in Nationalparks geschützt. So massiv wie in Indonesien oder am Amazonas ist es in Thailand jedoch nicht. Das Land hat andere Probleme. Es leben etwa so viele Menschen in Thailand wie in Deutschland, ungefähr 80 Millionen. Es gibt mittlerweile eine ganz gesunde Mittelschicht, die das Reisen für sich entdeckt hat. Was fehlt ist Umweltschutz, der schonende Umgang mit Natur und Landschaft. Es gibt keine Bauvorschriften oder Bauordnungen und wenn, dann werden sie von der Korruption ausgehebelt. An den Hot Spots sind zu viele Besucher, das wird nicht reguliert, dann gibt es Probleme mit der Müllentsorgung und dem Abwasser. So ist es auch in Bangkok. Bangkok ist eine absolut wilde und faszinierende Stadt. Sie ist jedoch für diese Massen an Menschen nicht ausgelegt, das wird zu großen Problemen führen.

Kultur Joker: Gibt es in Thailand eine Landflucht?

Dirk Bleyer: Nicht so sehr wie in anderen Ländern. Die Angehörigen der Bergstämme im Norden beispielsweise haben gar keine offiziellen Papiere und dürfen nicht reisen sondern nur im Norden unterwegs sein. Der Nordosten Thailands, Isaan, gilt als Armenhaus, von da kommen einige zum Arbeiten nach Bangkok oder in die Touristenzentren. Thailand bietet durch den Tourismus zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten, nicht nur in den Städten.

Kultur Joker: Wie sind Sie in Thailand unterwegs?

Dirk Bleyer: Früher war ich oft mit den öffentlichen Bussen, im Süden mit den Minitaxis unterwegs. Mittlerweile fahren wir meist mit dem Auto, da wir immer eine große fotografische Ausrüstung dabeihaben, Filmkameras, mehrere Fotokameras, eine Drohne.

Kultur Joker: Was unterscheidet die thailändische von der deutschen Mentalität? Oder anders gefragt, was ist typisch für Thailänder?

Dirk Bleyer:Der Buddhismus ist in Thailand die dominierende Religion. Die Thailänder haben darüber hinaus aber einen sehr stark ausgeprägten Geister- und Aberglauben und den sieht man: Bunte Tücher und Girlanden um Boote, Taxis mit besonderen Zeichen und Skulpturen auf dem Armaturenbrett. Das sind alles Glücksbringer. Für Thailänder gibt es überall Geister. Vor jedem Thaihaus stehen zwei Geisterhäuser, eines für den Erdgeist, eines für den Luftgeist. Das sind die Geister, die beim Bau des eigenen Hauses vertrieben wurden.

Kultur Joker: Das Schöne und Bunte in Thailand dient also nicht nur der Dekoration.

Dirk Bleyer: Nein, das steht im Zusammenhang mit ihrem tiefen spirituellen Glauben. Zum Beispiel sollte man nie das Essen loben. Das könnte ein Geist hören, neidisch werden und den Essenden Bauchschmerzen bescheren.

Kultur Joker: Gibt es noch andere Fettnäpfchen, in die man besser nicht treten sollte?

Dirk Bleyer: Die Thais verehren ihren König gottähnlich. Es gibt auch ein Gesetz gegen Majestätsbeleidigung. Man sollte nichts Kritisches oder Negatives über den König verlauten lassen, die Thais auch nicht nach ihrer Meinung über den König fragen. Sie würden nicht unbedingt die Wahrheit sagen, und wenn sie sich negativ äußern, laufen sie Gefahr, rechtlich belangt zu werden. Das gleiche gilt auch für den Fall, wenn einem eine Münze aus der Hand fällt oder der Wind einen Geldschein wegbläst. Bloß nicht versuchen, das Geld mit dem Fuß zu stoppen! Der Fuß ist in den Augen der Thailänder das schmutzigste Körperteil. Jemandem die Fußsohle entgegenzustrecken, ist die größte Beleidigung, die man machen kann. Und da auf jeder Münze und auf jedem Geldschein das Konterfei des Königs abgebildet ist, kommt es einer großen Majestätsbeleidigung gleich danach mit dem Fuß zu treten. Darauf können bis zu 15 Jahre Haft stehen. Als Tourist wird einem das nicht gleich blühen, dennoch sollte man das tunlichst vermeiden.

Kultur Joker: Gibt es etwas, das Sie auf Ihren Reisen nach einiger Zeit vermissen?

Dirk Bleyer: Leckeres Brot und Brötchen, danach sehnt es einen immer. Aber in Thailand ist das Essen so lecker und vielseitig, dass man das verschmerzen kann.

Kultur Joker: Entdecken Sie denn auch nach so vielen Jahren noch Neues und Unerwartetes?

Dirk Bleyer: Das ist das Faszinierende an Thailand. Ich finde dort immer wieder Dinge, die ich noch nicht gesehen habe. Thailand ist oft nicht besonders hübsch zwischen A und B. Die Landschaft ist sehr zersiedelt, es gibt viele Elektrokabel, die über Land gezogen sind. Wenn man jedoch in A oder B ist, gibt es tolle Sachen zu entdecken. Die Thailänder verstehen es, das Leben zu genießen, sie sind Weltmeister im Feste feiern. Ich glaube es gibt nirgendwo so viele Feste und freie Tage wie in Thailand. Auch die zahlreichen Tempelanlagen können mich immer wieder begeistern.k

Kultur Joker: Haben Sie in Thailand auch gefährliche Situationen erlebt?

Dirk Bleyer: Thailand ist heute ein sehr sicheres Land. Es gibt vor allem Kleinkriminalität, aber man läuft nicht Gefahr, mit Waffengewalt ausgeraubt zu werden. Thailand ist auch ein Land für alle, die noch nie in Asien waren und erste Erfahrungen sammeln wollen: Es ist exotisch, überraschend und spannend und andererseits sehr sicher.

Kultur Joker: Was erwartet die Besucher Ihres Vortrags?

Dirk Bleyer: Ein Feuerwerk an unterschiedlichen Geschichten, überraschenden Situationen und starken Bildern. Es sind viele Filmsequenzen dabei und Aufnahmen aus neuen Perspektiven, die ich mit der Drohne eingefangen habe.

Kultur Joker: Gibt es schon neue Pläne, ein neues Projekt?

Dirk Bleyer: Nach der Reise ist vor der Reise. Unser nächstes Ziel ist Australien. Wir werden in den kommenden zwei bis drei Jahren oft dort sein und voraussichtlich 2020 den neuen Vortrag präsentieren können.

Dirk Bleyer: „Thailand – Traumreise mit Sehnsuchtpotenzial“. 4. Februar 2018, 11.30 Uhr. 15. Mundologia-Festival, Konzerthaus Freiburg

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