Straußenführer 2017


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James Blond agiert im Hochschwarzwald

Proben für das neue Landschaftstheaterstück des „Theaters in den Bergen“ laufen auf Volldampf

Es ist wohl eines der ungewöhnlichsten Theater der Republik. Das „Theater in den Bergen“ um den Autor und Regisseur Arnd Heuwinkel und die Kostümbildnerin und Schauspielerin Antonia Tittel hat seinen Sitz am oberen Ende des Angenbachtals, einem Seitental der Wiese, in Häg-Ehrsberg auf der Höhe. 2011 etablierte sich das Privattheater als Verein und präsentiert seither alljährlich ein besonderes Theaterspektakel: Der Clou: Alle Aufführungen finden draußen in bisweilen atemberaubender Naturkulisse in und um Ehrsberg statt.

Besuch einer Probe des Theaters in den Bergen in Häg-Ehrsberg

Besuch einer Probe des Theaters in den Bergen in Häg-Ehrsberg

Den Zuschauern wird neben den amüsanten Spielszenen auch ein Naturerlebnis der speziellen Art geboten, denn sie wandern auf einem Spaziergang während der Spieldauer von insgesamt 3,5 Stunden von Spielort zu Spielort (In diesem Jahr sind es acht). An Stelle der üblichen Theaterpause ist ein ausführliches Picknick zur Stärkung für die Zuschauer inbegriffen.

Die Stücke sind sämtlich selbst entwickelt und von Arnd Heuwinkel zu Papier gebracht. In bester Volkstheatertradition werden Stoffe unterhaltsam, jedoch mit Tiefgang und überwiegend ernstem Hintergrund satirisch, ironisch und intelligent präsentiert. „Unser Anspruch ist, mit den Inhalten aktuell zu sein, wo es geht, regionale Bezüge herzustellen, dies vor allem unterhaltend und leichtfüßig, aber wir drücken uns auch nicht davor, Position zu beziehen“, betont Arnd Heuwinkel.

In diesem Jahr lautet der Inszenierungstitel: „James Blond – ein Agent ist nicht genug“. Geboten wird in Anlehnung an die aus den Bond-Filmen bekannten Figurentypen eine verzwickte Agentengeschichte. Die dort auftretenden Bösewichter agieren im Stück nicht allein, sondern bilden ein Im- und Export- „Sündikat“ für Edel-Diktatoren, die auf dem Markt angeboten werden, um den Menschen auch noch das letzte bisschen Freiheit wegzunehmen.

Der Superagent James Blond soll diesem Treiben Einhalt gebieten, doch seine üblichen Mittel aus dem abgedrehten Arsenal von „Q“ reichen offenbar nicht aus, die Phalanx des Bösen zu eliminieren. Hilfsagenten des „Geh-Heimdienstes“ sind eine höchst zweifelhafte Hilfe und von ihm abgelegte ehemalige „Blond-Girls“ kommen dem Helden zusätzlich in die Quere und lange bleibt die Frage unklar, wer denn letztlich der Oberbösewicht ist und welche Rolle die personifizierte Geheimwaffe Walther mit Zusatz PPK spielt. Wie sich dieses verwirrende Beziehungskonglomerat auflöst und ob die Welt und ein freiheitliches Leben für die Menschen zu retten ist, wird hier nicht verraten.

Der Probenprozess läuft derzeit auf Hochtouren, denn der Premierentermin ist auf den 16. September festgelegt. Arnd Heuwinkel und Antonia Tittel sind die einzigen Profis im Team und auch in diesem Jahr sind wie üblich über 50 Laiendarsteller aus Häg-Ehrsberg und Umgebung beteiligt. Dazu kommen noch die vielen fleißigen Hände aus der Gemeinde, die bei der Organisation, dem Nähen der Kostüme, dem Bau der Bühnenbilder oder auch nur beim Kuchenbacken mithelfen.

Eine Momentaufnahme aus einer Probe lässt erahnen, wie weit sich die Probenarbeit in Häg-Ehrsberg von einem normalen Theaterbetrieb unterscheidet: Heute treffen sich die Bösewichter des Sündikats vor einem stillgelegten Hotel in Ehrsberg, das im Stück die Kulisse für ein verruchtes russisches Spielcasino liefert. Heuwinkel arrangiert eine erste Stellprobe, umreißt noch einmal den Szenenverlauf und schon geht es los. Der Text läuft noch holprig, Einsätze werden verpasst und Heuwinkel muss oft unterbrechen und Regieanweisungen geben.

Die beiden Live-Musiker Arnaud Duvoux (Akkordeon, Gitarre) und Beny Reimann (Vibraphon, Schlagzeug) sind zum ersten Mal dabei und deren einfühlsame Improvisationen müssen dem Szenenverlauf angepasst werden. Nach vielem Hin und Her steht der erste Teil der Szene zumindest in seinem Ablauf und dem angestrebten Gestus. Im weiteren Verlauf spielt ein riesiger Roulette-Tisch eine Rolle, der in Form eines flachen Anhängers von einem Oldie-Trecker in die Szene gezogen wird. Im Moment ist es noch ein Lotteriespiel, ob der Trecker anspringt oder nicht. Die ständigen Unterbrechungen fressen aber wertvolle Zeit und die Sonne steht schon gefährlich tief und die Dämmerung setzt ein.

Trotzdem sind alle voll und mit Freude bei der Sache und alle sind fest davon überzeugt, dass es auch diesmal wieder bis zur Premiere „hinhauen“ wird. Und wieder entsteht in Häg-Ehrsberg ein monumentales Gemeinschaftswerk, das einige vergnügliche Stunden garantiert und wohl wert ist, den langen Anfahrtsweg in Kauf zu nehmen.

Erich Krieger

Termine: 16.9., 15 Uhr, Premiere. 23.9./7./14./21.10. jew. 15 Uhr. 24.9./8./15./22.10., jew. 11 Uhr.
Karten: Tel.: 01522-3393642 und theaterindenbergen@gmx.de.
www.theaterindenbergen.de

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