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	<title>Kultur Joker &#187; Regisseur</title>
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	<description>Freiburger Kultur- und Veranstaltungszeitung</description>
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		<title>TOSCA: Verloren in der Diktatur</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 13:01:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war die erste Freiburger Opernpremiere, die von der Exzellenzinitiative des Freiburger Theaters unterstützt wurde. Nach einem packenden, sinnlichen, szenisch ambitionierten und musikalisch herausragenden Abends lässt sich sagen: Die von der Stadt Freiburg zusätzlich unterstützte finanzielle Aufstockung des Budgets durch einige Stifter, die dem Freiburger Musiktheater zu überregionaler Ausstrahlung verhelfen soll, hat zu einem beeindruckenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_460" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-460" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2010/01/tosca-freiburg.jpg" alt="Das Theater Freiburg brilliert mit Puccinis Tosca" width="500" height="281" /><p class="wp-caption-text">Das Theater Freiburg brilliert mit Puccinis Tosca</p></div>
<p>Es war die erste Freiburger Opernpremiere, die von der<strong> Exzellenzinitiative des Freiburger Theaters</strong> unterstützt wurde. Nach einem packenden, sinnlichen, szenisch ambitionierten und musikalisch herausragenden Abends lässt sich sagen: Die von der Stadt Freiburg zusätzlich unterstützte finanzielle Aufstockung des Budgets durch einige Stifter, die dem Freiburger Musiktheater zu überregionaler Ausstrahlung verhelfen soll, hat zu einem beeindruckenden künstlerischen Ergebnis beigetragen&#8230;</p>
<p><span id="more-459"></span><br />
<strong>„Tosca“ ist ein Krimi.</strong> Puccinis im Jahr 1900 komponierte Dreiecksgeschichte um Liebe, Macht und Eifersucht spitzt sich immer weiter zu, ehe am Ende alle drei Protagonisten tot sind. Der Freiburger Hausregisseur Jarg Pataki, der bereits zu Beginn der Spielzeit am Freiburger Theater die „Buddenbrooks“ beeindruckend in Szene gesetzt hat, interessiert sich in seiner „Tosca“-Inszenierung für das gesellschaftliche System, das diese Figuren erst an ihre Abgründe bringt. Pataki verlegt die Geschichte vom Rom des Jahres 1800 in die chilenische Militärdiktatur der 1970-er Jahre. Hier wie dort spielte die Kirche ein unglückliche Rolle, hier wie dort wurde mit großer Härte ein Polizeistaat eingerichtet, der jede liberale Bewegung im Keim ersticken sollte.</p>
<p>Zum ersten Mal stockt einem im Freiburger Theater der Atem, wenn<strong> Scarpia</strong> (mit bedrohlichem, dunklen Bariton: Peteris Eglitis) mit seinen Schergen den weißen, mit einem bunten Glasfenster angedeuteten Kirchenraum (Bühne: Anna Börnsen) betritt und den Mesner (eindrucksvoll: Jin Seok Lee) verhört. Mit weißen Handschuhen streicht er ihm über den Kopf, als dieser vor Angst kaum sprechen kann. Dieser Scarpia macht sich nicht die Finger schmutzig – die Drecksarbeit erledigen andere wie Spoletta (präsent wie immer: Roberto Gionfriddo) für ihn.</p>
<p><strong>Im zweiten Akt wird die Kirche zur Folterzelle.</strong> Weiß wird zu Schwarz, die farbige Rosette ist nun ein Belüftungsschacht. Durch die offenen Schlitze kann man von Zeit zu Zeit einen Blick auf die feine Gesellschaft werfen, die sich Walzer tanzend vergnügt. In diesem beängstigenden Bunker trifft der mit einer weißen Uniform (Kostüme: Sandra Münchow) gekleidete Polizeichef Scarpia auf die von ihm begehrte Tosca, die im Laufe des Abends vom Mädchen zur Mörderin wird (überragend nicht nur bei ihrer Arie „Vissi d’arte“: Rossella Ragatzu). Im Hintergrund wird Toscas Liebhaber Cavaradossi (kernig, aber mit Schwächen in der Höhe: Germán Vilar) gefoltert;<strong> seine Schreie gehen durch Mark und Bein</strong>. Jarg Pataki bringt die beklemmende Szene mit größter Präzision auf die Bühne. Er zoomed die Figuren heran – den geilen, gewalttätigen, machtbesessenen Scarpia und die immer verzweifelnder, aber auch selbstbewusster werdende Tosca. Die Spannung steigt, unterstützt vom punktgenau arbeitenden Philharmonischen Orchester Freiburg unter Generalmusikdirektor Fabrice Bollon, bis ins Unerträgliche, ehe Tosca einen Dolch aus ihrem Haarschmuck zieht und ihren Peiniger ersticht.</p>
<p>Dem musikalisch geschilderten Erwachen Roms zu Beginn des dritten Aktes entzieht <strong>Jarg Pataki</strong> jede Romantik, indem er den Hirtenknaben (Ole Gärtner) zwischen Leichenbergen herumstapfen lässt. Den dramatischen Höhepunkt setzt das Philharmonische Orchester Freiburg an diesem großen Musiktheaterabend ganz zum Schluss, wenn das Leitthema nach Toscas Suizid, der in Freiburg eine Exekution ist, im schweren Blech im Fortissimo wiederkehrt. Lange hat Bollon die gewaltige Kraft dieses Klangkörpers gezügelt. Jetzt lässt er sie los. Das Thema, das ganz zart Cavaradossis Arie<strong> „E lucevan le stelle“</strong> einleitete, wird, im Blech geschärft und mit massivem Schlagzeug unterfüttert, zur Anklage eines Regimes.</p>
<p><strong>Weitere Vorstellungen:<br />
10.1. um 19.30 Uhr<br />
24.1. um 15 Uhr<br />
31.1. um 19.30 Uhr<br />
13./27.2., 19./26.3., jew. um 19.30 Uhr</strong></p>
<p><strong>Theater Freiburg</strong></p>
<p><em>Artikel von: Georg Rudiger</em></p>
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		<title>Nackt und bloß</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Mar 2009 08:47:58 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Theater]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_231" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-231" title="Lulu" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/lulu.jpg" alt="Calixto Bieito inszeniert eine beklemmende Lulu am Theater Basel" width="500" height="198" /><p class="wp-caption-text">Calixto Bieito inszeniert eine beklemmende Lulu am Theater Basel</p></div>
<p>Wenn Kamerateams schon vor der Premiere im Foyer filmen und in der Pause Zuschauer interviewt werden, dann liegt ein <strong>Skandal</strong> in der Luft. Der katalanische Regisseur Calixto Bieito, der in seinen Inszenierungen <strong>Sex und Gewalt</strong> ungeschönt auf die Bühne bringt (am Freiburger Theater wird der Katalane am 9. Mai „La vida breve“ inszenieren), hat sich am Theater Basel mit dem Sex-and-Crime-Stück der Operngeschichte auseinandergesetzt: Alban Bergs „Lulu“.<span id="more-230"></span><br />
Die Geschichte vom Aufstieg und Fall einer Frau, von der <strong>„Allzerstörerin“</strong>, die „von allen zerstört ward“ (Frank Wedekind) ist nach wie vor ein Schocker, der sexuelle Obsessio­nen mit eruptiven Gewaltausbrüchen verbindet. Im Prolog präsentiert der Tierbändiger (zynisch: Andrew Murphy) schon einmal die Protagonisten als Tiere: das Bestiarium ist eröffnet. Immer wieder lässt Calixto Bieito diesen Tierbändiger auftreten. Mit einer Tüte Popcorn, die er auch dem Publikum anbietet, kommt er gelegentlich vorbei und schaut, wie sich seine menschlichen Bestien gegenseitig quälen. Das Blut auf der Bühne hinterlässt auch bei ihm Spuren. Er aber kaut weiter Popcorn. Gewalt als Unterhaltung, Sex als reine Triebbefriedigung – wieder einmal hält Bieito der voyeuristischen, verrohten Gesellschaft den Spiegel vor. Und die Kameras halten drauf.</p>
<p><strong>Von Beginn an zieht diese „Lulu“ in Bann. </strong>Marisol Montalvo spielt und singt sie mal mit Intensität, dann wieder betont distanziert, fast gelangweilt. Stimmlich bewegt sie sich leicht und lyrisch durch den exzessiven Abend. Ihre Textverständlichkeit ist suboptimal, was aber nicht sehr ins Gewicht fällt. Dafür entfaltet Montalvo vor allem körperlich eine solche Präsenz, dass einem der Atem stockt. Im ersten Akt präsentiert sich Lulu in Dessous (Kostüme: Ingo Krügler). Ein Fotoshooting ist angesetzt, die Frau wird zum Star gemacht. Der Maler (sängerisch wie darstellerisch präsent: Rolf Romei) ist hier Fotograf. Die Bühne ist wie meist in Bieitos Inszenierungen eine Art Installation, in der die Beziehungen zwischen den Menschen bloßgelegt werden – kein Dekor lenkt ab.</p>
<p>Die fünf quer laufenden Stahlträger (Bühnenbild: Alfons Flores) erinnern an Bieitos Basler <strong>„Don Carlos“</strong>. Im zweiten Akt senken sich riesige Poster von der Bühnendecke, die Lulu nackt und zum Teil gefesselt in verschiedenen Posen zeigen. Selbst in ihrem eigenen Haus ist Lulu den geilen Blicken der Betrachter ausgeliefert. Und wenn Marisol Montalvo ganz am Ende ihre Hüllen fallen lässt und ganz nackt und verletzlich vor dem Publikum steht, um es noch ein letztes Mal auf Müllsäcken mit ihrem Mörder Jack the Ripper/Dr. Schön (beängstigend intensiv: Claudio Otelli) zu treiben, dann blickt man tief in die Seele dieser Frau. Tanja Ariane Baumgartner gibt die lesbische Gräfin Geschwitz als Frau ohne jeden Stolz, die sich für ihre geliebte Lulu demütigen lässt. In ihren vollen Mezzotönen spürt man das Leid dieser Liebenden. Auch Karlheinz-Heinz Brandt als geriatrischer Prinz, Erin Caves (Alwa) und Aurea Marston (Gymnasiast) erfüllen das hohe Niveau des Abends. <strong>Calixto Bieitos Inszenierung ist erschütternd und beklemmend, sensibel und radikal, klug und expressiv.</strong> Und da auch das Sinfonische Orchester Basel unter der Leitung von Gabriel Feltz an diesem Abend immer auf der Höhe des Dramas ist, wird diese „Lulu“ zu einem packenden, hochemotionalen Musiktheaterabend.</p>
<blockquote><p><strong>Weitere Vorstellungen: </strong><br />
9./15.3., 4./7.4., 4./7./10./16./23./30.5., 16.6.<br />
Karten: <a href="http://www.thea­ter-basel.ch" target="_blank">www.thea­ter-basel.ch</a> und Tel. unter 0041/ 61/2951133</p></blockquote>
<p><em><br />
Georg Rudiger</em><br />
<hr size="1" noshade>
<p style="text-align: center;"><strong>Durch die Nacht mit Calixto Bieito und Michel Houellebecq</strong><br />
<p><a href="http://www.kulturjoker.de/index.php/230/theater-basel-lul"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p></p>
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