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	<title>Kultur Joker &#187; Inszenierung</title>
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		<title>&#8220;Sagt Lila&#8221; &#8211; Die Liebe im Schattenhain</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Mar 2009 08:18:57 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_298" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-298" title="Sagt Lila" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/sagt-lila.jpg" alt="'Sagt Lila' von Chimo auf der Kammerbühne des Theater Freiburg" width="500" height="198" /><p class="wp-caption-text">&#39;Sagt Lila&#39; von Chimo auf der Kammerbühne des Theater Freiburg</p></div>
<p>Es ist eine Gegend, in der man vor <strong>herabfallenden Kühlschränken</strong> acht geben sollte. Die Blöcke F, H und X bilden zwar eine Gerade, aber Fortschritt muss man darin nicht erkennen. Eher Stagnation, da kann es schon mal passieren, dass sich einer der Bewohner mit dem Herabstoßen eines Kühlschranks ein bisschen Bewegung verschaffen will. Es empfiehlt sich, einen Sicherheitsabstand zu den Häuserwänden einzuhalten. Die übrigen Bewohner von Paris tun dies sowieso &#8211; weiträumig.<span id="more-297"></span></p>
<p>Schlicht<strong> „Sagt Lila“</strong> heißt der Roman eines gewissen Chimo, der Grundlage für Luzius Heydrichs Inszenierung in der Kammerbühne des Theater Freiburg ist. Der Text kam auf dem ungewöhnlichen Weg einer Vermittlung durch einen Rechtsanwalt Mitte der 90er Jahre an den Verlag. Der Autor selbst will anonym bleiben und gibt seiner Geschichte doch die größte denkbare Authentizität. Sie erzählt von einer ersten Liebe in der französischen Banlieue. Ob sie wirklich biografisch ist, wird man anzweifeln dürfen, zu gebaut und eindeutig zu literarisch wirkt „Sagt Lila“. Genau dies macht die Qualität dieses Textes aus.</p>
<p>Im Theater Freiburg findet diese Liebe im Schattenhain eines Turms aus Plastikboxen statt, ein bisschen Grün kränkelt angegraut vor sich hin (Bühne: Birgit Holzwarth). „Sagt Lila“ lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Das kann man pornografisch nennen, dann übersieht man jedoch, dass hier zwei Jugendliche auf der Suche nach einer Sprache füreinander sind. Und die Zeichen stehen schlecht. Chimo (Konrad Singer) beklagt die Verwahrlosung im Viertel, das nur ein <strong>„Fick dich, Opa“</strong> oder „Opfer“ kennt. Er selbst flüchtet sich aus der Hochhaussiedlung auf ein Baustellengelände, auf dem er sich mitten im Gras eine Schreibklause einrichtet. Lila (Elisabeth Hoppe), die zu Beginn von Heydrichs Inszenierung in Spitzenleggings und Tanzröckchen auf dem Turm balanciert, macht deutliche Angaben. <strong>„Willst Du meine Möse sehen?“</strong> – soviel Verheißung verschlägt Chimo erst einmal die Sprache. Und dennoch ist „Sagt Lila“ auf eine fast altmodische Art eine romantische, scheue Liebesgeschichte und Chimo ihr Erzähler, also alles andere als sprachlos. Er schreibt und erzählt, anstatt zu handeln, in diesem Fall zu retten. Es ist nicht das erste Mal, dass so Literatur entsteht.</p>
<p>Regisseur Luzius Heydrich lässt seinen beiden Darstellern Raum. Immer wieder brechen sie die Intimität der Kammerbühne auf und drängen mit der Wucht der Jugend ins Publikum. Zueinander findet das Paar so nicht. Konrad Singers Chimo macht Fußballkunststücke ohne Ball, wenn er reden müsste und ist doch im Monolog noch gestisch und dialogisch.<strong> Elisabeth Hoppe verleiht der Figur der Lila ein unschuldiges Mädchengesicht</strong>, das man im 19. Jahrhundert madonnenhaft genannt hätte und zugleich eine sexuelle Zügellosigkeit. Keine Frage, sowohl Chimos Sensibilität als auch Lilas Tabulosigkeit sind Projektionen. Die Geschichte, die Regisseur Heydrich mit den beiden intensiv aufspielenden Darstellern erzählt, berührt dennoch, ohne dass ein sozial affiner Voyeurismus bedient werden würde. Am Ende erfüllt sich Lilas Vorstellung vom Geschenk, das sie dem machen wollte, den sie liebt, aufs Falscheste. Ein starker Abend.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: center;"><strong>Weitere Vorstellungen:</strong><br />
6./22. und 29. März in der Kammerbühne</p></blockquote>
<p><em>Annette Hoffmann</em></p>
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		<title>Nackt und bloß</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Mar 2009 08:47:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_231" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-231" title="Lulu" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/lulu.jpg" alt="Calixto Bieito inszeniert eine beklemmende Lulu am Theater Basel" width="500" height="198" /><p class="wp-caption-text">Calixto Bieito inszeniert eine beklemmende Lulu am Theater Basel</p></div>
<p>Wenn Kamerateams schon vor der Premiere im Foyer filmen und in der Pause Zuschauer interviewt werden, dann liegt ein <strong>Skandal</strong> in der Luft. Der katalanische Regisseur Calixto Bieito, der in seinen Inszenierungen <strong>Sex und Gewalt</strong> ungeschönt auf die Bühne bringt (am Freiburger Theater wird der Katalane am 9. Mai „La vida breve“ inszenieren), hat sich am Theater Basel mit dem Sex-and-Crime-Stück der Operngeschichte auseinandergesetzt: Alban Bergs „Lulu“.<span id="more-230"></span><br />
Die Geschichte vom Aufstieg und Fall einer Frau, von der <strong>„Allzerstörerin“</strong>, die „von allen zerstört ward“ (Frank Wedekind) ist nach wie vor ein Schocker, der sexuelle Obsessio­nen mit eruptiven Gewaltausbrüchen verbindet. Im Prolog präsentiert der Tierbändiger (zynisch: Andrew Murphy) schon einmal die Protagonisten als Tiere: das Bestiarium ist eröffnet. Immer wieder lässt Calixto Bieito diesen Tierbändiger auftreten. Mit einer Tüte Popcorn, die er auch dem Publikum anbietet, kommt er gelegentlich vorbei und schaut, wie sich seine menschlichen Bestien gegenseitig quälen. Das Blut auf der Bühne hinterlässt auch bei ihm Spuren. Er aber kaut weiter Popcorn. Gewalt als Unterhaltung, Sex als reine Triebbefriedigung – wieder einmal hält Bieito der voyeuristischen, verrohten Gesellschaft den Spiegel vor. Und die Kameras halten drauf.</p>
<p><strong>Von Beginn an zieht diese „Lulu“ in Bann. </strong>Marisol Montalvo spielt und singt sie mal mit Intensität, dann wieder betont distanziert, fast gelangweilt. Stimmlich bewegt sie sich leicht und lyrisch durch den exzessiven Abend. Ihre Textverständlichkeit ist suboptimal, was aber nicht sehr ins Gewicht fällt. Dafür entfaltet Montalvo vor allem körperlich eine solche Präsenz, dass einem der Atem stockt. Im ersten Akt präsentiert sich Lulu in Dessous (Kostüme: Ingo Krügler). Ein Fotoshooting ist angesetzt, die Frau wird zum Star gemacht. Der Maler (sängerisch wie darstellerisch präsent: Rolf Romei) ist hier Fotograf. Die Bühne ist wie meist in Bieitos Inszenierungen eine Art Installation, in der die Beziehungen zwischen den Menschen bloßgelegt werden – kein Dekor lenkt ab.</p>
<p>Die fünf quer laufenden Stahlträger (Bühnenbild: Alfons Flores) erinnern an Bieitos Basler <strong>„Don Carlos“</strong>. Im zweiten Akt senken sich riesige Poster von der Bühnendecke, die Lulu nackt und zum Teil gefesselt in verschiedenen Posen zeigen. Selbst in ihrem eigenen Haus ist Lulu den geilen Blicken der Betrachter ausgeliefert. Und wenn Marisol Montalvo ganz am Ende ihre Hüllen fallen lässt und ganz nackt und verletzlich vor dem Publikum steht, um es noch ein letztes Mal auf Müllsäcken mit ihrem Mörder Jack the Ripper/Dr. Schön (beängstigend intensiv: Claudio Otelli) zu treiben, dann blickt man tief in die Seele dieser Frau. Tanja Ariane Baumgartner gibt die lesbische Gräfin Geschwitz als Frau ohne jeden Stolz, die sich für ihre geliebte Lulu demütigen lässt. In ihren vollen Mezzotönen spürt man das Leid dieser Liebenden. Auch Karlheinz-Heinz Brandt als geriatrischer Prinz, Erin Caves (Alwa) und Aurea Marston (Gymnasiast) erfüllen das hohe Niveau des Abends. <strong>Calixto Bieitos Inszenierung ist erschütternd und beklemmend, sensibel und radikal, klug und expressiv.</strong> Und da auch das Sinfonische Orchester Basel unter der Leitung von Gabriel Feltz an diesem Abend immer auf der Höhe des Dramas ist, wird diese „Lulu“ zu einem packenden, hochemotionalen Musiktheaterabend.</p>
<blockquote><p><strong>Weitere Vorstellungen: </strong><br />
9./15.3., 4./7.4., 4./7./10./16./23./30.5., 16.6.<br />
Karten: <a href="http://www.thea­ter-basel.ch" target="_blank">www.thea­ter-basel.ch</a> und Tel. unter 0041/ 61/2951133</p></blockquote>
<p><em><br />
Georg Rudiger</em><br />
<hr size="1" noshade>
<p style="text-align: center;"><strong>Durch die Nacht mit Calixto Bieito und Michel Houellebecq</strong><br />
<p><a href="http://www.kulturjoker.de/index.php/230/theater-basel-lul"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p></p>
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