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	<title>Kultur Joker &#187; Deutschland</title>
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	<description>Freiburger Kultur- und Veranstaltungszeitung</description>
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		<title>Twitter &#8211; &#8220;Digitale Volksverblödung garantiert&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Mar 2009 21:46:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Interessiert es sie, ob in China gerade ein &#8220;Sack Reis umfällt&#8221;? Ja? Dann dürfte ihr voyeuristischer Wissensdurst die weltweit herausposaunte Mitteilung des Internet-Benutzers<strong> &#8220;RobGreen&#8221;</strong> (ehemaliger Besitzer des Blogs BasicThinking) gierig aufsaugen, welcher am 18. März 2009 um cirka 14.30h einem Millionenpublikum erklärte: &#8220;Whopper reinzischen, mampf&#8230; endlich wieder was Vernünftiges essen :))&#8221;. Benutzer <strong>&#8220;cashblog&#8221;</strong> stellte ungefähr zeitgleich fest: &#8220;Heute ist es wieder schön&#8230;&#8221;. Was macht Benutzerin<strong> &#8220;MOOnica&#8221;</strong> eigentlich gerade? Unverhohlen teilt sie es der ganzen &#8216;am Puls der Zeit&#8217; hängenden Internet-Welt mit: <strong>&#8220;Hardcoregeburtstagskartenwriting&#8221;</strong>. User<strong> &#8220;b_thaler&#8221;</strong> informiert alle Erdbewohner mit Internetanschluß darüber, &#8220;dass er sich jetzt einen Espresso bestellen wird, ihn aber nicht trinken wird&#8221;. Zwischendurch kleckst<strong> &#8220;cashblog&#8221;</strong>, dass sein O2-Surfstick wurderbar funzt&#8221;.<span id="more-314"></span></p>
<div id="attachment_315" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-315" title="Benutzer CashBlog auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/twitter-cashblog.gif" alt="Wie gut, dass uns Benutzer CashBlog mitteilt, dass das Wetter schön ist. Spart man sich doch somit den Blick aus dem Fenster!" width="500" height="78" /><p class="wp-caption-text">Wie gut, dass uns Benutzer CashBlog mitteilt, dass das Wetter schön ist. Spart man sich doch somit den Blick aus dem Fenster!</p></div>
<p>Falls sich die mir zugeneigte Leserschaft nun fragt, was ich mit diesem einleitenden und wirren Geschreibsel sagen möchte, kann davon ausgegangen werden, dass sie nicht wissen, was &#8220;Twitter&#8221; ist. Eventuell haben sie schon die freie und <strong>von jedem dahergelaufenen Studienabbrecher veränderbare Volksenzyklopädie &#8220;Wikipedia&#8221; </strong>mit dem Begriff &#8220;Twitter&#8221; beauftragt? Nein, noch nicht? Gut, dann werde ich das für sie tun:</p>
<p><em>[...] Twitter ist ein soziales Netzwerk und ein Mikro-Blogging-Dienst. Angemeldete Benutzer können Textnachrichten mit maximal 140 Zeichen senden und die Nachrichten anderer Benutzer empfangen. Die Nachrichten werden „Updates“ oder „Tweets“ (engl. to tweet, Deutsch zwitschern) genannt. Das soziale Netzwerk beruht darauf, dass man anderen Benutzern folgt (engl. „following“), das heißt die Updates anderer Benutzer abonniert. Benutzer, die einem Teilnehmer folgen, nennt man dessen „Follower“. Auf der Twitter-Startseite kann man Updates eingeben und die Updates der Personen, denen man folgt, chronologisch sortiert sehen. Der Absender kann entscheiden, ob er die Updates allen zur Verfügung stellen oder den Zugang auf eine Freundesgruppe beschränken will. [...]<br />
</em></p>
<div id="attachment_316" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-316" title="Rob Green auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/rob-green-1.gif" alt="Ob der geschäftstüchtige Rob Green für diese hochwichtige Mitteilung von der Frittenbudekette Burgerking eine 5-stellige Provision bekommt? Bestimmt..." width="500" height="78" /><p class="wp-caption-text">Ob der geschäftstüchtige Rob Green für diese hochwichtige Mitteilung von der Frittenbude Burgerking wohl eine 5-stellige Provision bekommt? Bestimmt...</p></div>
<p><strong>Alles klar? </strong>Wissen sie nun, was es bedeutet, über die Internetplattform &#8220;Twitter&#8221; zu &#8220;twittern&#8221;? Ich werde die wikipedianische Erklärung ein wenig umformulieren:</p>
<p>Über Twitter können sie allen Internetusern, die sich der <strong>Verblödungsmaschinerie Twitter </strong>ebenfalls angeschlossen haben, mitteilen, was sie gerade tun, denken, fühlen, meinen, etc&#8230; Möchten sie weltweit bekannt geben, dass sie soeben defloriert worden sind? Twitter bietet ihnen dafür die geeignete Plattform. Laufen sie gerade Amok? Geben sie es über Twitter bekannt, damit <strong>BILD</strong> anschließend der <strong>debilen Leserschaft</strong> ihrer Postille ein Minutenprotokoll ihres Amoklaufs veröffentlichen kann. Plagt sie gerade eine nicht enden wollende Diarrhoe? Twitter verteilt die Nachricht dieser ihrer misslichen Situation millionenfach über den gesamten Erdball und vermutlich auch an <strong>extraterrestrische Lebensformen</strong>, die sich momentan auf Raumpatrouille in unserer Galaxie befinden, um die Intelligenz der Lebewesen des Planeten Erde zu erforschen. Das Raumschiff wird jedoch seine Heimatstation niemals erreichen, da es in einer Twitter-Nachrichtenflut elendig absaufen und letztendlich versinken wird.</p>
<div id="attachment_317" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-317" title="Fudder auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/fudder.gif" alt="Selbst dem Juppi-Jappi-Flappi-Sappi-Magazin Fudder ist es nicht peinlich, bei der Hirnverblödungsmaschinerie Twitter mitzumachen." width="500" height="76" /><p class="wp-caption-text">Selbst dem Juppi-Jappi-Flappi-Sappi-Magazin Fudder ist es nicht zu peinlich, bei der Hirnverblödungsmaschinerie Twitter mitzumachen.</p></div>
<p>Wenn sie nun denken, dass twittern nur etwas für Jugendliche zwischen 9 und 16 Jahren ist, so obliegen sie einem Irrtum. Während der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten 2008, twitterte sich <strong>Barack Obama</strong> die Hände blutig, um Wählerstimmen für sich zu gewinnen. Naja, er selbst twitterte vermutlich eher weniger, sondern ließ mit Hilfe von willfährigen StudentInnen twittern. Man könnte sagen: <strong>Präsident Barack Obama twitterte sich ins Weiße Haus.</strong></p>
<p><strong>Was macht die Internetplattform mit dem ganzen Datenmüll?</strong> Twitter sammelt personenbezogene Daten seiner Benutzer und teilt sie Dritten mit, welche dafür zahlen und Sorge tragen, dass weltweit alle Mailboxen mit Viagra-Werbemails gut gefüllt bleiben und sich Anti-Spam-Software weiterhin gut verkaufen lässt.</p>
<p>Die Welt twittert. Die Linken, die Rechten, die Mittleren, die Liberalen, die Neoliberalen, die Nazis, die Neonazis, die Kinderschänder, die Mörder, die Amokläufer, die Verliebten, die Verlassenen, die Toten -<strong> ja, die Toten twittern auch</strong>. Selbstverständlich gibt es Twitteraccounts namens <strong>&#8220;Hitler&#8221;, &#8220;Elvis Presley&#8221;, &#8220;Karl Marx&#8221; und &#8220;Erich Honecker&#8221;</strong>. Auch Schwerverbrecher twittern &#8211; so beispielsweise <strong>&#8220;Fritzl&#8221;</strong> (sie wissen schon, das österreichische &#8220;Inzest-Monster&#8221;) und <strong>&#8220;Dieter Bohlen&#8221;</strong>.</p>
<div id="attachment_318" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-318" title="Angela Merkel auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/merkel-opel.gif" alt="Oh, Frau Merkel verbreitet Interna über Twitter! Löblich, löblich - jetzt wissen wir Bescheid!" width="500" height="76" /><p class="wp-caption-text">Oh, Frau Merkel verbreitet Interna über Twitter! Löblich, löblich - jetzt wissen wir Bescheid! Hände weg von Opel. Kaufen sie sich einen Mercedes!</p></div>
<p><strong>Ach, sie meinen, dass das wohl eher alles Fakes sind?</strong> Woher nehmen sie denn die Gewissheit? Und wenn schon, der Geist der gefakten Personen scheint auf die Faker übergesprungen zu sein. Kann man dann noch von einem Fake sprechen? <strong>Nein, eher von Inspiration.</strong> Apropos Inspiration &#8211; alle möglichen Sekten, Religionsgemeinschaften, Kirchen und anderweitig Zurückgebliebene sind ebenso auf <a href="http://www.twitter.com" target="_blank">www.twitter.com</a> vertreten. Unser aller Held <strong>Papst Benedikt</strong> konnte sich zwar erfolgreich diversen Geschlechtsverkehren entziehen (zumindest behauptet er dies), dem Irrsinn Twitter aber nicht. Lediglich 30 Leute folgen dem Unfehlbaren auf Twitter &#8211; schade, dass dies im realen Leben nicht auch so ist.</p>
<div id="attachment_319" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-319" title="Freetagger auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/freetagger-1.gif" alt="Ja, Herr Freetagger, das wollten wir schon immer mal von ihnen wissen..." width="500" height="76" /><p class="wp-caption-text">Ja, Herr Freetagger, das wollten wir schon immer mal von ihnen wissen...</p></div>
<p>Der Großteil der twitternden Personen ist selbstverständlich unter 18 Jahre alt. Die Twittersprache ist dieselbe, wie die SMS-Sprache. Kurze Sätze (es können pro Mitteilung maximal 140 Zeichen gesendet werden), unsinnige Nachrichten, Abkürzungen, Smileys, Hinweise auf Pornoseiten, Hinweise auf Brutalo-Videos, Hinweise auf Amokläufe, undsoweiterundsofort &#8211; das Übliche eben. <strong>Reduktion der Sprache auf Grunzlaute</strong>, welche nicht mehr als Sprache bezeichnet werden können.</p>
<p style="text-align: center;">
<div id="attachment_320" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-320" title="Papst Benedikt auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/vatikan.gif" alt="Der Unfehlbare im direkten Kontakt mit seinen Untertanen." width="500" height="89" /><p class="wp-caption-text">Neueste &#39;geistige Blähungen&#39; von ungeheurer Unfehlbarkeit und von ganz oben...</p></div>
<p>Wann fuhren sie das letzte Mal in einer Straßenbahn und versuchten ein Gespräch zwischen Jugendlichen zu verstehen? Tja, wenn sie über 35 Jahre alt sind, ist dieses <strong>sabbelnde Gebrabbel und Gestottere</strong> nicht mehr verständlich. Dies sollte sie nicht verwundern, denn Jugendliche sprechen nicht mehr, sondern simmsen oder twittern.</p>
<div id="attachment_321" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-321" title="Frau Merkel auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/merkel.gif" alt="So genau wollten wir es nun auch nicht wissen, werte Bundeskanzlerin..." width="500" height="94" /><p class="wp-caption-text">So genau wollten wir es nun auch nicht wissen, werte Bundeskanzlerin...</p></div>
<p><strong>Immer mehr Leute jammern über den Überwachungsstaat Deutschland</strong> (dies auch zu recht!), geben aber gleichzeitig der ganzen Welt ihre innersten Gefühle, Meinungen und Pläne preis &#8211; natürlich in Zusammenhang mit einer gültigen Mailadresse, welche wiederum die Adressdaten beinhaltet. Auf den Internetplattformen <strong>&#8220;MySpace&#8221;, &#8220;YouTube&#8221; und &#8220;FaceBook&#8221; </strong>werden Bilder und Videos der letzten Suff-, Drogen- und Gruppensexpartys einer weltweiten Öffentlichkeit präsentiert und samstags geht es dann in die Freiburger Fußgängerzone, um gegen Schäubles Überwachungsaffinitäten zu demonstrieren, obwohl die meisten dieser Demonstranten ihr ganzes Leben bereits höchstfreiwillig im Internet ausgebreitet haben &#8211; gleichsam eines roten Teppichs, auf dem die Herrschaften des Überwachungsstaates Deutschlands dann stolzieren können, ohne sich die Füße und Hände dreckig machen zu müssen.</p>
<div id="attachment_322" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-322" title="M00nica auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/moonica-1.gif" alt="M00nica auf Twitter" width="500" height="78" /><p class="wp-caption-text">Was für ein schönes Wort - ohne Twitter wäre es in den unendlichen Weiten des Internets versunken und hätte keine Überlebenschancen gehabt.</p></div>
<p style="text-align: center;">
<p>Hey Leute, wie wäre es zur Abwechslung damit: <strong>Handys, Laptops und PCs ausschalten und stattdessen das Gehirn einschalten?</strong> Es verhält sich mit dem Gehirn nämlich wie mit einem Motor &#8211; wird er zu lange nicht bewegt, so rostet er ein und wird irreparabel.</p>
<p style="text-align: center;">
<div id="attachment_323" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://www.twitter.com" target="_blank"><img class="size-full wp-image-323" title="Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/twitter.gif" alt="Wenn sie sadomasochistische Anwandlungen verspüren, so melden sie sich doch bei Twitter an. Ich habe es ausprobiert und muss mich nun kurieren." width="500" height="498" /></a><p class="wp-caption-text">Wenn sie sadomasochistische Anwandlungen verspüren, so melden sie sich doch bei Twitter an. Ich habe es ausprobiert und muss mich nun kurieren.</p></div>
<p>Ist es vielleicht schon so weit? <strong>Irreparabler Volkszustand? </strong>Durchaus möglich.</p>
<p><em>Dr. Satori<br />
<a href="http://www.pseudolus.de" target="_blank">Pseudolus-Satiremagazin</a></em></p>
<blockquote><p>Weitere Twitter-Artikel im Internet:<br />
<a href="http://www.fixmbr.de/twitter-der-grte-bldsinn-aller-zeiten/" target="_blank">&#8220;Twitter &#8211; Der größte Blödsinn aller Zeiten&#8221;</a><br />
<a href="http://www.alles2null.de/twitter-ist-tot-oder-so-erstickt-man-am-eigenen-erfolg/" target="_blank">&#8220;Twitter ist tot &#8211; oder: So erstickt man am eigenen Erfolg&#8221;</a></p></blockquote>
<div id="crp_related"><hr size="1" noshade><h3>Artikel mit ähnlicher Thematik:</h3><ul><li><a href="http://www.kulturjoker.de/index.php/347/twitter-blogger-reaktionen" rel="bookmark" class="crp_title">Twitterfans verärgert über Artikel von Dr. Satori</a></li><li><a href="http://www.kulturjoker.de/index.php/168/doktor-satori-lyrik" rel="bookmark" class="crp_title">Alle woll&#8217;n &#8216;se was von mir&#8230;</a></li><li><a href="http://www.kulturjoker.de/index.php/373/elsass-hafner-keramik" rel="bookmark" class="crp_title">Traditionelle Handwerkskunst: Hafner-Keramik</a></li><li><a href="http://www.kulturjoker.de/index.php/297/sagt-lila-theater-freiburg" rel="bookmark" class="crp_title">&#8220;Sagt Lila&#8221; &#8211; Die Liebe im Schattenhain</a></li><li><a href="http://www.kulturjoker.de/index.php/269/hildegard-wohlgemuth-ausstellung" rel="bookmark" class="crp_title">Ausstellung: Hildegard Wohlgemuth</a></li><li><a href="http://www.kulturjoker.de/index.php/464/blue-man-group-theater-11-zuerich" rel="bookmark" class="crp_title">Blue Man Group im Theater 11 in Zürich</a></li><li><a href="http://www.kulturjoker.de/index.php/291/traditionelle-chinesische-medizin-tcm" rel="bookmark" class="crp_title">Die traditionelle Chinesische Medizin &#8211; TCM</a></li></ul></div>]]></content:encoded>
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		<title>Arm und Reich ist gar nicht gleich</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Mar 2009 08:40:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dieser Februar-Samstag ist trüb, kalter Nieselregen geht vor den Fenstern der Katholischen Akademie Freiburg nieder. Einen Tag lang wird hier über Armut und Reichtum diskutiert, um Teilhabe und Gerechtigkeit und die Frage, ob das wohl für alle Menschen erreichbar sein mag. Die Veranstalter – die Informationsstelle Peru, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung und die Katholische Akademie der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_236" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-236" title="Foto aus dem Handbuch der Caritas" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/arm-und-reich.jpg" alt="Die Gnade der reichen Geburt führt - national oder global - immer noch in eine narzistische Illusion der Überlegenheit" width="500" height="198" /><p class="wp-caption-text">Die Gnade der reichen Geburt führt - national oder global - immer noch in eine narzistische Illusion der Überlegenheit. Soziale Gegensätze. Ein Artikel von Heidi Korf.</p></div>
<p>Dieser Februar-Samstag ist trüb, kalter Nieselregen geht vor den Fenstern der Katholischen Akademie Freiburg nieder. Einen Tag lang wird hier über Armut und Reichtum diskutiert, um Teilhabe und Gerechtigkeit und die Frage, ob das wohl für alle Menschen erreichbar sein mag. Die Veranstalter – die Informationsstelle Peru, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung und die Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg – wollen ebenso globale Armut thematisieren wie die Zustände vor der deutschen Haustür.<span id="more-235"></span></p>
<p>Rómulo Torres Seoane spricht über die Situation in seinem Land: Peru, das ist in den Augen vieler westlicher Ökonomen ein südamerikanisches Paradebeispiel für gelingende Entwicklung, ermöglicht durch eine großzügig liberalisierte Freihandelspolitik. Und tatsächlich, das Bruttoinlandsprodukt ist gestiegen, die sozialen Konflikte dabei aber gleich mit – so haben im Peru des Jahres 2008 harte Auseinandersetzungen auf nationaler Ebene deutlich zugenommen. Die Zivilbevölkerung gibt ihrer Unzufriedenheit immer klarer Ausdruck, an den Entscheidungsprozessen des eigenen Landes hat sie kaum Anteil, da ein Übergang zu echten demokratischen Strukturen nie stattgefunden hat.</p>
<p><strong>Die Korruption in den höchsten politischen Rängen dagegen treibt satte, bunte Blüten.</strong> Und die sozio-ökonomischen Gegensätze klaffen immer heftiger, denn leider sagt das Wachstum der Exportrate in volkswirtschaftlich tragenden Sektoren wie dem Bergbau und der Textilindustrie nichts über die Verteilungsgerechtigkeit aus, ebenso wenig wie das gestiegene Pro-Kopf-Einkommen bedeutet, dass jeder peruanische Kopf mehr Geld erhält. Die Gewinne sind so ungleich verteilt, dass Perus Armutsrate weiterhin bei 40 % liegt, in ländlichen Gebieten sind bis zu 80% der Bevölkerung betroffen. Viele Menschen leben von den staatlichen Sozialprogrammen. Unternehmensansiedlungen ausländischer Investitoren sind angenehm unkompliziert und durch extrem niedrige Steuersätze begünstigt. Dass die ressourcenreichen Ländereien – fette Brocken für internationale Bergbauunternehmen – nicht selten Lokalbesitz indigener Gemeinschaften sind, stört den Staat wenig, Erdöl-Probebohrungen im Urwald z.B. sind kein Problem. Höchstens für die Betroffenen, im Amazonasbecken sind das Indianerstämme, die ihr Leben zum Teil sogar freiwillig fernab der westlichen Zivilisation gestalten. Andernorts trifft der liberale Wirtschaftskurs die Kleinbauern, deren Existenz eng mit Grund und Boden zusammenhängt. Vom Ertrag ihrer landwirtschaftlichen Produktion können sie immerhin überleben, wenn man sie lässt. Auch im industriellen Sektor fehlt die politische Konsenssuche mit der lokalen Produktion: Kleinere Textilproduzenten wurden in großer Zahl von der Flut chinesischer Importe verdrängt.</p>
<p>Der Trend gehe gegen das Lokale, so Rómulo Torres Seoane, weitere Bauern und Indianer werden ihren Besitz verlieren. Das sogenannte <strong>„nationale Interesse“</strong> stehe auch im öffentlichen Diskurs im Vordergrund. Und den führt offensichtlich eine urbane Mittelschicht, der es ja auch so schlecht nicht geht. Sie repräsentiert die „Lebensform der Einkaufszentren“ und kennt Andersdenkenden gegenüber vor allem Herablassung, brandmarkt sie als „altmodisch“ und „schwach“. Ja, die peruanische Gesellschaft droht mehr und mehr zu zerbrechen, wenig verbindet noch diese Mittelschicht mit der fast stimmlosen Landbevölkerung. Es bräuchte, so Rómulo Torres Seoane, ein gemeinsames Bewusstsein, am besten verkörpert von einer öffentlichen Person, es bräuchte also eine/n, der / die jene verlorene Verbindung zwischen den sozialen Klassen wieder herzustellen wüsste.</p>
<p>Verbindung, Einheitsbewusstsein, Gemeinschaftsdenken vor rüdem Ego-Individualismus. Den Blick auf die Mikroebene der Lebensrealität vieler zu richten, statt einseitig die Makroebene einer international agierenden Wirtschaftselite zu fokussieren. Das sind auch in Deutschland Themen.</p>
<p>Natürlich ist es wichtig zu unterscheiden. Armut in Peru kommt in ganz anderer Gestalt daher als die deutsche Luxus-Schwester. Das physische Überleben ist bei uns nicht unmittelbar bedroht. <strong>Man trennt daher zwischen absoluter und relativer Armut.</strong> Nach der Weltbank-Definition ist absolut arm, wer weniger als 1,50 $ pro Tag zur Verfügung hat. Relative Armut orientiert sich am Durchschnittswert des Einkommens der jeweiligen Nation.</p>
<p>In Deutschland heißt das, dass man von weniger als 781,00 Euro pro Monat leben muss. Das gilt immerhin für <strong>13 Prozent</strong> der deutschen Bevölkerung. Weidlich bekannt ist, dass Menschen ohne Arbeit, besonders Langzeitarbeitslose, ein erhöhtes Armutsrisiko haben. Dass neben den Erwerbslosen auch Arbeitende arm sein können, ist weniger bekannt: 5 Prozent brauchen Zuschüsse vom Staat, um leben zu können, sie gehören damit zu den „working poor“. Deren Anzahl steigt. Zur Armutsrisikogruppe gehören neben den Erwerbslosen Alleinerziehende und Alleinlebende, Menschen aus Haushalten mit geringer Bildung (i.e. beide Eltern ohne Schulabschluss) und Menschen, die selbst keinen Schulabschluss besitzen.</p>
<p>Es wird deutlich, dass der Armutsbegriff in Industrienationen kein<strong> rein ökonomischer</strong> sein kann, und das ist wichtig zu sehen. Faktoren wie Arbeit, Gesundheit und Bildung sind Dimensionen, die  Armut einerseits mit bewirken und andererseits widerspiegeln. Ja, es ist tatsächlich so: Geld macht gesund, Erwachsene ohne Abitur weisen eine kürzere Lebenserwartung auf. Die subjektive Wahrnehmung der eigenen Gesundheit hängt mit der sozialen Schichtzugehörigkeit zusammen, Kinder und Jugendliche aus unteren Schichten fühlen sich kränker als sozial besser gestellte Altersgenoss/innen. Dass ein guter Finanz- und Sozialstatus hierzulande zu mehr Bildungschancen führt, bestreitet schon seit Jahren niemand mehr. Arbeiterkinder – und das ist nur eine der betroffenen Gruppen – sind an den Hochschulen in der Minderheit, verglichen mit ihrem Anteil an der altersspezifischen Bevölkerung. Der liegt bei 41 %, unter den Studienanfänger/innen machen sie aber nur 20 % aus. Im Gegenzug studieren 83 von 100 Akademikerkindern. Die sogenannte „Bildungsvererbung des Studiums“ hat in den letzten Jahren in sämtlichen Fächern zugenommen.</p>
<p><strong>Deutsche Armut bedeutet nicht Hunger, sondern schlechtere Lebensmöglichkeiten bis hin zum Ausschluss. </strong>Ausschluss und Rückzug, Scham und Resignation – das alles hängt in deutschen Köpfen oft damit zusammen, ob man überhaupt eine Arbeit hat. Hierbei ist ausschließlich von Lohnarbeit die Rede. Lohnarbeit an sich hat einen schier unhinterfragt hohen Stellenwert, das spiegelt sich in der Hierarchie unserer Ängste. Auf der Skala möglicher Lebensschrecknisse rangiert Arbeitslosigkeit im Jahr 2007 mit 50,8 % auf Platz 1, gefolgt von der Angst vor Krankheiten mit 43 %. Krebs ist also nicht so schlimm wie den Arbeitsplatz zu verlieren? Lieber den Partner als den Job einbüßen? Hier geht es offensichtlich um kollektive Werte, es geht um Fragen des Bewusstseins: Was ist uns als Gesellschaft wichtig? Was macht ein „richtiges“ Leben aus? Wer darf dazugehören und warum? Wer ist mein/e „Nächste/r“, wo beginnt, wo endet meine Bereitschaft zum gemeinschaftlichen Denken? Und wie weit weg ist eigentlich Peru?</p>
<p><strong>Soziale Gegensätze beginnen im Kopf.</strong> Die „Gnade der reichen Geburt“ führt – national oder global – immer noch in eine narzisstische Illusion der Überlegenheit, der Unabhängigkeit vom Rest der Welt. Heimlich führt sie zu Gedanken wie „Arm sind die anderen“ oder „Katastrophen sind anderswo“. Und noch viel heimlicher zum Nachsatz „Und das ist gut so“. Denn niemand will, dass es ihn selbst hart trifft, das „Schicksal“, das keines sein müsste. Aber die „Schere zwischen Arm und Reich“ ist nur als Sprachbild etwas stumpf geworden, die faktischen sozialen Unterschiede wachsen. Scheren sind aus zwei beweglichen Klingen gebaut. Fehlt die Schraube in der Mitte, besteht die Gefahr, dass die sich kreuzen.</p>
<p><em>Heidi Korf</em></p>
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