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Artikel aus der Kategorie: Theater | Februar 2012
Die Straßburger Oper setzt mit Robert Carsens „Katja Kabanowa“ Maßstäbe.
 Foto: Alain Kaiser
Die Wolga. Sie ist in Leos Janáceks 1921 vollendeter Oper „Katja Kabanowa“ Anfang und Ende, Idylle und Bedrohung, Leben und Tod. In Robert Carsens Inszenierung, die 2004 für die Oper Antwerpen entstand und nun in Straßburg zu sehen ist, besteht die Bühne aus einer einzigen Wasserfläche, die nur vom wunderbar ausgeleuchteten Horizont begrenzt wird (Ausstattung: Patrick Kinmonth). Die Wolga ist immer da. Hier liegen während des dunkel gefärbten Orchestervorspiels, das das düstere Ende der Geschichte schon musikalisch vorwegnimmt, 24 weiß gekleidete Frauen auf Holzbrettern, ehe sie sich ins Wasser gleiten lassen und so den Selbstmord der Protagonistin schon andeuten. Immer wieder kehren im Laufe des bewegenden Abends diese Frauen zurück.
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Artikel aus der Kategorie: Theater | Februar 2012
Das Freiburger Theater etabliert sich mit einem packenden „Lohengrin“ als bedeutende Wagner-Spielstätte
 Christian Voigt Foto: Maurice Korbel
Lohengrin ist keine Lichtgestalt. Da kann Christian Voigt in den lyrischen Passagen noch so viel Wärme entstehen lassen, da kann er seine Elsa (ein Ereignis: Christina Vasileva) noch so innig küssen – Regisseur Frank Hilbrich traut diesem Erlöser nicht. In seiner bildstarken, klugen Inszenierung am Freiburger Theater ist der bärtige Lohengrin kein Heilsbringer, sondern ein großer Verführer, der eine Massenhysterie in Gang setzt und am Ende eine zerstörte Gesellschaft hinterlässt. Er zündet aber nur den Funken – der Flächenbrand entsteht durch die eigenen Vernichtungskräfte der menschlichen Gemeinschaft.
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Artikel aus der Kategorie: Interviews | Januar 2012
 Im Gespräch: Morten Schuldt-Jensen, Chordirigent und Professor
Schuldt-Jensen in Freiburg und hat als Professor für Chordirigieren, Dirigent des Freiburger Kammerchores und künstlerischer Leiter der Musiktage St. Peter Spuren im Musikleben hinterlassen. Sein bis Sommer 2010 befristeter Vertrag an der Freiburger Musikhochschule wurde allerdings nicht verlängert, was den 53-jährigen Dänen dazu veranlasste, gegen das Land Baden-Württemberg zu klagen. Da das Urteil noch nicht gesprochen ist und der Prozess auf Ende Januar 2012 vertagt wurde, musste Georg Rudiger im Interview das brisante Thema ausklammern. Ein Gespräch über den Reiz des Unterrichtens, Bonsaibäume und Ruhestörungen im Konzert.
Kultur Joker: Sie sind im Jahr 2006 von Leipzig nach Freiburg gekommen. Wie war für Sie der erste Eindruck von Freiburg?
Morten Schuldt-Jensen: Absolut wunderbar. Ich war dort im Herbst 2005, um an der Musikhochschule vorzudirigieren bzw. um einen Probeunterricht zu halten. Die Naturnähe ist etwas ganz Besonderes. Die Freiburger Musikhochschule ist vielleicht die am schönsten gelegene in ganz Deutschland.
Kultur Joker: Wie haben Sie von der Ausschreibung erfahren?
Schuldt-Jensen: Ein ehemaliger Schüler von Hans-Michael Beuerle, der nun Professor für Chorleitung an der Leipziger Musikhochschule ist, hat mich darauf aufmerksam gemacht. Beuerles Namen kannte ich, weil ich mich sehr für Brahms interessiere.
Kultur Joker: Haben Sie seine Dissertation gekannt?
Schuldt-Jensen: Ja. Ich habe als Musikwissenschaftler in Kopenhagen seine Dissertation auf der Literaturliste gehabt. Es war sehr reizvoll mir vorzustellen, so einer großen Persönlichkeit nachfolgen zu dürfen.
Kultur Joker: Sie haben neben Dirigieren auch Gesang studiert.
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Artikel aus der Kategorie: Theater | Januar 2012
Das erfolgreichste deutschsprachige Musical gastiert im Musical Theater Basel

1992 feierte das Musical „Elisabeth – Die wahre Geschichte der Sissi“ seine Weltpremiere bei den Vereinigten Bühnen Wien. Seither eroberte es die Herzen von über acht Millionen Zuschauern weltweit. Michael Kunze und Sylvester Levay haben mit ihrer dramatischen und herzergreifenden musikalischen Darstellung des Lebens der Kaiserin Elisabeth von Österreich einen Klassiker geschaffen, der sich zum erfolgreichsten deutschsprachigen Musical aller Zeiten entwickelt hat. Vom 18. Januar bis 5. Februar kommt die gefeierte Tourneeproduktion des Originalteams der Vereinigten Bühnen Wien zum 20-jährigen Jubiläum erstmals auf die Bühne des Musical Theater Basel. Das Schicksal der schönen Kaiserin Elisabeth von Österreich hat ganze Generationen berührt. Unvergessen und Kult sind die Verfilmungen des Stoffes aus den 50er Jahren mit Romy Schneider als Sissi und Karl-Heinz Böhm als Kaiser Franz Joseph. Michael Kunze und Sylvester Levay haben sich der faszinierenden Persönlichkeit der Sissi – wie die Wiener ihre geliebte Kaiserin zu nennen pflegen – und ihrem bemerkenswerten Leben von einer ganz anderen Seite genähert. Abseits von allem Kitschigen zeichnen sie den Lebensweg der Kaiserin der Herzen als einen, der von Höhen und Tiefen, Glück und Zweifeln, Engagement und Rückzug erzählt. Elisabeth zeigt sich als eine Frau, die ihren Freiheitswillen lebt – gegen den Druck des höfischen Verhaltenskodex, der sich in ihrem gespaltenen Verhältnis zu Franz Josephs Mutter, der Erzherzogin Sophie, manifestiert. Damit sind ihre Bestrebungen nach einem eigenen Leben, eigenem Glück und eigener Persönlichkeit schon fast emanzipatorisch zu nennen. Kunze hat seiner Elisabeth eine männliche Hauptfigur an die Seite gestellt, die androgyn und schattenhaft ihr tiefstes Sehnen personifiziert: der Tod – die Rolle, die Musicalstar Uwe Kröger in der Wiener Uraufführung zu einem der bekanntesten Musicaldarsteller des deutschprachigen Raums machte. Die Musik von Sylvester Levay zum herb-lyrischen Libretto von Michael Kunze reicht von herrrlichen Gänsehaut- Balladen wie „Ich gehör‘ nur mir“ bis zu schnellen, rockigen Nummern wie „So wie man denkt“. Vorstellungen: 18.1.-5.2., Di bis Fr, jew. 19.30 Uhr; Sa u. So, 14.30 und 19.30 Uhr. Karten: Eventim: 01805 570070.
Artikel aus der Kategorie: Kunst | Januar 2012
„Tschernobyl. Expeditionen in ein verlorenes Land“
im Freiburger Augustinermuseum
 Blick in die Ausstellung „Tschernobyl. Expeditionen in ein verlorenes Land“
Es war nicht die erste ethnologische Expedition in die Polissja, doch die Feldforschungen, die dort zwischen 1994 und 1997 vom Institut für Ethnologie der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine in Lviv unternommen wurden, waren anders. Führten sie doch in die Sperrzone. Ludmila Bulhakova, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts und Expeditionsteilnehmerin, die nun auch an der Ausstellung „Tschernobyl. Expeditionen in ein verlorenes Land“ beteiligt ist, spricht lieber von Zone. Denn Sperrzonen gab es auch in sowjetischen Straflagern. Im Westen lernte man nach dem 26. April 1986 zwar den Ortsnamen fehlerfrei schreiben, über den ukrainischen Landstrich, in dem der Super-GAU stattfand, lernte man nichts, nichts über die Kultur der dort lebenden Bevölkerung und auch nichts über die Verwerfungen, die dort im 20. Jahrhundert stattfanden. „Tschernobyl. Expeditionen in ein verlorenes Land“ – nun im Wechselausstellungsraum des Freiburger Augustinermuseums zu sehen – ist eine klassische ethnologische Schau, die Objekte sprechen lässt. Doch zugleich ist sie eine politische und symbolische Ausstellung. Nicht allein durch die städtepartnerschaftlichen Verbindungen zu Lviv, sie zollt der Bevölkerung auch eine Art späten Respekt. Tschernobyl und die Polissja gelten manchen als Keimzelle der Slawen. Weitgehend Sumpfgebiet bewahrte sich die Gegend ihre urtümliche Kultur, die vielfach heidnische Elemente aufwies. Um im großen Umfang Landwirtschaft zu betreiben, hätte man die Sümpfe trocken legen müssen. Stattdessen gab es Feldwirtschaft im kleinen Stil, man hielt Vieh und sammelte Beeren und Pilze im Wald. Die Polissja war eine arme Gegend, das Leben hart. Die landwirtschaftlichen Geräte, Holzpflüge sowie Hausrat, aber auch Beerenrechen, die im Museum zu sehen sind, zeugen davon. Man produzierte und baute dem eigenen Bedarf entsprechend an, vermied Überfluss. Dinge, die man nicht selbst herstellte, wurden gehandelt oder getauscht – oft mit jüdischen Kaufleuten. Denn ein großer Anteil der Bevölkerung war jüdisch, er siedelte sich unter der polnischen Herrschaft an und als Katharina die Große an die Macht kam, ordnete sie 1772 an, dass Juden ausschließlich in den ehemals polnischen Gebieten ansässig sein durften. Eine besondere Form der Religiosität bildete sich aus: der Chassidismus. In seiner Blütezeit, im 17. und 18. Jahrhundert, gründeten einzelne Schriftgelehrte Anwesen, in denen bis zu tausend Anhänger lebten. Etwas von seiner Bedeutung lässt sich in Judaica der Sammlung Maximilian Goldstein aus Galizien erahnen, aber auch in einer Projektion historischer Fotos, die ein wenig Einblick in das Leben der osteuropäischen Juden gibt. Man kann die Orthodoxie als Reaktion auf die Pogrome des 17. Jahrhunderts verstehen. Weitere folgten, dann die Sowjetisierung, der Holocaust und schließlich das Reaktorunglück. Die Polissja und ihre Bewohner haben mit der Katastrophe in Tschernobyl ihre Kultur verloren.
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