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	<title>Kultur Joker</title>
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	<description>Freiburger Kultur- und Veranstaltungszeitung</description>
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		<title>Blue Man Group im Theater 11 in Zürich</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 13:20:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zürich zeigte sich von der schönsten Seite, als die Blue Man Group im Dezember in der Innenstadt auf Entdeckungstour ging. Die drei kahlköpfigen, blauen Gestalten waren neugierig auf ihren zukünftigen Gastort und erkundeten diesen deshalb bereits vor dem offiziellen Show-Start am 17. Januar 2010. Sprechen tun sie nicht, ihre Mimik ist jedoch so prägnant, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_465" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-465" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2010/01/blue-man-group.jpg" alt="Spektakuläre Show im Theater 11 in Zürich" width="500" height="298" /><p class="wp-caption-text">Spektakuläre Show im Theater 11 in Zürich</p></div>
<p>Zürich zeigte sich von der schönsten Seite, als die<strong> Blue Man Group</strong> im Dezember in der Innenstadt auf Entdeckungstour ging. Die drei kahlköpfigen, blauen Gestalten waren neugierig auf ihren zukünftigen Gastort und erkundeten diesen deshalb bereits vor dem offiziellen Show-Start am 17. Januar 2010. Sprechen tun sie nicht, ihre Mimik ist jedoch so prägnant, dass sie jeder versteht&#8230;</p>
<p><span id="more-464"></span><br />
Fasziniert zeigten sich die blauköpfigen Besucher von den Passanten in der Bahnhofstraße, aber ebenso von Tinguelys Skulptur „Heureka“ am Zürichhorn. Schließlich erklommen sie den Karlsturm des Großmünsters, um den herrlichen Überblick über die Limmatstadt zu genießen.</p>
<p><strong>Eine einzigartige Show-Vision mit packenden, modernen Rhythmen:</strong> Die Blue Man Group zeigt eine der ungewöhnlichsten und erfolgreichsten Bühnenshows, die weltweit bereits über 17 Millionen Besucher zählte. Ab 17. Januar sind<strong> „die drei Blauen“</strong> nun das erste Mal in Zürich im Theater 11 zu sehen. Die Blue Man Group entführt das Publikum auf eine Reise, die gleichzeitig komisch, intelligent und optisch überwältigend ist. Die Musik ist einzigartig: Alle verwendeten Instrumente und Lichteffekte wurden eigens für diese Show entwickelt und kreieren somit den unverwechselbaren Blue Man Sound. Die Blue Man Group lässt sich<strong> nicht</strong> kategorisieren – Rockmusik, Comedy, Kunst und Wissenschaft kommen gleichermaßen zum Zug. Die Blue Man Group lässt sich schwer mit Worten beschreiben – man muss sie einfach selber erlebt haben!</p>
<p><strong>Vorstellungen der Blue Man Group: </strong><br />
17. Januar bis 28. März<br />
Theater 11, Zürich<br />
Di-Sa, jeweils 19.30 Uhr<br />
So 18.30 Uhr<br />
Sa auch 16.30 Uhr<br />
So auch 15.30 Uhr.<br />
Infos:<a href="http://www.musical.ch" target="_blank"> www.musical.ch</a></p>
<blockquote><p><strong>Aufgepasst:</strong> Wir verlosen für die Preview am 16. Januar, 19.30 Uhr, 2 x 2 Karten.<br />
Schicken Sie uns<strong> bis zum 10. Januar</strong> eine Mail mit dem<strong> Stichwort „Blue Man Group“</strong> an <a href="mailto:redaktion@kulturjoker.de">redaktion@kulturjoker.de</a> und geben Sie Ihre Telefonnummer zur Benachrichtigung an.</p></blockquote>
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		<title>TOSCA: Verloren in der Diktatur</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 13:01:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war die erste Freiburger Opernpremiere, die von der Exzellenzinitiative des Freiburger Theaters unterstützt wurde. Nach einem packenden, sinnlichen, szenisch ambitionierten und musikalisch herausragenden Abends lässt sich sagen: Die von der Stadt Freiburg zusätzlich unterstützte finanzielle Aufstockung des Budgets durch einige Stifter, die dem Freiburger Musiktheater zu überregionaler Ausstrahlung verhelfen soll, hat zu einem beeindruckenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_460" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-460" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2010/01/tosca-freiburg.jpg" alt="Das Theater Freiburg brilliert mit Puccinis Tosca" width="500" height="281" /><p class="wp-caption-text">Das Theater Freiburg brilliert mit Puccinis Tosca</p></div>
<p>Es war die erste Freiburger Opernpremiere, die von der<strong> Exzellenzinitiative des Freiburger Theaters</strong> unterstützt wurde. Nach einem packenden, sinnlichen, szenisch ambitionierten und musikalisch herausragenden Abends lässt sich sagen: Die von der Stadt Freiburg zusätzlich unterstützte finanzielle Aufstockung des Budgets durch einige Stifter, die dem Freiburger Musiktheater zu überregionaler Ausstrahlung verhelfen soll, hat zu einem beeindruckenden künstlerischen Ergebnis beigetragen&#8230;</p>
<p><span id="more-459"></span><br />
<strong>„Tosca“ ist ein Krimi.</strong> Puccinis im Jahr 1900 komponierte Dreiecksgeschichte um Liebe, Macht und Eifersucht spitzt sich immer weiter zu, ehe am Ende alle drei Protagonisten tot sind. Der Freiburger Hausregisseur Jarg Pataki, der bereits zu Beginn der Spielzeit am Freiburger Theater die „Buddenbrooks“ beeindruckend in Szene gesetzt hat, interessiert sich in seiner „Tosca“-Inszenierung für das gesellschaftliche System, das diese Figuren erst an ihre Abgründe bringt. Pataki verlegt die Geschichte vom Rom des Jahres 1800 in die chilenische Militärdiktatur der 1970-er Jahre. Hier wie dort spielte die Kirche ein unglückliche Rolle, hier wie dort wurde mit großer Härte ein Polizeistaat eingerichtet, der jede liberale Bewegung im Keim ersticken sollte.</p>
<p>Zum ersten Mal stockt einem im Freiburger Theater der Atem, wenn<strong> Scarpia</strong> (mit bedrohlichem, dunklen Bariton: Peteris Eglitis) mit seinen Schergen den weißen, mit einem bunten Glasfenster angedeuteten Kirchenraum (Bühne: Anna Börnsen) betritt und den Mesner (eindrucksvoll: Jin Seok Lee) verhört. Mit weißen Handschuhen streicht er ihm über den Kopf, als dieser vor Angst kaum sprechen kann. Dieser Scarpia macht sich nicht die Finger schmutzig – die Drecksarbeit erledigen andere wie Spoletta (präsent wie immer: Roberto Gionfriddo) für ihn.</p>
<p><strong>Im zweiten Akt wird die Kirche zur Folterzelle.</strong> Weiß wird zu Schwarz, die farbige Rosette ist nun ein Belüftungsschacht. Durch die offenen Schlitze kann man von Zeit zu Zeit einen Blick auf die feine Gesellschaft werfen, die sich Walzer tanzend vergnügt. In diesem beängstigenden Bunker trifft der mit einer weißen Uniform (Kostüme: Sandra Münchow) gekleidete Polizeichef Scarpia auf die von ihm begehrte Tosca, die im Laufe des Abends vom Mädchen zur Mörderin wird (überragend nicht nur bei ihrer Arie „Vissi d’arte“: Rossella Ragatzu). Im Hintergrund wird Toscas Liebhaber Cavaradossi (kernig, aber mit Schwächen in der Höhe: Germán Vilar) gefoltert;<strong> seine Schreie gehen durch Mark und Bein</strong>. Jarg Pataki bringt die beklemmende Szene mit größter Präzision auf die Bühne. Er zoomed die Figuren heran – den geilen, gewalttätigen, machtbesessenen Scarpia und die immer verzweifelnder, aber auch selbstbewusster werdende Tosca. Die Spannung steigt, unterstützt vom punktgenau arbeitenden Philharmonischen Orchester Freiburg unter Generalmusikdirektor Fabrice Bollon, bis ins Unerträgliche, ehe Tosca einen Dolch aus ihrem Haarschmuck zieht und ihren Peiniger ersticht.</p>
<p>Dem musikalisch geschilderten Erwachen Roms zu Beginn des dritten Aktes entzieht <strong>Jarg Pataki</strong> jede Romantik, indem er den Hirtenknaben (Ole Gärtner) zwischen Leichenbergen herumstapfen lässt. Den dramatischen Höhepunkt setzt das Philharmonische Orchester Freiburg an diesem großen Musiktheaterabend ganz zum Schluss, wenn das Leitthema nach Toscas Suizid, der in Freiburg eine Exekution ist, im schweren Blech im Fortissimo wiederkehrt. Lange hat Bollon die gewaltige Kraft dieses Klangkörpers gezügelt. Jetzt lässt er sie los. Das Thema, das ganz zart Cavaradossis Arie<strong> „E lucevan le stelle“</strong> einleitete, wird, im Blech geschärft und mit massivem Schlagzeug unterfüttert, zur Anklage eines Regimes.</p>
<p><strong>Weitere Vorstellungen:<br />
10.1. um 19.30 Uhr<br />
24.1. um 15 Uhr<br />
31.1. um 19.30 Uhr<br />
13./27.2., 19./26.3., jew. um 19.30 Uhr</strong></p>
<p><strong>Theater Freiburg</strong></p>
<p><em>Artikel von: Georg Rudiger</em></p>
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		<title>Vom Keller bis in die Höhe</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 11:57:34 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das 11. Freiburg Grenzenlos Festival in Freiburg
Anfang des Jahres feiert die Kleinkunst in Freiburg fröhliche Urständ. Gleich zwei Veranstaltungsreihen rücken sie in den Mittelpunkt des Geschehens, die beide in diesem Jahr ein schiefes Jubiläum feiern. Denn für das Freiburg Grenzenlos Festival ist es die 11. Veranstaltung, für die Internationale Kulturbörse gar die 22. Gemeinsam begeht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_456" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-456" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2010/01/kraemer-tschirpke.jpg" alt="Sebastian Krämer und Marco Tschirpke" width="500" height="265" /><p class="wp-caption-text">Sebastian Krämer und Marco Tschirpke</p></div>
<p><strong>Das 11. Freiburg Grenzenlos Festival in Freiburg</strong><br />
Anfang des Jahres feiert die Kleinkunst in Freiburg fröhliche Urständ. Gleich zwei Veranstaltungsreihen rücken sie in den Mittelpunkt des Geschehens, die beide in diesem Jahr ein schiefes Jubiläum feiern. Denn für das <strong>Freiburg Grenzenlos Festival</strong> ist es die 11. Veranstaltung, für die <strong>Internationale Kulturbörse</strong> gar die 22. Gemeinsam begeht man in diesem Jahr wieder die Eröffnungsgala, die am 25. Januar im Theatersaal der Messe Freiburg stattfindet. Es nehmen teil: die Kabarettisten Sebastian Krämer und Marco Tschirpke sowie Karl-Heinz Helmschrot,  die Artisten   Sirma Dobreva und Morgan Cosquer, für Komik werden die Clowns BP Zoom sorgen, die Moderation übernimmt Jan Christof Scheibe&#8230;</p>
<p><span id="more-455"></span><br />
Wie  die  Jahre zuvor  haben  die Veranstalter,  das Vorderhaus, SWR Studio  Freiburg und Koko &amp; DTK Entertainment, ein buntes Programm zusammengestellt, quer durch alle Bereiche vom Chanson, der Lesung, Kabarett und Comedy. Die 24 Programmpunkte der 13 Tage Kleinkunst werden an fünf verschiedenen Veranstaltungsorten stattfinden, neben dem SWR Studio Freiburg und dem Vorderhaus, im Bergkeller Weingut Schwarzer Adler in Vogtsburg-Oberbergen, im Berghotel Schauinsland und dem Babeuf. Es gibt also einiges zu entdecken.<br />
Über den Geheimtippstatus ist Annamateur &amp; Außensaiter längst hinaus.</p>
<p>In Freiburg wird der <strong>„Stern am Himmel der musikalischen Kleinkunst“</strong>, so der „Berliner Tagesspiegel“, mit ihrem Programm „Bandaufstellung nach B. Hellinger“ am 26. Januar zu Gast sein. Zu hören werden Songs und Lieder von Tom Waits, Charlie Parker, Charles Aznavour und Zarah Leander sein. Mehr Musik gibt’s von der Schweizer Band „Stiller Has“ am 28. Januar, die im SWR Studio Freiburg ihre Songs um Sucht und Sehnen, Lebenslust und Todesahnung spielen werden.</p>
<p>Traurige Lieder aus Lappland verspricht <strong>„Nordkvark“</strong> für den 27. Januar. Was so skandinavisch klingt, ist in Wahrheit von deutscher Natur, daher werden die traurigen Lieder und der langsame Slapstick der müden, melancholischen Musiker auch nicht so ganz erst zu nehmen sein. „Muzik als Theater“ bringt das Trio <strong>„Ars Vitalis“</strong> am 29. Januar in den „Schwarzen Adler“. Es verbindet dabei Performance, musikalischen Zunder, bizarre Anekdoten und groteske Tanzeinlagen.</p>
<p>Gleich mehrere Heimatabende hat das <strong>11. Freiburg Grenzenlos Festival </strong>im Angebot. Unter dem Motto „Dreiländerdreck“ treten Thomas C. Breuer, Klaus Spürkel und Jean-Marie Hummel an, die Region am 3. Februar eingehend unter die Lupe zu nehmen.</p>
<p>Am 31. Januar wird im Jazzhaus der 4. Internationale Heimatabend gefeiert mit „Diese  wunderbare Band“  und  den Gästen Karl-Heinz Ott und Stefan Pflaum. Wenn es am 29. Januar heißt „Hohler trifft Hebel“, könnte es zu einer Hommage der besonderen Art kommen. Anlässlich des 250. Geburtstages von Johann Peter Hebel inszeniert der Autor Franz Hohler ein Treffen zwischen dem alemannischen Dichter und sich selbst.</p>
<p>Aber natürlich ist auch Kabarett und Comedy der Extraklasse vertreten, unter anderem sind zu Gast <strong>Ringlstetter vs. Eure Mütter</strong> (26. Januar), <strong>Lilo Wanders</strong> (5. Februar) und <strong>Severin Groebner </strong>(5. Februar).</p>
<p><strong>Das 11. Freiburg Grenzenlos Festival findet vom 25. Januar bis 6. Februar statt. </strong><br />
Alle Termine unter <a href="http://www.freiburg-grenzenlos-festival.de" target="_blank">www.freiburg-grenzenlos-festival.de</a></p>
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		<title>Abenteurer und Forschungsreisender</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 11:41:03 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der in München lebende Österreicher Bruno Baumann gehört zu den seltenen Exemplaren der Spezies Mensch, die von der breiten Masse – zumeist mit einer Mischung aus Neid und Hochachtung – als Grenzgänger bezeichnet werden. Dafür steht unter anderem die Durchquerung des sandigen Herzstücks der Wüste Gobi, die er 2003 als erster Mensch im Alleingang bewerkstelligte&#8230;
Seinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_451" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-451" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2010/01/bruno-baumann.jpg" alt="Bruno Baumann: Schriftsteller, Filmemacher und Abenteurer" width="500" height="228" /><p class="wp-caption-text">Bruno Baumann: Schriftsteller, Filmemacher und Abenteurer</p></div>
<p>Der in München lebende Österreicher <strong>Bruno Baumann</strong> gehört zu den seltenen Exemplaren der Spezies Mensch, die von der breiten Masse – zumeist mit einer Mischung aus Neid und Hochachtung – als Grenzgänger bezeichnet werden. Dafür steht unter anderem die Durchquerung des sandigen Herzstücks der Wüste Gobi, die er 2003 als erster Mensch im Alleingang bewerkstelligte&#8230;<span id="more-449"></span></p>
<p>Seinen Ruf als Abenteurer und Forschungsreisender untermauerte Baumann mit zahlreichen anderen Unternehmungen wie der Durchquerung der Wüste Takla Makan in China (1989), Erstbesteigungen im Tibesti-Gebirge im Tschad (1993), einer Transhimalaya-Überquerung (1997) oder der Erstbefahrung des Sutley-Canyons in Tibet mit Wildwasserschlauchbooten (2004). Durch Bücher, Filme und Vorträge bietet er dem  Publikum die Möglichkeit, an seinen Erlebnissen teilzuhaben. So auch in Freiburg, wo Bruno Baumann am 7. Februar mit seinem Diavortrag „Asien – Auf den Spuren des Buddha“ im Rahmen der Mundologia zu sehen sein wird. Claus Weissbarth sprach mit Bruno Baumann.</p>
<p><strong>Kultur Joker:</strong> Herr Baumann, wenn man sich mit ihrer Vita beschäftigt, fällt auf, dass es Ihnen vor allem die Wüsten angetan haben. Was fasziniert Sie an diesen kargen, lebensfeindlichen Landschaften?</p>
<p><strong>Baumann:</strong> Am Anfang hat mich das auch nicht unbedingt fasziniert. Ich komme ja aus einer Vorzugslage, wo das Wasser aus der Leitung kommt, daher war die Wüste für mich zunächst nur ein Synonym für Durst, Schwitzen und quälende Entbehrungen. Das hat sich Mitte der 80er-Jahre radikal geändert, als ich erstmals am Rande der Flugsandwüste Takla Makan stand, die sich mit dem einladenden Zusatz schmückt: „Wer einmal hineingeht, wird nie mehr zurückkehren“. Diesen Satz empfand ich als Aufforderung und wollte wissen, welche emotionalen und sinnlichen Erfahrungen einen erwarten, wenn man sich einem solchen Sandkasten für Erwachsene aussetzt. Wüsten sind ganz besondere Naturlandschaften, wo es zum Beispiel die Qualität der Stille gibt, die man sonst in keiner anderen Naturlandschaft findet. Man kann ohne jede Störung Gedankenketten fortspinnen und ich habe sehr schnell begriffen, dass die Wüste ein Ort der Reflektion ist. Nicht zufällig sind Propheten früher in die Wüste gegangen, um sich selbst zu erfahren und kosmische Gesetzmäßigkeiten zu erkennen.</p>
<p><strong>Kultur Joker:</strong> Ihre Grenzgänge stehen ja auch in Zusammenhang mit einem gewissen Forscherdrang. Was gibt es denn in den Wüsten zu entdecken außer Unmengen von Sand?</p>
<p><strong>Baumann:</strong> Eine ganze Menge, denn der Sand hat nicht nur eine alles verschlingende, sondern auch eine unglaublich konservierende Kraft. Wir würden heute von vielen großen Kulturen nichts wissen, hätte der Sand sie nicht konserviert. Das ist in  Ägypten ebenso der Fall wie in den großen zentralasiatischen Wüsten, wo sich unter anderem die Spuren der antiken Seidenstraße finden.</p>
<p><strong>Kultur Joker:</strong> Bei ihren Abenteuern versuchen Sie auch, immer wieder Grenzen zu überwinden, Dinge zu tun, die vor Ihnen noch niemand geschafft hat. Aus welcher Motivation heraus begeben Sie sich freiwillig in Situationen, die im Extremfall durchaus lebensgefährlich sein können?</p>
<p><strong>Baumann:</strong> Aus dem Bewusstsein heraus, dass sich über einen solchen Umweg Erfahrungen machen lassen, die man in einer Komfortzone wie der unseren nicht so einfach machen kann. Wir Menschen sind ja so strukturiert, dass wir unser Potenzial nur dann abrufen, wenn wir unbedingt müssen. Bei meinem Alleingang durch die Wüste Gobi habe ich tatsächlich Grenzen überschritten, aber das war ein ganz bewusster Schritt. Denn Leben heißt nicht nur nehmen, sondern auch geben. Und wenn man einzigartige Lebenserfahrungen machen will, dann funktioniert das nur, wenn man auf gewisse Sicherheiten verzichtet.</p>
<p><strong>Kultur Joker:</strong> Überspitzt gesagt, könnte man Sie aber auch als lebensmüde bezeichnen&#8230;</p>
<p><strong>Baumann:</strong> &#8230;aber nur, wenn man es aus einem sehr begrenzten Blickwinkel betrachtet. Ich habe mich ganz langsam über einen Zeitraum von 20 Jahren an diese Grenzen herangetastet, ehe ich den Schritt darüber hinaus gewagt habe. Irgendwie macht das jeder in seinem Leben, denn sonst würde man ja nichts dazulernen. Der Unterschied bestand in meinem Fall darin, dass ich mich in eine Zone begab, die mich existenziell bedrohte. Aber dieses Risiko musste ich eingehen, um ein einziges Mal in meinem Leben alle mir zur Verfügung stehenden Fähigkeiten in der Gleichzeitigkeit leben zu können. Das ist eine fantastische Erfahrung, die mich zeitlebens begleitet und mir Gewissheit darüber gibt, über welche Potenziale ich für den Fall der Fälle verfüge.</p>
<p><strong>Kultur Joker: </strong>Welche konkreten Auswirkungen hat ein derart ungewöhnlicher Erfahrungsschatz auf ihre grundsätzliche Einstellung zum Leben?</p>
<p><strong>Baumann:</strong> Die sind durchaus vielfältig. Zum Beispiel in Bezug auf das Thema Wasser, wobei zu viel ebenso ein Problem darstellt wie zu wenig. In der Wüste beschäftigt man sich damit nicht nur auf intellektueller Ebene, sondern begibt sich quasi auf einen Selbsterfahrungstrip, der sich weitaus nachhaltiger auswirkt. Gerade in einer Situation des Mangels wird klar, welche Dinge essentielle Bedeutung haben und was weniger wichtig ist. Dinge, die wir eigentlich als selbstverständlich erachten, bekommen so einen ganz anderen Stellenwert. Es bleiben auch Qualitäten wie die Geistesgegenwart, das Bewusstsein, sich im Hier und Jetzt zu bewegen, denn die Gegenwart begründet die Zukunft und nicht umgekehrt. Oder auch die Erkenntnis bezüglich unserer emotionalen Intelligenz – einer Wissensquelle, die ursprünglich jeder von uns hatte, die wir aber wie ein nutzlos gewordenes Organ abgeworfen haben. Wir sind zwar Weltmeister im logischen und analytischen Denken, aber darüber hinaus ist uns die Intuition verloren gegangen, ohne die man in der Wüste nicht überleben kann.</p>
<p><strong>Kultur Joker: </strong>Letzten Endes geht es Ihnen nicht allein um das reine Abenteuer. Was wollen Sie ihren Lesern und Zuhörern mit ihren Büchern, Vorträgen und Filmen vermitteln?</p>
<p><strong>Baumann: </strong>Vor allem eine gewisse Wertschätzung für die Natur und die wenigen Freiräume, die es auf der Erde noch gibt. Daneben geht es mir sehr stark um die kulturelle Ebene. Ich begreife mich ein wenig als Kultur-Botschafter und versuche zwischen den Welten zu vermitteln.</p>
<p><strong>Kultur Joker:</strong> Bei ihrem Vortrag in Freiburg begeben Sie sich auf die Spuren des Buddhismus. Welche Beziehung haben Sie im Lauf der vergangenen Jahrzehnte zur Lehre Buddhas entwickelt?</p>
<p><strong>Baumann:</strong> Ich bin nicht zum Buddhismus konvertiert, aber der historische Buddha als Mensch – nicht als über dem Boden schwebender Heiliger – hat mich interessiert. Ich wollte wissen, was dieser Mann vor 2.500 Jahren gedacht hat, was innovativ an seinem Denken war und was dazu geführt hat, dass seine Lehren auch heute noch als geistige Orientierung dienen. Bei meinen extremen Erlebnissen, vor allem in der Wüste, hatte ich mehrfach das Gefühl, dass ich mit bestimmten Einsichten des Buddha in sehr eindringlicher Weise in Berührung geriet. Besonders in puncto Selbsterkenntnis oder der radikalen Forderung nach Selbstverantwortung. Dadurch ist meine Wertschätzung für die buddhistische Ethik, die in der Einschätzung gründet, dass all unsere Handlungen unmittelbare Auswirkungen auf Dritte haben, enorm gestiegen. Was passiert, wenn man dies nicht beachtet, kann man ganz aktuell an der momentanen Wirtschaftskrise ablesen. Da verlieren Menschen ihren Job, obwohl sie mit den Bankern, die die Krise verursacht haben, rein gar nichts tun haben.</p>
<p><strong>Kultur Joker:</strong> Glauben und Religion nehmen nicht nur in Tibet, sondern im gesamten asiatischen Raum ja einen ganz anderen Stellenwert als in unserer materiell geprägten Gesellschaft ein&#8230;</p>
<p><strong>Baumann:</strong> &#8230;wo der Glauben zu einer Art Buchhaltung der Seele verkommen ist und nur noch als Ritual betrieben wird. Dagegen ist die Qualität des Glaubens in Asien eine ganz andere und steht in untrennbarer Verbindung mit dem Alltag. Verbote und Unterdrückung führen dazu, dass die Orientierung an der Religion sogar noch stärker wird.</p>
<p><strong>Kultur Joker:</strong> Würden Sie sagen, dass die Menschen im Buddhismus glücklicher leben, als der durchschnittliche Westeuropäer?</p>
<p><strong>Baumann: </strong>Je weniger Bedürfnisse ein Mensch hat, desto häufiger gelingt es ihm, all seine Bedürfnisse zu erfüllen und dadurch glücklicher und zufriedener zu sein. Bei uns gibt es ja eine ganze Industrie, die nur dazu da ist, möglichst viele Bedürfnisse zu schüren. Von daher haben Menschen mit weniger Bedürfnissen grundsätzlich einen Vorteil gegenüber jenen, die sich diesbezüglich am westlichen Standard orientieren.</p>
<p><strong>Kultur Joker: </strong>In ihrem Vortrag „Asien – Auf den Spuren des Buddha“ zeichnen Sie ein Bild der Gegenwart im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Können Sie dieses Bild konkretisieren?</p>
<p><strong>Baumann: </strong>Damit umzugehen, bildet für viele asiatische Völker die ganz große Herausforderung unserer Zeit. Zwar haben sich auch dort im Lauf der Jahrhunderte Veränderungen ergeben, jedoch viel langsamer als bei uns. Seit ca. 50 Jahren kommt nun in rasender Geschwindigkeit die Moderne und wirft ganz neue Fragen auf, die sich auf traditionelle Art und Weise nicht beantworten lassen. Deshalb müssen sie eine neue Synthese finden, die Tradition und Kultur mit der Moderne vereint.</p>
<p><strong>Kultur Joker:</strong> Eines ihrer Hauptanliegen besteht darin, den Dialog zwischen den Kulturen zu intensivieren. Vor diesem Hintergrund haben Sie das Projekt „Roads of Dialogue – Silkroad Project 2010“ ins Leben gerufen, das sich auf den multikulturellen Geist der Seidenstraße bezieht. Welche Hoffnungen sind damit verbunden?</p>
<p><strong>Baumann:</strong> An diesem Dialog führt gar kein Weg vorbei, weil ihn schon die globalen Probleme der Menschheit einfordern. Fortschritte, beispielsweise bei Maßnahmen gegen den Klimawandel, lassen sich nur erzielen, wenn alle Länder gemeinsam vorgehen. Denn globale Probleme, dazu zähle ich auch die vielen religiösen Konflikte, lassen sich logischerweise nur auf globaler Ebene lösen.</p>
<p><strong>Kultur Joker:</strong> Sie äußern die Hoffnung, dass eine neue Seidenstraße als Verbindungsstrang zwischen Europa und Asien entstehen könnte.</p>
<p><strong>Baumann: </strong>Mich interessiert vor allem die Frage, ob die antike Seidenstraße Schnee von gestern ist, oder ob es da auch Dinge gibt, die für uns heute noch große Relevanz haben könnten. Wenn man die Seidenstraße aus einer modernen Sichtweise heraus neu interpretiert, kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass sie das erste Beispiel von Globalisierung auf diesem Planeten war. Immerhin begegneten sich dort vor 2.000 Jahren alle damaligen Weltkulturen von der mediterranen über die griechisch-römische und persische bis hin zur indischen und chinesischen. Es wurde  ein Austausch betrieben, der sehr befruchtend und von Inspiration geprägt war, sodass letzten Endes alle Beteiligten einen Mehrwert davontrugen.<br />
Demgegenüber stellt sich die Frage, warum die moderne Globalisierung diesen Mehrwert nicht liefert und so vielen Menschen zurecht Angst macht. Und wenn man noch genauer hinschaut, erkennt man, dass der Austausch auf der Seidenstraße weit über den Handel hinausging und auch die kulturelle wie die religiöse Ebene einbezogen waren, während sich der Austausch heutzutage einzig und allein auf die Ökonomie begrenzt. Daher war der Dialog damals weitaus umfassender und nachhaltiger als in der heutigen Zeit. Religiöse Konflikte und kulturelle Zusammenbrüche ließen sich so eindämmen oder gar völlig vermeiden.</p>
<p><strong>Kultur Joker:</strong> Welche konkreten Aktivitäten sind geplant, um dieses Ansinnen publik zu machen?</p>
<p><strong>Baumann:</strong> Im neuen Jahr wird sich in einer spektakulären Aktion eine internationale Kulturkarawane, bestehend aus Künstlern, Sportlern und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, von Hamburg aus Richtung Shanghai aufmachen, um diesen Dialog nicht nur intern, sondern auch an diversen externen Schauplätzen vorzuleben. Endpunkt ist die Expo Shanghai, die größte Weltausstellung, die es je gegeben hat, wo unter anderem „der interkulturelle Dialog als Herausforderung und Chance in der Gegenwart“ zu den wichtigen Themen zählt. Dort wollen wir uns einbringen und Zeichen setzen, auch wenn wir wissen, dass wir die Welt nicht verändern können.</p>
<p><strong>Kultur Joker: </strong>Herr Baumann, vielen Dank für das Gespräch&#8230;</p>
<p><strong>Auf der Mundologia gastiert Bruno Baumann am:<br />
7. Februar, 16 Uhr, Konzerthaus Freiburg.</strong></p>
<p><strong>Karten und Infos: <a href="http://www.mundologia.de" target="_blank">www.mundologia.de</a></strong></p>
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		<title>Voralpen- und andere Helden</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 12:22:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tanz]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein angeschnittenes Testbild steht dem neuen Saisonprogramm des Theater Basel voran. So als ob Theater in der Sendepause des Fernsehens stattfände. Entworfen wurde das neue Programmheft von Studierenden der Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz. Eine durchaus programmatische Kooperation, schließlich will Georges Delnon der jungen Generation in der Saison 2009/10 angesichts der gesellschaftlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_434" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><img class="size-full wp-image-434" title="Das Theater Basel in der Spielzeit 2009/10" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/09/aswanlake009_q_web.jpg" alt="Das Theater Basel in der Spielzeit 2009/10" width="450" height="300" /><p class="wp-caption-text">Schwanensee - Das Theater Basel in der Spielzeit 2009/10</p></div>
<p style="text-align: left;">Ein angeschnittenes Testbild steht dem neuen Saisonprogramm des Theater Basel voran. So als ob Theater in der Sendepause des Fernsehens stattfände. Entworfen wurde das neue Programmheft von Studierenden der Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz. Eine durchaus programmatische Kooperation, schließlich will Georges Delnon der jungen Generation in der Saison 2009/10 angesichts der gesellschaftlichen und politischen Umbrüche Stimme und Raum im Basler Theater geben: „Großzügig. Ihnen die Chance einräumen, es besser zu machen oder treffender gesagt, anders zu scheitern“, soweit seine Begrüßungsworte.</p>
<p style="text-align: left;"><span id="more-432"></span></p>
<p style="text-align: left;">In der Oper jedoch, auf der Delnons eigentliches Augenmerk liegt, war wohl kein Raum. Viele alte Meister werden an dieser Spielzeit mitwirken. So wird Wolfgang Rihms Musiktheater „Drei Frauen“ zu sehen sein, bei dem der Basler Intendant selbst Regie führen wird. Auch wenn der (Arbeits)Titel ein wenig in die Irre führt, Rihms „Drei Frauen“ gehen nicht auf Robert Musil zurück, der Komponist hat vielmehr Szenen aus Werken von Nietzsche, Botho Strauss und Heinrich von Kleist zusammengeführt, die das weibliche Opfer in den Mittelpunkt stellen. Um dieses geht es auch in Giacomo Puccinis Tragödie „Madame Butterfly“. Mit der Inszenierung der 1970 geborenen Jetske Mijnssen wird das Theater Basel auch in die neue Saison starten. „La Grande-Duchesse de Gérolstein“ kreist zwar auch um die Tragik einer verlassenen Frau, doch ironisiert es das Thema und zeigt zugleich eine Phase des gesellschaftlichen Übergangs. Christoph Marthaler kehrt an das Theater Basel zurück, um Offenbachs Operette zu inszenieren. Tatsächlich gibt es eine Art Marthaler-Schwerpunkt in dieser Saison, wird er doch auch „Wüstenbuch“ nach einem Libretto von Beat Furrer und Händl Klaus einrichten und auch im Schauspiel ist er präsent, wenn auch nur in der Musik in Nikola Weisses Weihnachtsfarce „Der Messias“, die 1988 in Basel uraufgeführt wurde.</p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;">Ein Wiedersehen wird es auch mit der Ästhetik von Calixto Bieito geben, der nach Alan Bergs „Lulu“ in der kommenden Spielzeit „Aus einem Totenhaus“ von Leos Janacek auf die Große Bühne bringen wird. Leichtere Kost versprechen die Regiearbeiten von Tom Ryser, dessen bisherige Inszenierungen „Hair“ und „Sekretärinnen“ wiederaufgenommen werden, sein neuester Liederabend feiert ein untergegangenes Basel, in dem aber noch gesungen und getanzt wird. So schlimm kann es also nicht werden. Ein Musiktheaterprojekt mit dem Opernstudio OperAvenir wird von Jurate Vansk inszeniert, während Elmar Goerden, Intendant von Bochum, Mozarts „Le Nozze di Figaro“ und Jan Bosse das mythologische Verwirrspiel „La Calisto“ einrichten werden. Seine Inszenierung des „L’Orfeo“ wird ebenfalls eine Wiederaufnahme erleben. Musikalisch bildet die konzertante Aufführung von Verdis „Messa da Requiem“ den Abschluss der Saison.</p>
<p style="text-align: left;">Das Schauspiel befasst sich unter dem Stichwort der „splendid isolation“ mit der Schweiz als Utopie. Doch allzu national wird das Thema nicht aufgegriffen. So wird Schauspieldirektor Elias Perrig Tracy Letts klaustrophobisches Drama „Eine Familie“ inszenieren, das wohl auch als Zustandsbeschreibung der USA verstanden werden kann und Margareth Obexer greift in „Das Geisterschiff“ das Unglück von 300 afrikanischen Flüchtlingen auf, die 1996 vor Sizilien kenterten. Ein Stoff für ein antikes Drama wie die „Herakles-Trilogie“ von Armin Petras nach Euripides und Sophokles.</p>
<p style="text-align: left;">Neben Marcel Luxingers Voralpen-Heldenstoff „Tell the truth“ sowie dem Liederabend von Peter Licht „Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends“ und der skandinavischen Misanthropie nach Matias Faldbakkens „Final Girl“ steht aber auch viel klassischer Theaterstoff auf dem Spielplan. Etwa Ionescos „Die kahle Sängerin“, die vom ehemaligen Leiter des Theater Basel Werner Düggelin inszeniert wird und Schillers „Räuber“ sowie Shakespeares „Richard III“, bei dem Michael Simon Regie führt. Als Schweizer Erstaufführung wird die Interpretation Alexander Nerlichs von Robert Woelfls „Jekyll und Hyde“ auf der Kleinen Bühne zu sehen sein und auch Dennis Kellys „DNA“ – Elias Perrig wird es mit Jugendlichen und dem Ensemble einstudieren – wurde bislang noch nicht in der Schweiz gespielt. „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ verspricht die Regiearbeit von Corinna von Rad nach einem Roman von Christian Kracht. Als Weihnachtsmärchen gibt man in Basel Wilhelm Hauffs „Das kalte Herz“, was Marguerite Duras und Yann Andrea Steiner, die im Mittelpunkt von „Falsche Namen“ stehen, ganz gewiss nicht haben. Für das Frühjahr ist eine Stadtraumintervention mit Hofmann &amp; Lindholm geplant.<br />
In die Stadt hat sich auch Richard Wherlock mit dem Abend „Milk and Honey“ aufgemacht, an dem der Basler Jazzmusiker George Gruntz und die Sängerin Erika Stucky beteiligt sind. Große Stoffe greift der Leiter des Balletts Basel mit „Carmen“ und seiner Choreografie „Swan Lake“ auf, die bereits in der letzten Saison zu sehen war. Die neue Tanz-Spielzeit eröffnet jedoch der Abend „Crescendi“, der aus drei verschiedenen Stücken besteht, die Richard Wherlock, Johan Inger und Rami Be’er choreografiert haben.</p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;">Beginn der Spielzeit: 10. September.<br />
<a href="http://www.theater-basel.ch" target="_blank">Infos: www.theater-basel.ch</a><br />
<em></em></p>
<p style="text-align: left;"><em>Annette Hoffmann</em></p>
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		<title>Menschen und Musik aus zwölf Jahrhunderten</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 14:53:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Vom 18.-20. September wird sich die historische Altstadt in ein „Geschichtsbuch zum Durchlaufen“ verwandeln, wenn an verschiedenen Plätzen Szenen aus der facettenreichen Geschichte der Stadt liebevoll und spannend inszeniert werden. Die ganze Stadt präsentiert sich als eine große Theaterbühne und verzaubert mit über 400 Mitwirkenden in historischen Kostümen aus verschiedenen Epochen in einer einzigartigen Atmosphäre die Besucher. Kanonendonner, Trommeln, Fackeln, mittelalterliche Musik, Ritterkämpfe, Revolutionäre, Lagerleben, ein historischer Markt, Menschen und Tiere wie anno dazumal und vieles mehr begleiten den staunenden Besucher auf einer außergewöhnlichen Reise durch die Jahrhunderte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;">
<div id="attachment_410" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><img class="size-full wp-image-410" title="stages_ritterkampfe" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/09/stages_ritterkampfe.jpg" alt="stages_ritterkampfe" width="450" height="282" /><p class="wp-caption-text">Historienspektakel STAGES – die Staufener Zeitreise vom 18.-20. September</p></div>
<p style="text-align: center;">
<p>Trotz der bedrohlichen Risse in der Altstadt, die seit Monaten Staufen immer wieder in die Schlagzeilen der internationalen Presse setzen, wird es auch 2009 eine <strong>Staufener Zeitreise</strong> geben. Vom 18.-20. September wird sich die historische Altstadt in ein „<strong>Geschichtsbuch zum Durchlaufen</strong>“ verwandeln, wenn an verschiedenen Plätzen Szenen aus der facettenreichen Geschichte der Stadt liebevoll und spannend inszeniert werden.</p>
<p><span id="more-382"></span></p>
<p>Die ganze Stadt präsentiert sich als eine große Theaterbühne und verzaubert mit über 400 Mitwirkenden in <strong>historischen Kostümen</strong> aus verschiedenen Epochen in einer einzigartigen Atmosphäre die Besucher. Kanonendonner, Trommeln, Fackeln, mittelalterliche Musik, <strong>Ritterkämpfe</strong>, Revolutionäre, Lagerleben, ein historischer Markt, Menschen und Tiere wie anno dazumal und vieles mehr begleiten den staunenden Besucher auf einer außergewöhnlichen Reise durch die Jahrhunderte.</p>
<p>Auch im siebten Jahr erwartet der Veranstalter FAUST e.V. wieder an die 20.000 Besucher bei den STAGES. „Die Risse in der historischen Gebäudesubstanz der Staufener Altstadt sind sehr tragisch, haben aber auch letztendlich die Staufener Einwohnerschaft dafür sensibilisiert, wie unschätzbar wertvoll doch das einzigartige historische Erbe dieser Stadt über die Jahrhunderte hinweg für die Stadt und ihre Menschen ist“, berichtet Andy Müller, der Regisseur und geistige Vater des faszinierenden Historienspektakels.</p>
<p>Es gibt ein Wiedersehen mit beliebten und schon traditionsreichen Elementen der vergangenen Staufener Zeitreisen wie die Schule anno dazumal, die <strong>Geschichte der Herren von Staufen</strong> und ihren Wappen am Rathaus. Gespannt darf man sich auf die Fortführung der lustigen Geschichte der Ritter von Staufen freuen oder auf den zauberhaften historischen Bauernhof und vieles mehr. Es wird wieder Ritterkämpfe geben und einen Einblick in das Leben im Spital von anno dazumal sowie die Arbeit der Flößer am Neumagen.</p>
<p>„Freuen können sich die Besucher wieder auf unseren abendlichen Höhepunkt am Samstag, einen historischen Zug bei Fackelschein durch die abgedunkelte Staufener Altstadt mit anschließendem Tanz und Modenschau durch die Jahrhunderte“ verrät Andy Müller, der auch für die siebte Zeitreise der Staufener Bürgerschaft durch jahrhundertealte Stadtgeschichten, Landrätin Dorothea Störr-Ritter als Schirmherrin begeistern konnte.</p>
<p>Auch <strong>Mephisto und Faust</strong> werden wieder in der Geschichte um „Faustens Tod“, der sich in diesem Jahr übrigens zum 470. Mal jährt, im bunten Treiben durch die Jahrhunderte in der Altstadt zu sehen sein.</p>
<div id="attachment_403" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/09/stages_2009-09.jpg"><img class="size-large wp-image-403" title="stages_2009-09" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/09/stages_2009-09-696x600.jpg" alt="stages_2009-09" width="450" height="389" /></a><p class="wp-caption-text">Der Vorverkauf für den „Wegezoll“ läuft ab Ende August in verschiedenen Staufener Geschäften. Infos: www.stages-staufen.de.</p></div>
<p><a href="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/09/stages_2009-092.jpg"><br />
</a></p>
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		<title>Traditionelle Handwerkskunst: Hafner-Keramik</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Mar 2009 13:15:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Elsass]]></category>
		<category><![CDATA[Hafner Keramik]]></category>
		<category><![CDATA[Haguenau]]></category>
		<category><![CDATA[Handwerkskunst]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Menschengedenken werden aus Erde Gefäße gefertigt, weniger als Kunstgegenstände, sondern vielmehr, um darin Nahrungsmittel aufzubewahren oder zuzubereiten. Dies gilt auch für die mittlerweile kunstvoll verzierte Hafner-Keramik aus dem nördlichen Elsass. Dieses prachtvolle, bäuerliche Bedarfsgeschirr, wird auch heute noch hauptsächlich aus Lehm des Haguenauer Forsts produziert, der sich durch Feuerfestigkeit auszeichnet.
In einer Legende heißt es, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_374" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-374" title="Hafner Keramik" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/keramik-overliner.jpg" alt="Kunstvoll und mit klassischen Motiven verzierte Hafner Keramik." width="500" height="221" /><p class="wp-caption-text">Kunstvoll und mit klassischen Motiven verzierte Hafner Keramik.</p></div>
<p>Seit Menschengedenken werden aus Erde Gefäße gefertigt, weniger als Kunstgegenstände, sondern vielmehr, um darin Nahrungsmittel aufzubewahren oder zuzubereiten. Dies gilt auch für die mittlerweile <strong>kunstvoll verzierte Hafner-Keramik</strong> aus dem nördlichen Elsass. Dieses prachtvolle, bäuerliche Bedarfsgeschirr, wird auch heute noch hauptsächlich aus Lehm des Haguenauer Forsts produziert, der sich durch Feuerfestigkeit auszeichnet.<span id="more-373"></span></p>
<p>In einer Legende heißt es, dass ein Töpfer seinerzeit <strong>Kaiser Barbarossa</strong> das Leben rettete (jener wurde von einer Wildsau angegriffen) und sich Kaiser Barbarossa daraufhin erkenntlich zeigen wollte, indem er den elsässischen Bauern erlaubte, Lehm aus dem Haguenauer Forst für ihre Töpferarbeiten abzubauen.</p>
<div id="attachment_376" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-376" title="Hafner Keramik aus dem Elsass" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/keramik-2.jpg" alt="Koejelhopfform, Baeckeoffe, Milichhafe und andere Hafner Keramiken" width="500" height="454" /><p class="wp-caption-text">Koejelhopfform, Baeckeoffe, Milichhafe und andere Hafner Keramiken</p></div>
<p>Hafner Keramik ist das häufigst anzutreffende elsässische Töpferprodukt. Die Keramik wird mit etwa 1000° C gebrannt und mit einer dekorativen Bemalung versehen. Zuerst wird Lehm auf einer Drehscheibe geformt und danach mehrere Tage getrocknet. Die Herstellung des vielfarbigen Dekors erfolgt in mehreren Etappen. Durch das Eintauchen in die Engobe, entsteht die Grundfarbe &#8211; danach wird das Dekor aufgetragen. Traditionelle Verzierungen sind Margeritten, Vögel, Blumen und Punktmuster. Die Tonware wird anschließend mit einer <strong>bleifreien Glasur</strong> überzogen. Nach jeder Etappe wird die Keramik getrocknet, bis sie letztendlich gebrannt wird. Eine aufwendige Angelegenheit.</p>
<div id="attachment_377" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-377" title="Elsässer Keramik" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/keramik-3.jpg" alt="Elsässer Keramik - Kaffee Geschirr" width="500" height="445" /><p class="wp-caption-text">Elsässer Keramik - Kaffee Geschirr</p></div>
<p style="text-align: center;">
<p>Noch heute kennt man die klassischen Keramiken: „<strong>Milichhafe</strong>“, die „<strong>Terrine</strong>“, in der der Elsässer so gerne seinen „Baeckeoffe“ backt, die „<strong>Koejelhopfform</strong>“ oder die „<strong>Oschterhaseform</strong>“.</p>
<blockquote><p><strong>Auf dem Freiburger Markt kann man an der Südseite des Münsters einen Stand bewundern, an dem die traditionelle Hafner-Keramik vertrieben wird.</strong></p></blockquote>
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		<title>Twitterfans verärgert über Artikel von Dr. Satori</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Mar 2009 10:34:12 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wegen der hohen Anzahl fröhlich zwitschernder Twitter-Fans, die meinen Artikel &#8220;Twitter &#8211; Digitale Volksverblödung garantiert&#8220; als Stoß in ihr pro Minute 140 x pochendes Herz empfanden, gibt es an dieser Stelle einen Nachtrag (oder sollte man besser Nachschlag sagen?) von Dr. Satori (Satiriker, Kabarettist und Betreiber des Satiremagazins &#8220;Pseudolus&#8221;)&#8230;
Vorab sei erwähnt, dass mein Beitrag in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_350" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-350" title="Treffer!" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/twittergockel.jpg" alt="Treffer!" width="500" height="152" /><p class="wp-caption-text">Wurde der Twitter-Vogel von Doktor Satori abgeschossen?</p></div>
<p>Wegen der hohen Anzahl fröhlich zwitschernder Twitter-Fans, die meinen Artikel <strong>&#8220;<a href="http://www.kulturjoker.de/index.php/314/twitter-youtube-myspace-facebook" target="_self">Twitter &#8211; Digitale Volksverblödung garantiert</a>&#8220;</strong> als Stoß in ihr pro Minute 140 x pochendes Herz empfanden, gibt es an dieser Stelle einen Nachtrag (oder sollte man besser Nachschlag sagen?) von Dr. Satori (Satiriker, Kabarettist und Betreiber des Satiremagazins &#8220;Pseudolus&#8221;)&#8230;<span id="more-347"></span></p>
<p>Vorab sei erwähnt, dass <a href="http://www.kulturjoker.de/index.php/314/twitter-youtube-myspace-facebook" target="_self">mein Beitrag</a> in erster Linie satirischer Natur war. Dies wurde von den Kommentatoren wohl absichtlich übersehen. Die Personen, welche bemerkten, dass es sich um Satire handelte, meinten oftmals, dass es schlechte Satire sei, da sie nicht lachen mussten.</p>
<p>Man kann über Satire lachen, man muss es aber nicht. Satire hat nicht die Funktion, Personen zu humorisieren. Dafür sind Oliver Pocher, Mario Barth und Florian Silbereisen zuständig. Ich ganz bestimmt nicht. Ein satirischer Beitrag wurde früher auch als &#8220;Spottschrift&#8221; oder  &#8220;Spottdichtung&#8221; bezeichnet, die (u.a.) gesellschaftliche Missstände aufzeigt. Satire kann polemisch, aggressiv, persiflierend, einseitig und/oder parteilich sein. Ebenso kann Satire die Absicht enthalten, belehren zu wollen &#8211; freilich ohne Anspruch darauf, dass die Belehrung einer allgemein gültigen Moral entspricht. Satire greift an.</p>
<p>Die angegriffenen Personen empfinden diese Agitation meist nicht als sonderlich angenehm &#8211; so auch in diesem Falle. Wenn das Wort &#8220;Satire&#8221; fällt, wird es oftmals mit den Personen Ephraim Kishon und Loriot in Verbindung gebracht. Selbige schrieben  hervorragende bürgerliche Satiren. Das ist aber nur eine verschwindend kleine Seite der satirischen Möglichkeiten.</p>
<p>Beispielsweise versteht sich Wiglaf Droste als satirischer Polemiker. Als taz-Redakteur wurde ihm die Verantwortlichkeit für die Medienseite entzogen, nachdem in der Ausgabe zum Frauentag am 8. März 1988 ein groß aufgemachter Beitrag (Der Fotofix-Fick) auf der Seite erschienen war, der mit einer in eine Vagina gestopften Banane illustriert wurde. Als freier Mitarbeiter arbeitete Wiglaf Droste weiterhin für den Verlag. Bis Ende 2006. Ab dem Zeitpunkt trennte sich Droste endgültig von dem Blatt, wegen eines Artikels über die Gesellschaft für deutsche Sprache, der von Michael Ringel abgelehnt wurde. Ringel sah darin taz-Interna angedeutet und empfahl ihm nachträglich einen Psychiater. Weder Droste noch die taz-Redaktion kommentierten den Vorgang öffentlich. Seitdem veröffentlicht Droste unregelmäßig in der &#8220;Jungen Welt&#8221;.</p>
<p>Satire ist vielfältig und kann schlecht kategorisiert werden, was bei der Leserschaft zu (gewollten) Verunsicherungen führen kann. Personen, die sich darauf beschränkt haben, mit 140 Zeichen pro Nachricht auszukommen, dürften unleich schwerere Voraussetzungen gegenüber Mehrzeichenlesern oder Mehrzeichenschreibern haben, Satire zu erkennen oder diese zu deuten. Anders sind die Kommentare einiger Twitter-Gefolgsleute nicht zu interpretieren. So schrieb mir ein gewisser &#8220;XSized&#8221; (<a href="http://www.xsized.de" target="_blank">www.xsized.de</a>) am 19.03.09 um 20:09h, dass, wer sich &#8220;Kultur&#8221; auf die Fahne schreibt, nicht mit Begriffen wie &#8220;Volksverblödung&#8221;, &#8220;Verblödungsmaschinerie&#8221;, &#8220;debile Leserschaft&#8221;, &#8220;sabbelndes Gebrabbel und Gestottere&#8221; um sich werfen dürfe.</p>
<p><strong>Doch, lieber XSized, darf man</strong>, da auch Satire eine Kultur und/oder Kunst ist, welche niemals brav  sein darf, da sie sonst niemandem auffiele.</p>
<p>XSized meinte dann noch, dass meine &#8220;<strong>unleserlich zusammengeklebten Ergüsse</strong>&#8221; nur als Trollversuch gedeutet werden könnten. Ja, hochwertgeschätzter XSized, wenn man seine Sprache auf 140 Zeichen reduziert, bekommt man im Laufe der Zeit Schwierigkeiten, umfangreichere Satzgefüge zu verstehen. Da müssen Sie sich schon bei den Twitterleuten beschweren, dass Sie nunmehr nicht mehr in der Lage sind, Sätze mit mehr als einem Nebensatz zu verstehen.</p>
<p>Der (XSizeds Meinung gemäß) &#8220;<strong>exzessive Gebrauch von Fettschrift</strong>&#8220;, missfiel dem zwitscherndem XSized ebenfalls. Dennoch meinte er abschließend, dass der Artikel ein &#8220;<strong>kultureller Gewinn</strong>&#8221; sei &#8211; nun, das klingt wiederum sehr versöhnlich.</p>
<p>Der Kommentator Casi (von <a href="http://www.zweipunktnull.org" target="_blank">www.zweipunktnull.org</a>) warf mir vor, dass ich schlecht recherchiert hätte und dadurch Hass auf ein Medium schüren würde, welches ich nicht begreifen würde. Was gibt es denn bei Twitter zu begreifen? Twitter selbst gibt auf seiner Startseite bekannt, wozu Twitter bitteschön hergenommen werden soll:</p>
<p><em>&#8220;Twitter is a service for friends, family, and co–workers to communicate and stay connected through the exchange of quick, frequent answers to one simple question: What are you doing?&#8221;</em></p>
<p>Oder sinngemäß eingedeutscht: <em>Twitter ist ein Service für Freunde, Familie und Kollegen, um zu kommunizieren und in Verbindung zu bleiben, damit die einfache und am häufigsten gestellte Frage <strong>&#8220;Was machst Du gerade?&#8221;</strong> schnell beantwortet werden kann&#8230;</em></p>
<p>Ja, dazu ist Twitter gedacht. Ein Tool für Voyeuristen und solche, die es werden wollen. In dem Blog <a href="http://www.fixmbr.de" target="_blank">www.fixmbr.de</a> traf der Artikelschreiber Chris den Nagel auf den Kopf, indem er schrieb: &#8220;Twitter ist der Höhepunkt von Belanglosigkeiten, der Höhepunkt des Seelenstriptease [...]&#8220;.</p>
<p>Twitter wird mittlerweile als Linkschleuder eingesetzt &#8211; sowohl von Zeitungen, als auch von privaten Werbebloggern. Beide mit dem Ziel, so viel &#8220;<strong>Klick-Äffchen</strong>&#8221; wie nur irgend möglich auf die eigenen Seiten zu bekommen. Anreißer sollen auf die &#8220;ach so wichtigen&#8221; Artikel hinweisen. BILD natürlich an erster Stelle.</p>
<ul>
<li>Minutenprotokoll des Winnender Amoklaufs</li>
<li>Hier wird Angelina Jolie verhaftet</li>
<li>Ich verkaufe meine Haare für 300 Euro</li>
<li>Fritzl bettelte um lebenslänglich</li>
<li>Fritzl: Der letzte Prozesstag live im Ticker</li>
<li>undsoweiterundsofort</li>
</ul>
<p>SPIEGELonline und Stern zwitschern sich ebenso einen ab und weisen alle auf die mehrfach redundanten Nachrichten hin. Dicht gefolgt von Parteiparolen der üblich verdächtigen Parteien &#8211; das Wahlkampfjahr dürfte Twitter in Deutschland zusammenbrechen lassen.</p>
<p>Zwischendurch zwitschern allerorten Werbeblogger, um auf ihre kongenialen und ebenso mehrfach redundaten Artikel ihrer Blogs aufmerksam zu machen, damit auch dort die Internet-Klickaffen auf Google-Werbung, AdSense-Banner, Affiliate-Partner, bezahlte Keywords, bezahlte Trigami-Artikel und anderweitiges Werbe-Gesülze draufklicken, damit sich die Werbeeinnahmen der Traffic-Blogger erhöhen.</p>
<p>Der Nachrichtenstress auf Twitter wird durch User_xyz dann noch verschärft, indem er seinen Gefolgsleuten mitteilt, dass er einen Amoklauf an der Hauptschule xyz in Erwägung zieht. Diese Nachricht verbreitet sich in der gesamten Twitterszene selbstverständlich in windeseile und zu <span style="color: #ff0000;"><strong>BILD</strong></span>, welche auf ihrer Online-Präsenz sofort einen Artikel darüber schreibt. Mangels Bildmaterial, wird der hauseigene Zeichner mit einem Konterfei des Amokläufers in spe beauftragt. Die Polizei stellt ein Sondereinsatzkommando zusammen und nimmt den (an einer Flasche Vodka nippelnden) Twitterer und Amokläufer in spe, sofort fest. Muss ihn aber nach einer Stunde wieder laufen lassen, da er erst 14 Jahre alt ist. Sein iPhone wird beschlagnahmt, denn damit twitterte er sich um seinen Restverstand.</p>
<p>Nun gibt es eine ganze Menge Twitter-Fans, die mit aller Gewalt beweisen wollen, was Twitter doch für eine Innovation für die Menschheit sei. Die ganze Welt könne quasi live dabei sein, wenn mal wieder ein Beinahe-Absturz eines Flugzeugs anstehe oder eine Revolution auf den Straßen von Athen eskaliere. Alles natürlich auf 140 Zeichen beschränkt. Ohne politische Hintergrundinformationen, ohne Bewegtbilder. Gleiches gilt für das Thema Krieg &#8211; z.B. in Israel. Wer kann garantieren, dass diese Informationen, die man über Kriegsgeschehen per Twitter erhält, nicht plumpe Propaganda sind? <strong>Niemand &#8211; daher ist der Lesernutzen quasi Null.</strong></p>
<p>Hochverehrte Twitterer &#8211; es ist mir vollkommen gleichgültig, ob ich um 10h oder erst um 13h darüber informiert werde, wo auf dieser vernetzten Welt gerade ein Unglück passiert. Es ist schlimm genug, dass es überhaupt passieren musste und das Leid der von dem Unglück betroffenen Menschen verringert sich um keinen Deut, wenn ich davon vielleicht früher erfahre, als seriöse Medien letztendlich darüber ausführlich berichten werden.</p>
<p>Zurück zu den Kommentatoren meines Artikels. &#8220;Michael&#8221; schrieb in seinem Kommentar, dass es auf Twitter jedem selbst überlassen sei, wem man folge. Ja, da muss ich ihm zustimmen, ich kann mir selbst aussuchen, welchem Gesabbel und Gebrabbel ich folge. Einen Monat lang habe ich mir Twitter angetan. Innerhalb dieses Monats traf ich Tausende von User, deren Gesabbel und Gebrabbel mich keineswegs interessierte. Die Zeitungen verwiesen auf ihre redundanten Artikel, Werbeblogger verstreuten Links auf ihr redundantes Geschreibsel, Firmen priesen ihre redundanten Produkte für die Twitter-User an, Schüler verwiesen auf redundante Amokläufe, SEO-Experten schleimten für redundante Blog-Optimierungs-Tipps um die Wette, Robert Basics (ehemals www.basicthinking.de) renundantes Geschwurbel nervte am meisten und zwielichtige Firmen warben für redundante Jobs, mit denen man innerhalb kürzester Zeit reich werden könne. Kurzum: Alles scheiße. Welcher Scheiße soll ich denn nun folgen?</p>
<p>&#8220;Michael&#8221; meinte dann auch noch, &#8220;dass auf Twitter jede Menge Belanglosigkeiten gezwitschert werden, aber wen das nicht interessiert, muss diese Belanglosigkeiten ja nicht lesen&#8221;. Ja, mein hochwertgeschätzter Michael, wie soll ich denn wissen, dass es sich um eine Belanglosigkeit handelt, wenn ich diese Belanglosigkeit nicht lese? Recht hat er trotzdem, denn auf Twitter ist mehr oder weniger alles belanglos &#8211; es braucht überhaupt nichts auf Twitter gelesen zu werden.</p>
<p>Twitteruser &#8220;Michael&#8221; wollte von mir dann noch wissen, wie ich zu der Behauptung käme, dass Twitter die gesammelten Daten an Dritte verkaufe. Ganz einfach, ich las einen wikipedianischen Artikel über Twitter und dort stand und steht wortwörtlich:</p>
<p><em>Twitter sammelt personenbezogene Daten seiner Benutzer und teilt sie Dritten mit. Twitter sieht diese Informationen als einen Aktivposten und behält sich das Recht vor, sie zu verkaufen, wenn die Firma den Besitzer wechselt (Auszug aus den Geschäftsbedingungen von Twitter).</em></p>
<p>Wenn &#8220;Michael&#8221; nun denkt, dass Twitter diese Daten verschenkt, so dürfte dies ziemlich naiv gedacht sein. Merkwürdig auch, dass mein speziell für Twitter angelegter Mailaccount, innerhalb kürzester Zeit mit Viagra-Mails und anderen dubiosen Angeboten verstopft war. Momentan bekomme ich zu diesem Mailaccount pro Tag cirka 200 SPAM-Mails geliefert.</p>
<p>So, meine lieben Twitterer, damit möchte ich das Thema &#8220;Twitter&#8221; auch beenden und mich wiederum den wirklich wichtigen Themen zuwenden &#8211; diese werde ich dann über Twitter bekanntgeben. Zum Schluss die letzten wichtigen Mitteilungen meiner Follower auf Twitter (nur ein klitzekleiner Auszug!):</p>
<hr size="1" /><strong>RobGreen</strong> mein Frühstück: Aspirin Complex im Wasserglas<br />
5 Minuten ago from web</p>
<p><strong>M00nica</strong> Auch wenn es mich ein wenig traurig stimmt werde ich wie immer gegen den Strom schwimmen und mir kein Mickey Maus Heft kaufen<br />
2 Minuten ago from web</p>
<p><strong>glanzbilder_org</strong> http://bit.ly/1C2cvj Passive Menschenjagd<br />
14 Minuten ago from Power Twitter</p>
<p><strong>drumbaSpiegel</strong> kann nicht mal Jamba schreiben. Echt peinlich. #Yamba #trash<br />
18 Minuten ago from twhirl</p>
<p><strong>Keabird</strong> Heute: equal pay day. Geh gleich mal zum Chef.<br />
25 Minuten ago from Tweetie</p>
<p><strong>seopunk</strong> the day starts with some real good music: http://redir.ec/good-music<br />
26 Minuten ago from TweetDeck</p>
<p><strong>baynado</strong> Der Beatbox Meister 2007 der SEO Campixx http://tinyurl.com/d6uklw<br />
32 Minuten ago from Y!GG</p>
<p><strong>QypeBerlin</strong> Bewertung zu Juwelier Lorenz GmbH (Frn) (Schöneberg, von FotoKalk): 5 von 5 Punkten Bei Lorenz ist e.. http://tinyurl.com/dgzkz5<br />
38 Minuten ago from twitterfeed</p>
<p><strong>BMOnline</strong> das Wetter macht ja richtig Laune heute&#8230;#Frühling<br />
ungefähr 1 Stunde ago from Tweetie</p>
<p><strong>sternde</strong> &#8220;Germany&#8217;s next Topmodel&#8221;: Landeier in Las Vegas: Mehr ackern statt gackern und ab und zu ein Ei legen: In der s.. http://tinyurl.com/dztm53<br />
ungefähr 1 Stunde ago from twitterfeed</p>
<p><strong>Die_Gruenen</strong> Freuen sich ueber das neue gruene.de<br />
ungefähr 1 Stunde ago from TwitterBerry</p>
<p><strong>Attac_Austria</strong> 26 Charities and Non-Profits That Tweet &#8230; http://tinyurl.com/c2jdsg<br />
ungefähr 1 Stunde ago from web</p>
<p><strong>SPIEGELONLINE</strong> Schlechte Wirtschaftslage: Finanzministerium rechnet mit anhaltendem Abschwung http://tinyurl.com/ddnp5b<br />
ungefähr 1 Stunde ago from twitterfeed</p>
<p><strong>M00nica</strong> Home alone 2&#8230;<br />
ungefähr 1 Stunde ago from web</p>
<p><strong>SPIEGELONLINE</strong> &#8220;Satiregipfel&#8221; bei der ARD: Lachmuskel auf Halbmast http://tinyurl.com/deflyq<br />
ungefähr 1 Stunde ago from twitterfeed</p>
<p><strong>gruene_frauen</strong> Die Hinweise verdichten sich, dass es heute stressig wird. Erst die Welt in Nippes retten, dann ab nach Hagen, Renade lauschen. #ldknrw09<br />
ungefähr 2 Stunden ago from web</p>
<p><strong>DieGlocke</strong> Münster: Hunde ohne Leine eine Gefahr für Schafe http://tinyurl.com/d73dz4<br />
ungefähr 2 Stunden ago from twitterfeed</p>
<p><strong>DignitariusIcon_lock</strong> Wird die Fed jetzt zur bad bank, oder ist sie es schon?<br />
ungefähr 2 Stunden ago from web</p>
<p><strong>faz_topnews</strong> Männer und Frauen: Der kleine Unterschied in der Bezahlung: In Deutschland verdienen Frauen im Durchschnitt etwa.. http://tinyurl.com/ddqzg4<br />
ungefähr 2 Stunden ago from twitterfeed</p>
<p><strong>Freetagger</strong> Geniale Müllpresse f. 80/120/240 l Mülltonne spart bis zu 50% Müllgebühren http://is.gd/o8Vm #magpie<br />
ungefähr 3 Stunden ago from web</p>
<p><strong>DieGlocke</strong> Velen: Motorradfahrer rast mit Tempo 200 auf Polizisten zu http://tinyurl.com/dybuv4<br />
ungefähr 4 Stunden ago from twitterfeed</p>
<p><strong>cashblog</strong> Guten Morgen &#8211; Snap “Rame” &#8211;&gt; http://tinyurl.com/ccn65x #Musik #Morgen<br />
ungefähr 4 Stunden ago from twhirl</p>
<p><strong>Freetagger</strong> Schnell was getrunken.<br />
ungefähr 5 Stunden ago from TwitterFon</p>
<p><strong>Rayasa</strong> gleich gehts zur frühschicht&#8230; die letzte diese woche und dann erstma 4 tage frei &lt;3<br />
ungefähr 5 Stunden ago from twhirl</p>
<p><strong>RobGreen</strong> so enuff Vegas-Watching&#8230; ins Bett erneut<br />
ungefähr 9 Stunden ago from web</p>
<hr size="1" /><strong>Sorry, mehr pack ich nicht &#8211; ich muss jetzt kotzen&#8230;</strong></p>
<p>Dr. Satori<br />
(Satiremagazin &#8220;<a href="http://www.pseudolus.de" target="_blank">Pseudolus</a>&#8220;)<strong></strong></p>
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		<title>Twitter &#8211; &#8220;Digitale Volksverblödung garantiert&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Mar 2009 21:46:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Interessiert es sie, ob in China gerade ein &#8220;Sack Reis umfällt&#8221;? Ja? Dann dürfte ihr voyeuristischer Wissensdurst die weltweit herausposaunte Mitteilung des Internet-Benutzers &#8220;RobGreen&#8221; (ehemaliger Besitzer des Blogs BasicThinking) gierig aufsaugen, welcher am 18. März 2009 um cirka 14.30h einem Millionenpublikum erklärte: &#8220;Whopper reinzischen, mampf&#8230; endlich wieder was Vernünftiges essen :))&#8221;. Benutzer &#8220;cashblog&#8221; stellte ungefähr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Interessiert es sie, ob in China gerade ein &#8220;Sack Reis umfällt&#8221;? Ja? Dann dürfte ihr voyeuristischer Wissensdurst die weltweit herausposaunte Mitteilung des Internet-Benutzers<strong> &#8220;RobGreen&#8221;</strong> (ehemaliger Besitzer des Blogs BasicThinking) gierig aufsaugen, welcher am 18. März 2009 um cirka 14.30h einem Millionenpublikum erklärte: &#8220;Whopper reinzischen, mampf&#8230; endlich wieder was Vernünftiges essen :))&#8221;. Benutzer <strong>&#8220;cashblog&#8221;</strong> stellte ungefähr zeitgleich fest: &#8220;Heute ist es wieder schön&#8230;&#8221;. Was macht Benutzerin<strong> &#8220;MOOnica&#8221;</strong> eigentlich gerade? Unverhohlen teilt sie es der ganzen &#8216;am Puls der Zeit&#8217; hängenden Internet-Welt mit: <strong>&#8220;Hardcoregeburtstagskartenwriting&#8221;</strong>. User<strong> &#8220;b_thaler&#8221;</strong> informiert alle Erdbewohner mit Internetanschluß darüber, &#8220;dass er sich jetzt einen Espresso bestellen wird, ihn aber nicht trinken wird&#8221;. Zwischendurch kleckst<strong> &#8220;cashblog&#8221;</strong>, dass sein O2-Surfstick wurderbar funzt&#8221;.<span id="more-314"></span></p>
<div id="attachment_315" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-315" title="Benutzer CashBlog auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/twitter-cashblog.gif" alt="Wie gut, dass uns Benutzer CashBlog mitteilt, dass das Wetter schön ist. Spart man sich doch somit den Blick aus dem Fenster!" width="500" height="78" /><p class="wp-caption-text">Wie gut, dass uns Benutzer CashBlog mitteilt, dass das Wetter schön ist. Spart man sich doch somit den Blick aus dem Fenster!</p></div>
<p>Falls sich die mir zugeneigte Leserschaft nun fragt, was ich mit diesem einleitenden und wirren Geschreibsel sagen möchte, kann davon ausgegangen werden, dass sie nicht wissen, was &#8220;Twitter&#8221; ist. Eventuell haben sie schon die freie und <strong>von jedem dahergelaufenen Studienabbrecher veränderbare Volksenzyklopädie &#8220;Wikipedia&#8221; </strong>mit dem Begriff &#8220;Twitter&#8221; beauftragt? Nein, noch nicht? Gut, dann werde ich das für sie tun:</p>
<p><em>[...] Twitter ist ein soziales Netzwerk und ein Mikro-Blogging-Dienst. Angemeldete Benutzer können Textnachrichten mit maximal 140 Zeichen senden und die Nachrichten anderer Benutzer empfangen. Die Nachrichten werden „Updates“ oder „Tweets“ (engl. to tweet, Deutsch zwitschern) genannt. Das soziale Netzwerk beruht darauf, dass man anderen Benutzern folgt (engl. „following“), das heißt die Updates anderer Benutzer abonniert. Benutzer, die einem Teilnehmer folgen, nennt man dessen „Follower“. Auf der Twitter-Startseite kann man Updates eingeben und die Updates der Personen, denen man folgt, chronologisch sortiert sehen. Der Absender kann entscheiden, ob er die Updates allen zur Verfügung stellen oder den Zugang auf eine Freundesgruppe beschränken will. [...]<br />
</em></p>
<div id="attachment_316" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-316" title="Rob Green auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/rob-green-1.gif" alt="Ob der geschäftstüchtige Rob Green für diese hochwichtige Mitteilung von der Frittenbudekette Burgerking eine 5-stellige Provision bekommt? Bestimmt..." width="500" height="78" /><p class="wp-caption-text">Ob der geschäftstüchtige Rob Green für diese hochwichtige Mitteilung von der Frittenbude Burgerking wohl eine 5-stellige Provision bekommt? Bestimmt...</p></div>
<p><strong>Alles klar? </strong>Wissen sie nun, was es bedeutet, über die Internetplattform &#8220;Twitter&#8221; zu &#8220;twittern&#8221;? Ich werde die wikipedianische Erklärung ein wenig umformulieren:</p>
<p>Über Twitter können sie allen Internetusern, die sich der <strong>Verblödungsmaschinerie Twitter </strong>ebenfalls angeschlossen haben, mitteilen, was sie gerade tun, denken, fühlen, meinen, etc&#8230; Möchten sie weltweit bekannt geben, dass sie soeben defloriert worden sind? Twitter bietet ihnen dafür die geeignete Plattform. Laufen sie gerade Amok? Geben sie es über Twitter bekannt, damit <strong>BILD</strong> anschließend der <strong>debilen Leserschaft</strong> ihrer Postille ein Minutenprotokoll ihres Amoklaufs veröffentlichen kann. Plagt sie gerade eine nicht enden wollende Diarrhoe? Twitter verteilt die Nachricht dieser ihrer misslichen Situation millionenfach über den gesamten Erdball und vermutlich auch an <strong>extraterrestrische Lebensformen</strong>, die sich momentan auf Raumpatrouille in unserer Galaxie befinden, um die Intelligenz der Lebewesen des Planeten Erde zu erforschen. Das Raumschiff wird jedoch seine Heimatstation niemals erreichen, da es in einer Twitter-Nachrichtenflut elendig absaufen und letztendlich versinken wird.</p>
<div id="attachment_317" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-317" title="Fudder auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/fudder.gif" alt="Selbst dem Juppi-Jappi-Flappi-Sappi-Magazin Fudder ist es nicht peinlich, bei der Hirnverblödungsmaschinerie Twitter mitzumachen." width="500" height="76" /><p class="wp-caption-text">Selbst dem Juppi-Jappi-Flappi-Sappi-Magazin Fudder ist es nicht zu peinlich, bei der Hirnverblödungsmaschinerie Twitter mitzumachen.</p></div>
<p>Wenn sie nun denken, dass twittern nur etwas für Jugendliche zwischen 9 und 16 Jahren ist, so obliegen sie einem Irrtum. Während der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten 2008, twitterte sich <strong>Barack Obama</strong> die Hände blutig, um Wählerstimmen für sich zu gewinnen. Naja, er selbst twitterte vermutlich eher weniger, sondern ließ mit Hilfe von willfährigen StudentInnen twittern. Man könnte sagen: <strong>Präsident Barack Obama twitterte sich ins Weiße Haus.</strong></p>
<p><strong>Was macht die Internetplattform mit dem ganzen Datenmüll?</strong> Twitter sammelt personenbezogene Daten seiner Benutzer und teilt sie Dritten mit, welche dafür zahlen und Sorge tragen, dass weltweit alle Mailboxen mit Viagra-Werbemails gut gefüllt bleiben und sich Anti-Spam-Software weiterhin gut verkaufen lässt.</p>
<p>Die Welt twittert. Die Linken, die Rechten, die Mittleren, die Liberalen, die Neoliberalen, die Nazis, die Neonazis, die Kinderschänder, die Mörder, die Amokläufer, die Verliebten, die Verlassenen, die Toten -<strong> ja, die Toten twittern auch</strong>. Selbstverständlich gibt es Twitteraccounts namens <strong>&#8220;Hitler&#8221;, &#8220;Elvis Presley&#8221;, &#8220;Karl Marx&#8221; und &#8220;Erich Honecker&#8221;</strong>. Auch Schwerverbrecher twittern &#8211; so beispielsweise <strong>&#8220;Fritzl&#8221;</strong> (sie wissen schon, das österreichische &#8220;Inzest-Monster&#8221;) und <strong>&#8220;Dieter Bohlen&#8221;</strong>.</p>
<div id="attachment_318" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-318" title="Angela Merkel auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/merkel-opel.gif" alt="Oh, Frau Merkel verbreitet Interna über Twitter! Löblich, löblich - jetzt wissen wir Bescheid!" width="500" height="76" /><p class="wp-caption-text">Oh, Frau Merkel verbreitet Interna über Twitter! Löblich, löblich - jetzt wissen wir Bescheid! Hände weg von Opel. Kaufen sie sich einen Mercedes!</p></div>
<p><strong>Ach, sie meinen, dass das wohl eher alles Fakes sind?</strong> Woher nehmen sie denn die Gewissheit? Und wenn schon, der Geist der gefakten Personen scheint auf die Faker übergesprungen zu sein. Kann man dann noch von einem Fake sprechen? <strong>Nein, eher von Inspiration.</strong> Apropos Inspiration &#8211; alle möglichen Sekten, Religionsgemeinschaften, Kirchen und anderweitig Zurückgebliebene sind ebenso auf <a href="http://www.twitter.com" target="_blank">www.twitter.com</a> vertreten. Unser aller Held <strong>Papst Benedikt</strong> konnte sich zwar erfolgreich diversen Geschlechtsverkehren entziehen (zumindest behauptet er dies), dem Irrsinn Twitter aber nicht. Lediglich 30 Leute folgen dem Unfehlbaren auf Twitter &#8211; schade, dass dies im realen Leben nicht auch so ist.</p>
<div id="attachment_319" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-319" title="Freetagger auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/freetagger-1.gif" alt="Ja, Herr Freetagger, das wollten wir schon immer mal von ihnen wissen..." width="500" height="76" /><p class="wp-caption-text">Ja, Herr Freetagger, das wollten wir schon immer mal von ihnen wissen...</p></div>
<p>Der Großteil der twitternden Personen ist selbstverständlich unter 18 Jahre alt. Die Twittersprache ist dieselbe, wie die SMS-Sprache. Kurze Sätze (es können pro Mitteilung maximal 140 Zeichen gesendet werden), unsinnige Nachrichten, Abkürzungen, Smileys, Hinweise auf Pornoseiten, Hinweise auf Brutalo-Videos, Hinweise auf Amokläufe, undsoweiterundsofort &#8211; das Übliche eben. <strong>Reduktion der Sprache auf Grunzlaute</strong>, welche nicht mehr als Sprache bezeichnet werden können.</p>
<p style="text-align: center;">
<div id="attachment_320" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-320" title="Papst Benedikt auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/vatikan.gif" alt="Der Unfehlbare im direkten Kontakt mit seinen Untertanen." width="500" height="89" /><p class="wp-caption-text">Neueste &#39;geistige Blähungen&#39; von ungeheurer Unfehlbarkeit und von ganz oben...</p></div>
<p>Wann fuhren sie das letzte Mal in einer Straßenbahn und versuchten ein Gespräch zwischen Jugendlichen zu verstehen? Tja, wenn sie über 35 Jahre alt sind, ist dieses <strong>sabbelnde Gebrabbel und Gestottere</strong> nicht mehr verständlich. Dies sollte sie nicht verwundern, denn Jugendliche sprechen nicht mehr, sondern simmsen oder twittern.</p>
<div id="attachment_321" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-321" title="Frau Merkel auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/merkel.gif" alt="So genau wollten wir es nun auch nicht wissen, werte Bundeskanzlerin..." width="500" height="94" /><p class="wp-caption-text">So genau wollten wir es nun auch nicht wissen, werte Bundeskanzlerin...</p></div>
<p><strong>Immer mehr Leute jammern über den Überwachungsstaat Deutschland</strong> (dies auch zu recht!), geben aber gleichzeitig der ganzen Welt ihre innersten Gefühle, Meinungen und Pläne preis &#8211; natürlich in Zusammenhang mit einer gültigen Mailadresse, welche wiederum die Adressdaten beinhaltet. Auf den Internetplattformen <strong>&#8220;MySpace&#8221;, &#8220;YouTube&#8221; und &#8220;FaceBook&#8221; </strong>werden Bilder und Videos der letzten Suff-, Drogen- und Gruppensexpartys einer weltweiten Öffentlichkeit präsentiert und samstags geht es dann in die Freiburger Fußgängerzone, um gegen Schäubles Überwachungsaffinitäten zu demonstrieren, obwohl die meisten dieser Demonstranten ihr ganzes Leben bereits höchstfreiwillig im Internet ausgebreitet haben &#8211; gleichsam eines roten Teppichs, auf dem die Herrschaften des Überwachungsstaates Deutschlands dann stolzieren können, ohne sich die Füße und Hände dreckig machen zu müssen.</p>
<div id="attachment_322" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-322" title="M00nica auf Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/moonica-1.gif" alt="M00nica auf Twitter" width="500" height="78" /><p class="wp-caption-text">Was für ein schönes Wort - ohne Twitter wäre es in den unendlichen Weiten des Internets versunken und hätte keine Überlebenschancen gehabt.</p></div>
<p style="text-align: center;">
<p>Hey Leute, wie wäre es zur Abwechslung damit: <strong>Handys, Laptops und PCs ausschalten und stattdessen das Gehirn einschalten?</strong> Es verhält sich mit dem Gehirn nämlich wie mit einem Motor &#8211; wird er zu lange nicht bewegt, so rostet er ein und wird irreparabel.</p>
<p style="text-align: center;">
<div id="attachment_323" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://www.twitter.com" target="_blank"><img class="size-full wp-image-323" title="Twitter" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/twitter.gif" alt="Wenn sie sadomasochistische Anwandlungen verspüren, so melden sie sich doch bei Twitter an. Ich habe es ausprobiert und muss mich nun kurieren." width="500" height="498" /></a><p class="wp-caption-text">Wenn sie sadomasochistische Anwandlungen verspüren, so melden sie sich doch bei Twitter an. Ich habe es ausprobiert und muss mich nun kurieren.</p></div>
<p>Ist es vielleicht schon so weit? <strong>Irreparabler Volkszustand? </strong>Durchaus möglich.</p>
<p><em>Dr. Satori<br />
<a href="http://www.pseudolus.de" target="_blank">Pseudolus-Satiremagazin</a></em></p>
<blockquote><p>Weitere Twitter-Artikel im Internet:<br />
<a href="http://www.fixmbr.de/twitter-der-grte-bldsinn-aller-zeiten/" target="_blank">&#8220;Twitter &#8211; Der größte Blödsinn aller Zeiten&#8221;</a><br />
<a href="http://www.alles2null.de/twitter-ist-tot-oder-so-erstickt-man-am-eigenen-erfolg/" target="_blank">&#8220;Twitter ist tot &#8211; oder: So erstickt man am eigenen Erfolg&#8221;</a></p></blockquote>
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		<title>&#8220;Sagt Lila&#8221; &#8211; Die Liebe im Schattenhain</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Mar 2009 08:18:57 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_298" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-298" title="Sagt Lila" src="http://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2009/03/sagt-lila.jpg" alt="'Sagt Lila' von Chimo auf der Kammerbühne des Theater Freiburg" width="500" height="198" /><p class="wp-caption-text">&#39;Sagt Lila&#39; von Chimo auf der Kammerbühne des Theater Freiburg</p></div>
<p>Es ist eine Gegend, in der man vor <strong>herabfallenden Kühlschränken</strong> acht geben sollte. Die Blöcke F, H und X bilden zwar eine Gerade, aber Fortschritt muss man darin nicht erkennen. Eher Stagnation, da kann es schon mal passieren, dass sich einer der Bewohner mit dem Herabstoßen eines Kühlschranks ein bisschen Bewegung verschaffen will. Es empfiehlt sich, einen Sicherheitsabstand zu den Häuserwänden einzuhalten. Die übrigen Bewohner von Paris tun dies sowieso &#8211; weiträumig.<span id="more-297"></span></p>
<p>Schlicht<strong> „Sagt Lila“</strong> heißt der Roman eines gewissen Chimo, der Grundlage für Luzius Heydrichs Inszenierung in der Kammerbühne des Theater Freiburg ist. Der Text kam auf dem ungewöhnlichen Weg einer Vermittlung durch einen Rechtsanwalt Mitte der 90er Jahre an den Verlag. Der Autor selbst will anonym bleiben und gibt seiner Geschichte doch die größte denkbare Authentizität. Sie erzählt von einer ersten Liebe in der französischen Banlieue. Ob sie wirklich biografisch ist, wird man anzweifeln dürfen, zu gebaut und eindeutig zu literarisch wirkt „Sagt Lila“. Genau dies macht die Qualität dieses Textes aus.</p>
<p>Im Theater Freiburg findet diese Liebe im Schattenhain eines Turms aus Plastikboxen statt, ein bisschen Grün kränkelt angegraut vor sich hin (Bühne: Birgit Holzwarth). „Sagt Lila“ lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Das kann man pornografisch nennen, dann übersieht man jedoch, dass hier zwei Jugendliche auf der Suche nach einer Sprache füreinander sind. Und die Zeichen stehen schlecht. Chimo (Konrad Singer) beklagt die Verwahrlosung im Viertel, das nur ein <strong>„Fick dich, Opa“</strong> oder „Opfer“ kennt. Er selbst flüchtet sich aus der Hochhaussiedlung auf ein Baustellengelände, auf dem er sich mitten im Gras eine Schreibklause einrichtet. Lila (Elisabeth Hoppe), die zu Beginn von Heydrichs Inszenierung in Spitzenleggings und Tanzröckchen auf dem Turm balanciert, macht deutliche Angaben. <strong>„Willst Du meine Möse sehen?“</strong> – soviel Verheißung verschlägt Chimo erst einmal die Sprache. Und dennoch ist „Sagt Lila“ auf eine fast altmodische Art eine romantische, scheue Liebesgeschichte und Chimo ihr Erzähler, also alles andere als sprachlos. Er schreibt und erzählt, anstatt zu handeln, in diesem Fall zu retten. Es ist nicht das erste Mal, dass so Literatur entsteht.</p>
<p>Regisseur Luzius Heydrich lässt seinen beiden Darstellern Raum. Immer wieder brechen sie die Intimität der Kammerbühne auf und drängen mit der Wucht der Jugend ins Publikum. Zueinander findet das Paar so nicht. Konrad Singers Chimo macht Fußballkunststücke ohne Ball, wenn er reden müsste und ist doch im Monolog noch gestisch und dialogisch.<strong> Elisabeth Hoppe verleiht der Figur der Lila ein unschuldiges Mädchengesicht</strong>, das man im 19. Jahrhundert madonnenhaft genannt hätte und zugleich eine sexuelle Zügellosigkeit. Keine Frage, sowohl Chimos Sensibilität als auch Lilas Tabulosigkeit sind Projektionen. Die Geschichte, die Regisseur Heydrich mit den beiden intensiv aufspielenden Darstellern erzählt, berührt dennoch, ohne dass ein sozial affiner Voyeurismus bedient werden würde. Am Ende erfüllt sich Lilas Vorstellung vom Geschenk, das sie dem machen wollte, den sie liebt, aufs Falscheste. Ein starker Abend.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: center;"><strong>Weitere Vorstellungen:</strong><br />
6./22. und 29. März in der Kammerbühne</p></blockquote>
<p><em>Annette Hoffmann</em></p>
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