NEU – Straußenführer



Gastronomiespiegel

Anzeigen:

  • Seite 1 von 3
  • 1
  • 2
  • 3
  • >

Vergessene Kultur

„Tschernobyl. Expeditionen in ein verlorenes Land“
im Freiburger Augustinermuseum

Blick in die Ausstellung „Tschernobyl. Expeditionen in ein verlorenes Land“

Es war nicht die erste ethnologische Expedition in die Polissja, doch die Feldforschungen, die dort zwischen 1994 und 1997 vom Institut für Ethnologie der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine in Lviv unternommen wurden, waren anders. Führten sie doch in die Sperrzone. Ludmila Bulhakova, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts und Expeditionsteilnehmerin, die nun auch an der Ausstellung „Tschernobyl. Expeditionen in ein verlorenes Land“ beteiligt ist, spricht lieber von Zone. Denn Sperrzonen gab es auch in sowjetischen Straflagern. Im Westen lernte man nach dem 26. April 1986 zwar den Ortsnamen fehlerfrei schreiben, über den ukrainischen Landstrich, in dem der Super-GAU stattfand, lernte man nichts, nichts über die Kultur der dort lebenden Bevölkerung und auch nichts über die Verwerfungen, die dort im 20. Jahrhundert stattfanden. „Tschernobyl. Expeditionen in ein verlorenes Land“ – nun im Wechselausstellungsraum des Freiburger Augustinermuseums zu sehen – ist eine klassische ethnologische Schau, die Objekte sprechen lässt. Doch zugleich ist sie eine politische und symbolische Ausstellung. Nicht allein durch die städtepartnerschaftlichen Verbindungen zu Lviv, sie zollt der Bevölkerung auch eine Art späten Respekt. Tschernobyl und die Polissja gelten manchen als Keimzelle der Slawen. Weitgehend Sumpfgebiet bewahrte sich die Gegend ihre urtümliche Kultur, die vielfach heidnische Elemente aufwies. Um im großen Umfang Landwirtschaft zu betreiben, hätte man die Sümpfe trocken legen müssen. Stattdessen gab es Feldwirtschaft im kleinen Stil, man hielt Vieh und sammelte Beeren und Pilze im Wald. Die Polissja war eine arme Gegend, das Leben hart. Die landwirtschaftlichen Geräte, Holzpflüge sowie Hausrat, aber auch Beerenrechen, die im Museum zu sehen sind, zeugen davon. Man produzierte und baute dem eigenen Bedarf entsprechend an, vermied Überfluss. Dinge, die man nicht selbst herstellte, wurden gehandelt oder getauscht – oft mit jüdischen Kaufleuten. Denn ein großer Anteil der Bevölkerung war jüdisch, er siedelte sich unter der polnischen Herrschaft an und als Katharina die Große an die Macht kam, ordnete sie 1772 an, dass Juden ausschließlich in den ehemals polnischen Gebieten ansässig sein durften. Eine besondere Form der Religiosität bildete sich aus: der Chassidismus. In seiner Blütezeit, im 17. und 18. Jahrhundert, gründeten einzelne Schriftgelehrte Anwesen, in denen bis zu tausend Anhänger lebten. Etwas von seiner Bedeutung lässt sich in Judaica der Sammlung Maximilian Goldstein aus Galizien erahnen, aber auch in einer Projektion historischer Fotos, die ein wenig Einblick in das Leben der osteuropäischen Juden gibt. Man kann die Orthodoxie als Reaktion auf die Pogrome des 17. Jahrhunderts verstehen. Weitere folgten, dann die Sowjetisierung, der Holocaust und schließlich das Reaktorunglück. Die Polissja und ihre Bewohner haben mit der Katastrophe in Tschernobyl ihre Kultur verloren.

Artikel weiterlesen »

„Landnahme“ – Das Zeitalter des Menschen

Fotografien und Reliefs von Betty Beier in der Katholischen Akademie Freiburg

Was charakterisiert Landschaften, was unterscheidet sie voneinander und wie werden sie zum künstlichen Produkt? Kann man zugunsten der Natur sprechen? Solche Fragen beschäftigen Betty Beier und haben sie seit 1996 dazu gebracht, landschaftsverändernde Großbaustellen zu bezeugen, in Berlin und Stuttgart, aber auch etwa in Island und China.

Artikel weiterlesen »

Materialvergessen und materialversessen

Malerei #011. Ungegenständlich heute“ im Kunstraum Alexander Bürkle

Genau genommen ist ja an der Malerei nicht viel mehr dran als die Farbe auf dem Bildträger. Doch welche Farbe und welches Trägermaterial – da fangen die Probleme schon an und welche Rolle spielt überhaupt der Künstler, sein Temperament und sein Verhältnis zur Welt? Beginnt man zu fragen, ist auch schon die Büchse der Pandora geöffnet und das, was klar schien, wird auf einmal schillernd vieldeutig. Der Kunstraum Bürkle erkundet nun in der Ausstellung „Malerei #011. Ungegenständlich heute“ das Wesen zeitgenössischer Abstraktion.

Artikel weiterlesen »

Tradition und Moderne

Patchwork-Europe findet vom 15. bis 18. September im elsässischen Val d’Argent statt

Wenn das elsässische Sainte-Marie-aux-Mines zu Patchwork Europe ruft, kommt eine internationale Gemeinde zusammen, die längst über die europäischen Grenzen hinausgewachsen ist. Das mag viel damit zu tun haben, dass es keine Worte braucht, um Textilkunst zu verstehen, aber auch damit, dass sich Sainte-Marie-aux-Mines die Wiege der Amish-Bewegung nennt. Und die fand bekanntlich in Amerika ihre zweite Heimat. Und so nehmen nicht eben wenige Vorträge, Kurse und Exkursionen Bezug auf diese evangelische Freikirche, die weltabgewandt ihre eigenen Traditionen pflegt. So fragt Jacques Legeret in einem Vortrag nach dem künstlerischen Charakter der Amish-Quilts, es findet aber auch eine Exkursion statt zu historischen Orten der Amish-mennonitischen Bewegung im Val d’Argent.

Artikel weiterlesen »

„Wasser. Phantasie und Wirklichkeit“

Ausstellung in der Kunsthalle Messmer Riegel

Hans-Jürgen Truöl: "Wasser im Death Valley", 2011

Nach einer internationalen Ausschreibung zum Thema Wasser, auf die über 500 Einreichungen erfolgten, präsentiert die Kunsthalle Messmer nun eine Auswahl von achtzig Werken – Malerei, Fotografie, Installation – die sich auf ein Sujet beziehen, das für die Welt permanent aktuell ist, und dies aus verschiedensten Gründen. Das Fehlen dieses lebensnotwendigen Elements verursacht größte Not, Wasser gibt es oft zu wenig, andererseits kann es mit massiv zerstörerischer Kraft auftreten. Vor man assoziiert auch Ruhe, Lust und Labsal –  Meer, Wellen und Erfrischung.

Artikel weiterlesen »