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    Alle woll’n ’se was von mir…

    Heute gibts handgemachte Lyrik, verfasst unter der übermächtigen Last des Lebens. Besitzen Sie einen mittelgroßen Hund, der in etwa ein Gewicht von 35 kg auf die Waage bringt? Dann sollten Sie wissen, dass dieser Hund im Laufe seines Lebens cirka 7,5 Tonnen Scheiße produzieren wird. Das ist aber noch garnichts im Vergleich zur Spezies Mensch, welche pro Lebewesen 30 Tonnen Scheiße und 45.000 Liter Pisse auf den blauen Planeten donnert.

    Der geistige Dünnschiss vieler unserer Zeitgenossen ist in dieser Hochrechnung nicht mit enthalten – der kommt erschwerend hinzu. Das alles hat aber überhaupt nichts mit dem nachfolgenden und außerdem poetischen Beitrag zu tun, den Sie sich jetzt antun müssen. Er ist relativ kurz und der Schmerz wird schnell nachlassen. Also: Frisch gewagt, ist halb gewonnen. Man fühlt sich nach diesem Beitrag auf gar keinen Fall besser – aber irgendwie anders… Viel Vergnügen wünscht Ihnen Dr. Satori.

    Alle woll’n ’se was von mir.

    Der Hund will gestreichelt,
    die Kinder geschlagen
    und die Katze gefüttert werden.

    Alle woll’n se was von mir.

    Das Gedicht will geschrieben,
    die Frau geschwängert
    und der Feind ermordet werden.

    Alle woll’n se was von mir.

    Die Rechnungen wollen bezahlt,
    das Geschirr gespült
    und die Nägel manikürt werden.

    Alle woll’n se was von mir.

    Die Scheiße will gekackt,
    die Zigarette geraucht
    und die Geliebte gevögelt werden.

    Alle woll’n se was von mir.

    Das Buch will gelesen,
    die Brille geputzt
    und das Pferd geritten werden.

    Alle woll’n se was von mir.

    Die Noten wollen gespielt,
    das Geld ausgegeben
    und der Ball getreten werden.

    Alle woll’n se was von mir.

    Das Essen will verdaut,
    der Alkohol vernichtet
    und das Holz gespalten werden.

    Alle woll’n se was von mir.

    Die Freundschaft will gepflegt,
    der Aschenbecher geleert
    und die Wäsche gebügelt werden.

    Alle woll’n se was von mir.

    Die Füße wollen gewaschen,
    der Gedanke gedacht
    und die Scheiße heruntergespült werden.

    Alle woll’n se was von mir.

    Die Lunge will den Krebs,
    die Leber ´ne Zirrhose
    und der Gerichtsvollzieher mein Auto und ´ne Hose.

    Alle woll´n se was von mir.

    Die Arbeit will erledigt,
    das Hemd getragen
    und die Haare geschnitten werden.

    Alle woll´n se was von mir.

    Das Bild will betrachtet,
    der Bumerang geworfen
    und das Luftschloss gebaut werden.

    Alle woll´n se was von mir.

    Das Huhn will geschlachtet,
    die Zeitung gelesen
    und des Nachbarn Kinder geschändet werden.

    Alle woll´n se was von mir.

    Die Miete will beglichen,
    der Einkauf getätigt
    und der Kredit getilgt werden.

    Alle woll´n se was von mir.

    Die Zähne wollen geputzt,
    der Freundin Brüste befummelt
    und der Jackpot geknackt werden.

    Alle woll´n se was von mir.

    Der Berg will erklommen,
    das Atom gespalten
    und meine Sucht zufrieden gestellt werden.

    Alle woll´n se was von mir.

    Das Leben will gelebt,
    die Kuh gemolken
    und die Nachkommenschaft gezeugt werden.

    Alle woll´n se was von mir.

    Das Problem will gelöst,
    der Streit bereinigt
    und die schmutzige Wäsche gewaschen werden.

    Alle woll´n se was von mir.

    Das Erbe will geerbt,
    die Eltern gepflegt
    und das leere Stroh gedroschen werden.

    Alle woll´n se was von mir.

    Die Religion will geglaubt,
    die Last getragen
    und die Einbauküche eingebaut werden.

    Alle woll´n se was von mir.

    Das Finanzamt will ´ne Erklärung,
    der Strafrichter auch
    und mein Vermieter die Kaution.

    Alle woll´n se was von mir.

    Die Psyche will geheilt,
    der Teppich gesaugt
    und das Telefon abgenommen werden.

    Alle woll´n se was von mir.

    Die Zecke will mein Blut,
    der Bankomat die Pin
    und der Tod mein Leben.

    Alle woll´n se was von mir.

    Die Sehnsucht will verzehren mich,
    Vergangenheit will in meine Gegenwart
    nur ich – ich will nicht mehr.

    EPILOG:

    Alle woll´n se was von mir.

    Ist wie beim Ausverkauf,
    irgendwann ist´s halt ausverkauft.

    Gibt nix mehr, hab nix mehr.
    Die Seele ist nun leer…

    Doch Halt! Da ist noch ein Rest von Leben!
    Na, an dem bleib ich jetzt wohl kleben.

    Alles ging vorbei in saus und braus,
    Leben verschwendet, Seele verscheuert,
    immer wieder Besserung beteuert.
    Hat nicht geklappt, naja egal, jetzt will ich nur noch eines:

    APPLAUS.

    [Dr. Satori]


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