Straußenführer 2017


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Denken und Urteilsvermögen überprüfen

Das Theater Basel in der Saison 2017/18

Während in Berlin der Kampf um Personalien und Neuanfänge tobt, wirkt Andreas Becks Vorwort zum Programmheft der kommenden Saison ziemlich nachdenklich. Überhaupt hat man das Gefühl, dass diese Intendantengrußworte von Mal zu Mal nachdenklicher werden. Es gehe heute darum im Theater Zeitgeschehen, Gesellschaft und Politik darzustellen, liest man da und weiter, das Denken und Urteilsvermögen zu überprüfen. Schade nur, dass die eigentlichen Entscheidungsträger wohl gar nicht erst ins Theater gehen.

Andreas Beck, Intendant des Theater Basel (© Simon Hallström)

Andreas Beck, Intendant des Theater Basel (© Simon Hallström)

Ziemlich dicht ist das Programm, dass der Intendant des Theater Basel zusammen mit seinem Team zusammengestellt hat. Simon Stone, 2016 mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnet, ist zwar nicht mehr dabei, aber dennoch muss das Basler Publikum nicht auf Theater-Prominenz verzichten. So startet die neue Spielzeit am 14. September mit einer Inszenierung von Hans Neuenfels von Mozarts „Lucio Silla“. Die Oper passt in Becks Konzept, geht es doch um einen Diktator, der am Ende sich für die Versöhnung ausspricht. Das Schauspiel folgt am nächsten Tag mit Büchners „Woyzeck“, der von Ulrich Rasche auf die Bühne gebracht wird. Rasche war in diesem Jahr mit einer Räuber-Inszenierung zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Die Saison 2017/18 weist überraschend viele klassische Stoffe auf: Tillmann Köhler adaptiert Jeremias Gotthelfs Novelle „Die schwarze Spinne“ für die Bühne und mit „Romulus der Grosse“ von Dürrenmatt steht am Ende der Spielzeit ein weiteres Stück Schweizer Literaturgeschichte auf dem Plan. Lukas Linder etwa wird Gogols Komödie „Der Revisor“ auf Basel zuschreiben und Hausregisseur Thom Luz befasst sich mit Büchners „Leonce und Lena“ und wird das Stück wie zuvor „Die Leiden des jungen Werther“ von hinten erzählen.

Nora Schlocker hingegen setzt sich mit Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang“ auseinander, das Ewald Palmetshofer aktualisiert hat und Julia Hölscher erzählt Kleist Doppelgängerdrama „Amphitryon“ als Geschichte alternativer Fakten. Einen modernen Klassiker wird Alia Luque mit Federico García Lorcas „Yerma“ inszenieren. Zeitgenössischer wird es mit dem Drama „Eine Frau“ des Schauspielers und Autors Tracey Letts, der im Leben einer ganz normalen Frau das theatralische Potential entdeckt. Das Theater Basel konnte dafür die junge dänische Regisseurin Elisa Kragerup gewinnen. Während Ersan Mondtag, Nachwuchsregisseur des Jahres 2016 Theater heute, sich mit dem Kaspar Hauser-Stoff befasst.

Im Tanz setzt das Theater Basel das erfolgreiche Konzept, Richard Wherlocks Handlungsballette mit anderen Handschriften aufzulockern, fort. Während vom Basler Ballettchef im kommenden Jahr ein Abend nach Thomas Manns Künstlernovelle „Tod in Venedig“ zu sehen sein wird, sind weitere Choreografien von Stijn Celis „Schwanensee“ und von Hofesh Shechter und Bryan Arias zu sehen.

Im Musiktheater bilden Inszenierungen wie Paul Abrahams Operette „Die Blume von Hawaii“, bei der Frank Hilbrich Regie führen wird und „Die Dreigroschenoper“ so etwas wie ein Scharnier zwischen den Sparten. Letztere wird von Dani Levy eingerichtet, der in Basel geboren wurde und hier sein erstes Engagement hatte und mittlerweile vor allem durch seine Filme bekannt geworden ist. Auch das diesjährige Weihnachtsstück „Die drei Räuber“ nach dem Kinderbuch von Tomi Ungerer lässt sich hier einordnen, stammt die Musik doch von Fabian Chiquet, Joël Fonsegrive und Victor Moser der Basler Band „The Bianca Story“, die auch die musikalische Leitung innehaben werden.

Mitten hinein ins 19. Jahrhundert führt Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“ um die totkranke Edelprostituierte Violetta Valéry und ihre unmögliche Liebe zu Alfredo Germont. Weiter geht es im Dezember mit „La Cenerentola“ von Rossini, die Oper wird Antonio Latella mit der russischen Mezzosopranistin Vasilisa Berzhanskaya in der Hauptrolle des Aschenputtels inszenieren. Musikdirektor Erik Nielsen hat die musikalische Leitung bei Richard Strauss‘ „Elektra“ inne, die am 12. Januar 2018 Premiere feiern wird.

Als Schweizer Erstaufführung wird Prokofjews Oper nach dem Roman Dostojewskis „Der Spieler“ unter der Regie von Vasily Barkhatov zu sehen sein. Und die amerikanische Regisseurin Lydia Steiner, von der in Basel bereits Stockhausens „Donnerstag aus Licht“ zu sehen war, setzt sich mit Igor Strawinskys Oper „The Rake’s Progress“ auseinander, zu der sich der Komponist durch Motive des gleichnamigen Grafikzyklus von William Hogarth inspirieren ließ.

Annette Hoffmann

www.theater-basel.ch

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