Straußenführer 2016



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Mozarts “Don Giovanni” am Theater Basel

Herzens(ver)brecher mit Frauenverschleiß

Ein riesiges Fahndungsplakat ist bereits bei der Ouvertüre zu sehen: Don Giovanni wanted. Der Blick des Gesuchten: kalt und leer. Das ist keine Sympathiefigur, sondern ein Schwerverbrecher, der in der Inszenierung von Richard Jones am Theater Basel im Mittelpunkt steht.

Szenenbild aus "Don Giovanni" im Theater Basl, es zeigt den Schauspieler Riccardo Fassi mit einem Telefonbuch vor einem Buffet

Riccardo Fassi als Don Giovanni im Theater Basel (© Priska Ketterer)

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Uraufführung am Theater Freiburg: Ludger Vollmers Oper “Crusades”

Liebe in Zeiten des Terrors

Ein islamistischer Selbstmordattentäter, der sich kurz vor dem Anschlag auf die Jerusalemer Grabeskirche bekehrt und deshalb von seinem Auftraggeber erschossen wird – „Crusades“, die neue Oper von Ludger Vollmer, trägt am Ende richtig dick auf. Und lässt nochmals alle der über 100 Beteiligten auf die Bühne kommen, um im Epilog Frieden und Gerechtigkeit zu fordern.

Szene aus "Crusades" am Theater Freiburg. Es zeigt die Schauspielerinnen Sirin Kilic und Kim-Lillian Strebel

Sirin Kilic und Kim-Lillian Strebel in “Crusades” am Theater Freiburg (© Maurice Korbel)

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Das Cargo-Theater mit “Als ich fliegen konnte” im E-Werk

Tiefenpsychologische Reise à la “Alice im Wunderland”

Nichts als ein rustikaler Kleiderschrank steht im nachtblauen Halbdunkel auf der Bühne des Kammertheaters im Freiburger E-Werk. Linkerhand eine Holzbretterbude, in der Carla Wierer während des neuen Cargo-Stückes „Als ich fliegen konnte“ das Geschehen mit Live-Musik, Geräuschen, Klängen und Rhythmen stimmungsvoll begleiten wird.

Szenenbild aus "Als ich fliegen konnte". Es zeigt den Schauspieler Samuel Kübler, der in einen Schrank steht und sich daran klammert

Samuel Kübler in “Als ich fliegen konnte”

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Dostojewskis „Schuld und Sühne“ im Theater der Immoralisten

Im Kopf eines Mörders

Ein lauter Knall, schon ist man mittendrin im Stück – und damit quasi im Kopf eines Mannes, der gleich zum Mörder wird. In höchster Erregung wirft sich Rodion Raskolnikow von Wand zu Wand in der engen dunklen Blackbox, auf die das Theater der Immoralisten für dieses Stück geschrumpft wurde; in Tuchfühlung zum Publikum, das um die schmale Vierung der Bühnenfläche herumgruppiert ist.

Szenenbild aus Dostojewskis "Schuld und Sühne" im Freiburger Theater der Immoralisten. Es zeigt den Schauspieler Jochen Kruß als Raskolikow in einer Verhörsirtuazion

Raskolikow (Jochen Kruß)

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Neue Musiktheaterproduktion der Mondo Musical Group

“Hinterwald”

Die studentische Mondo Musical Group begeistert seit 10 Jahren ihr Publikum. Originell und lustig, frisch und frech, bunt und schräg, sprühend vor Spielfreude und immer auf einem hohen gesanglichen und tänzerischen Niveau. Die neue Musicalproduktion „Hinterwald“, aus der Feder der Regisseurin Stephanie Heine und des Komponisten Rafael Orth, handelt von einer Gruppe Freiburger Studierender, die auf einer Exkursion im Schwarzwald von einem Unwetter überrascht werden.

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Mareike Mikat inszeniert „Nathan der Weise“ im Theater Freiburg

Wer hat Angst vor Lessing?

„Beware of the camel“, steht auf dem Warnhinweis. Jerusalem zur Zeit Nathan des Weisen ist eine globalisierte Handelsregion. Nathan ist mit seiner Karawane unterwegs als seine Tochter Recha beinahe einen Unfall erleidet. Das Haus steht in Flammen und wäre da nicht der Tempelherr gewesen, die junge Frau hätte ihr Leben gelassen. Doch ihren Dank will er nicht, Recha ist Jüdin, er Christ.

Szene aus Lessings "Nathan der Weise" im Theater Freiburg. Es zeigt die Schauspieler André Benndorf und Victor Calero.

André Benndorf und Victor Calero in Lessings “Nathan der Weise” im Theater Freiburg © Marice Korbel

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„Die Sache Makropulos“ am Theater Freiburg

Vera Nemirova inszeniert Leos Janáceks Oper mit Katerina Hebelková als Primadonna

Der Zeiger auf dem großen Zifferblatt steht still. Die Zeit ist angehalten für die Operndiva Emilia Marty, die, weil sie als Kind von ihrem Vater ein Lebenselixier zu trinken bekam, inzwischen 337 Jahre zählt: In Leos Janáceks Oper „Die Sache Makropulos“ am Freiburger Theater verkörpert die tschechische Mezzosopranistin Katerina Hebelková die Primadonna. Und macht aus der geheimnisvollen Figur eine sinnliche, selbstbewusste, von den Männern begehrte Frau, die ihr zerbrechliches Inneres mit dem Glanz des Erfolgs schützt.

Foto von Opernsängerin Katerina Hebelková als Primadonna, sie sitzt vor einem großen Ziffernblatt und schminkt sich

Katerina Hebelková in Leos Janáceks Oper „Die Sache Makropulos“ – zu sehen bis Mitte Januar im Theater Freiburg © Maurice Korbel

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Im Theater Basel sucht Caligula die Freiheit in der Grausamkeit

Inszenierung von Antonia Latella im Schauspielhaus

Dies vorweg: im Theater Basel, wo „Caligula“ jetzt in einer Inszenierung von Antonia Latella im Schauspielhaus gespielt wird, klammert man alle Anspielungen auf die Gegenwart aus. Caligula ist wie ein Kind, das zu schnell Verantwortung übernehmen musste und zynisch geworden ist. Dass man sich im Herbst 2016 von “Caligula” im Theater Basel dennoch geradezu unangenehm angefasst fühlt, hat mit dem Ergebnis der Wahl in den USA zu tun. In dem Stück begegnet uns ein Herrschertyp, der beratungsresistent ist und allein seiner eigenen Meinung zu folgen scheint. Das Unberechenbare und die Furcht, die damit einhergeht, ist die Grundlage seiner Herrschaft.

Szenenbild mit sieben Schauspielern aus "Caligula" im Theater Basel. Manche tragen keine Hosen, ihre Körper werfen große Schatten auf die rote Wand im Hintergrund

Vincent Glander, Thomas Reisinger, Steffen Höld, Martin Hug, Thiemo Strutzenberger und Katja Jung in “Caligula” © Sandra Then

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