Straußenführer 2017



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Oper „Wahnfried“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe

Eine musikalische Geschichtsstunde

Am Ende brennt das Bühnenbild zu den „Meistersingern“, durch die Tür kommt Adolf Hitler. Mit drastischen Szenen arbeitet die Oper „Wahnfried“, die am Badischen Staatstheater Karlsruhe uraufgeführt wurde, die weniger schönen politischen Seiten des Wagner-Kultes auf.

Szenenfoto aus "Wahnfried": Christina Niessen als Cosima Wagner

Christina Niessen als Cosima Wagner in “Wahnfried” © Falk von Traubenberg

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Heike M. Goetze inszeniert „Endstation Sehnsucht“ am Theater Freiburg

Die Gewalt ist gesellschaftslos

Tennessee Williams’ „Endstation Sehnsucht“ ist ein Stück mit einer geradezu symbolträchtigen Physis der Protagonisten. Marlon Brando im T-Shirt als Stanley Kowalski ist Legende. Auch Heike M. Goetzes Inszenierung von „Endstation Sehnsucht“ am Theater Freiburg ist ein Nachhall davon – wenn auch unter anderen Vorzeichen. Es macht auf der Bühne des Kleinen Hauses einen Unterschied, wie Körper, Nacktheit und Blößen in Szene gesetzt werden.

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Johanna Eiworth und André Benndorff in “Endstation Sehnsucht” © M. Korbel

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Gorkis “Wassa Schelesnowa” und “Die Mutter” im Theater Freiburg

Die Verhältnisse sind nicht so

Ein Blick auf das Bild an der Wand und wir wissen, woher das Vermögen von Wassa Schelesnowa stammt. Nicht etwa von Ziegeln, Kacheln, Holz und Torf, wie ihr Sohn Semjon das Geschäftsmodell des Familienunternehmens beschreibt. Es beruht auf der Ausbeutung der Arbeiter.

Szenenfoto aus Wassa Schelesnowa: Die Schauspielerinnen Melanie Lüninghöner und Marie Bonnet vor einem Wandgemälde ausgebeuteter Arbeiter

Melanie Lüninghöner und Marie Bonnet © M. Korbel

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Theater im Marienbad inszeniert Lisa Danulats Kinderstück „So ist es!“

Trashige Endzeitstimmung

Eine Gartenlaube aus Paletten, drum herum Hochbeete mit vertrocknetem Gestrüpp und ein vogelwildes Schrott-Sammelsurium vor rostig-blauer Wellblechwand, in deren Höhe eine Guckkastenbühne eingelassen ist: Hinter durchsichtigen Plastiklamellen sieht man Computer, Stuhl und Schreibtisch. Unten wuselt ein barfüßiger Hippie in bodenlanger, brauner Kapuzenkutte herum, sein geschäftiges Geräume unterbricht er immer dann für einen Schluck aus dem Reagenzglas, wenn das Industrierohr am Boden einen Stoß dicken Qualm in seine Kleingärtner-Aussteiger-Müllkippen-Einsiedelei röchelt.

Schauspieler Nic Reitzenstein in "So ist es!"

Nic Reitzenstein © Andreas Metzner

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Mozarts “Don Giovanni” am Theater Basel

Herzens(ver)brecher mit Frauenverschleiß

Ein riesiges Fahndungsplakat ist bereits bei der Ouvertüre zu sehen: Don Giovanni wanted. Der Blick des Gesuchten: kalt und leer. Das ist keine Sympathiefigur, sondern ein Schwerverbrecher, der in der Inszenierung von Richard Jones am Theater Basel im Mittelpunkt steht.

Szenenbild aus "Don Giovanni" im Theater Basl, es zeigt den Schauspieler Riccardo Fassi mit einem Telefonbuch vor einem Buffet

Riccardo Fassi als Don Giovanni im Theater Basel (© Priska Ketterer)

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Uraufführung am Theater Freiburg: Ludger Vollmers Oper “Crusades”

Liebe in Zeiten des Terrors

Ein islamistischer Selbstmordattentäter, der sich kurz vor dem Anschlag auf die Jerusalemer Grabeskirche bekehrt und deshalb von seinem Auftraggeber erschossen wird – „Crusades“, die neue Oper von Ludger Vollmer, trägt am Ende richtig dick auf. Und lässt nochmals alle der über 100 Beteiligten auf die Bühne kommen, um im Epilog Frieden und Gerechtigkeit zu fordern.

Szene aus "Crusades" am Theater Freiburg. Es zeigt die Schauspielerinnen Sirin Kilic und Kim-Lillian Strebel

Sirin Kilic und Kim-Lillian Strebel in “Crusades” am Theater Freiburg (© Maurice Korbel)

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Das Cargo-Theater mit “Als ich fliegen konnte” im E-Werk

Tiefenpsychologische Reise à la “Alice im Wunderland”

Nichts als ein rustikaler Kleiderschrank steht im nachtblauen Halbdunkel auf der Bühne des Kammertheaters im Freiburger E-Werk. Linkerhand eine Holzbretterbude, in der Carla Wierer während des neuen Cargo-Stückes „Als ich fliegen konnte“ das Geschehen mit Live-Musik, Geräuschen, Klängen und Rhythmen stimmungsvoll begleiten wird.

Szenenbild aus "Als ich fliegen konnte". Es zeigt den Schauspieler Samuel Kübler, der in einen Schrank steht und sich daran klammert

Samuel Kübler in “Als ich fliegen konnte”

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Dostojewskis „Schuld und Sühne“ im Theater der Immoralisten

Im Kopf eines Mörders

Ein lauter Knall, schon ist man mittendrin im Stück – und damit quasi im Kopf eines Mannes, der gleich zum Mörder wird. In höchster Erregung wirft sich Rodion Raskolnikow von Wand zu Wand in der engen dunklen Blackbox, auf die das Theater der Immoralisten für dieses Stück geschrumpft wurde; in Tuchfühlung zum Publikum, das um die schmale Vierung der Bühnenfläche herumgruppiert ist.

Szenenbild aus Dostojewskis "Schuld und Sühne" im Freiburger Theater der Immoralisten. Es zeigt den Schauspieler Jochen Kruß als Raskolikow in einer Verhörsirtuazion

Raskolikow (Jochen Kruß)

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