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„Bleiben ist keines, nirgendwo“

Ein Hörbuch zu den Lebenserfahrungen des geflüchteten Mohammed Jabur

„Bürokratie verhindert menschliche Nähe“ ist der Titel eines Interviews, das Friederike Zimmermann im März 2016 mit Mohammed Jabur im Kultur Joker führte. Jabur kam als palästinensischer Flüchtling auf die Welt, heute lebt er in Deutschland. Der Kontakt zwischen Zimmermann und Jabur riss nach dem Interview nicht ab. In Kooperation mit der Freiburger Bürgerstiftung und dem Freiburger Hörbuchverlag „HörFlüge“ erscheint nun das Hörbuch „Bleiben ist keines – nirgendwo“ mit Texten zum erschütternden, aber auch inspirierenden Lebensweg Jaburs.

Mohammed Jambur und Heinzl Spagl (© Britt Schilling)

Mohammed Jambur und Heinzl Spagl (© Britt Schilling)

Obwohl Mohammed Jaburs Familie aus Palästina stammt und er dieses Land als seine Heimat betrachtet, war er doch nie dort. Als „geborener Flüchtling“, wie Jabur selbst schreibt, kam er nicht in seinem Heimatland, sondern 1958 in Syrien auf die Welt. Aufgrund der politischen Instabilität im Nahen Osten blieb Jabur von seiner Kindheit an auf der Flucht, verlor seine Eltern und seine Familie und kam 1996 schließlich ausgezehrt nach Deutschland, wo er 2006 die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits an Darmkrebs erkrankt. 2012 hatte er aufgrund von gesundheitlichen Komplikationen ein Nahtoderlebnis, kehrte jedoch wieder. Er fasste die Entscheidung sich mit seinem Lebensweg an die Öffentlichkeit zu wenden.

„Mein Leben… eher habe ich das Gefühl, es sind viele Leben. Wie bei einer Katze. Man sagt, eine Katze habe sieben Leben, sei nicht totzukriegen. So ist es auch bei mir.“

Friederike Zimmermann lernte Mohammed im Januar 2016 kennen: „Ich war von seiner Geschichte sofort gefesselt“. Als Journalistin, Kunstvermittlerin und zudem Vorsitzende des artisse-Kulturvereins hatte sie aber viel zu tun und ging daher schrittweise vor. Nach dem Interview im Kultur Joker folgte eine Lesung im Rahmen des Flüchtlingsprojekts „We Cross Borders“ der Freiburger Bürgerstiftung im Forum Merzhausen. Die musikalische Lesung hatte großen Erfolg, weshalb unter den Beteiligten die Idee reifte, daraus ein Hörbuch zu machen.

Für eine intermediale Darstellung der Fluchterfahrung konnte man Basem Salem, Aziz El-Kaddouri und Wolfgang J. Fernow als musikalische Begleitung gewinnen. Heinzl Spagl wurde – wie bereits in der Lesung – Sprecher des Texts.

Mohammeds Nahtoderlebnis wurde Ausgangspunkt seiner Lebenserzählung: „Gestrandet 1996 in Deutschland, zehn Jahre später hier eingebürgert, gestorben 2012.“Angesichts des Todes traf er auf ihm nahestehende Menschen, wurde von seinem toten Vater aber in die Welt zurückgeschickt. Nicht einmal hier durfte er bleiben. Selbst da blieb er Flüchtling. Entsprechend auch der Titel des Hörbuchs Bleiben ist keines – nirgendwo nach einem Gedicht von Hölderlin. Ausgehend von diesem Nahtoderlebnis führt das Hörbuch zu den verschiedenen Stationen seines Lebens, unchronologisch, aber dynamisch erzählt. Die arabischen Klänge und Lieder geben dem unsteten Weg Jaburs einen heimatlichen Fokus.

„Die arabischen Länder sind meine Heimat. […] / Keine Grenzen können uns trennen.“

Den Hörbuch-Produzenten ist es ein Anliegen, die Menschen hier auf die Bedeutung eines Fluchtschicksals aufmerksam zu machen, dessen menschliche Dimensionen zu vermitteln. Wie viele leidet Jabur an den Konflikten von Politik, Krieg und Fremdenfeindlichkeit. Und wie viele sucht Jabur seine verlorene Heimat.

Das Hörbuch „Bleiben ist keines – nirgendwo“ ist im „HörFlüge“-Verlag erschienen und überall im Handel bestellbar. Es kostet 15 Euro.

Fabian Lutz

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